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Montag, 28. September 2015

Freilernerfestival [friuddannelse festival]


Das Festival, welches Septrè veranstaltet, heißt in Wirklichkeit Schulfrei Festival. Allerdings finde ich es immer störend, dass in dem Namen das Wort Schule vorkommt. Wir wollen ja eigentlich ein Leben ohne Schule. Und dann gestehen wir dieser Institution einen so prominenten Platz zu?
Ausserdem hat Jesper Juul, als ich ihn gefragt habe, ob ihm der Begriff Antipädagogik geläufig sei, unter anderem geantwortet "Wieso müssen die Menschen immer GEGEN irgendwas sein? Es ist doch viel schöner FÜR etwas zu sein!".
Und das fällt mir jedes mal ein, wenn ich das Festivallogo sehe. Da sollte eigentlich Freilerner Festival stehen. Die Jungs und Mädels von Septré werden ihre Gründe für den Namen gehabt haben. Da will ich auch gar nicht mosern. Aber ich nenne es für mich lieber Freilernerfestival.

Mittwoch, 23. September 2015

Gewalt? Ohne mich! [vold? uden mig!]

Es gibt eine sehr einfache klare Kampagne, die ich hier gerne unterstützen möchte.
Es geht einfach nur um die Feststellung, dass wir unsere Kinder nicht gegen ihren Willen in die Schule bringen wollen/sollen. Wir sind ja sowieso per Grundgesetz dazu verpflichtet sie gewaltfrei zu erziehen. Unterstützen kann jeder die Aktion, indem er ein Foto ohne irgendwelche Angaben zur Person dort hin schickt. Das war's.
Zu der Kampagne kommt ihr entweder über das Foto oder den folgenden Link: www.gewaltohnemich.de




Montag, 21. September 2015

Zurück [tilbage]

Wir sind wieder hier.
Vier Tage mit einer Flut an Informationen. Seit Pelle auf der Welt ist versuche ich konkrete Informationen zum Freilernen in Deutschland zu bekommen. Vor acht Jahren am Computer in Hamburg habe ich nichts dazu gefunden. Es gab nur grob beschreibende Berichte. Die Neubronners waren zu der Zeit oft im Fernsehen. Aber ich konnte keinen konkreten Handlungsanweisungen, Tips oder eben Menschen die genau das tun was ich auch vor hatte, finden. Es gab nur nebulöse Halbaussagen und ein paar echte Fehlinformationen.

An der Freien Schule habe ich dann das erste mal eine Familie getroffen, die das tatsächlich gemacht haben. Immer wieder mal habe ich dann Menschen kennengelernt die ihren Kindern ein Leben ohne Schule ermöglicht haben. Ich hab immer versucht so viel Informationen wie möglich zu bekommen.

Nicht über das Lernen oder so. Da weiß ich, dass das einfach passiert und kenne meine Grenzen, Wünsche und Kompetenzen. Da bin ich sehr gut versorgt.
Aber eben die ganz konkrete praktische Umsetzung: Schulbehörde, Jugendamt, Meldebehörde, KFZ-Zulassungsstelle, Krankenkasse, Finanzamt u.s.w.

Es gab keine echten Infos. Und keine Kontakte zu anderen Familien. Zum einen liegt das daran, dass alle so unterschiedlich sind. Deshalb gibt es wenig allgemein gültige Ratschläge. Dann sind die Freilernerfamilien auch meist wirklich sehr beschäftigt. Es gibt zwar viele Versuche im Internet, diese Familien zu versammeln, aber so richtig gut klappt das nicht. Seit ein paar Jahren gibt es zumindest immer mehr Familien die Blogs schreiben. So kann man zumindest die individuellen Wege ein bisschen mitverfolgen. Wobei natürlich alles nicht legale meist ausgespart wird.

Unser Sommer in Portugal bot zum allerersten mal wirklich ein reichhaltiges Angebot an Geschichten und Informationen. Wir haben viele Familien kennengelernt, die sich Zeit genommen haben, uns ihr Leben zu zeigen und meine vielen Fragen beantwortet haben.

Nachdem ich im Winter diesen Jahres, wegen unserem Gerichtstermin und der angedrohten teilweisen Sorgerechtsentziehung, einen Haufen wichtiger Informationen selber zusammen gesammelt habe, war der Sommer mit den vielen Erfahrungsberichten jetzt quasi der zweite Lernblock.
Der Sommer hatte aber die Überschrift "wie ist Freilernen in Verbindung mit Auswandern nach Portugal möglich".

Da war das Schulfreifestival jetzt wieder ganz anders. Wir konnten vier Tage lang mit 450 anderen Menschen die ganze Vielfalt der Freilernermöglichkeiten von deutschen Familien besprechen.

Unser Anwalt war auch dort und hat einen Vortrag gehalten. Das Festival glich einem Kliententreffen von ihm.

Luzie hat einen Stick-Workshop angeboten. Schon als wir am Donnerstag ankamen, warteten Interessenten auf sie. Wir packten das Material aus und schwupps, waren alle ganz entspannt dabei und nebenher gab es die ersten sehr informativen Gespräche. Das war ganz großartig. Die gesamten vier Tage waren immer Menschen mit den Stickrahmen beschäftigt und haben ganz viele unterschiedliche Dinge gestickt und sich ausgetauscht über die Techniken und eben nebenher Gespräche über das Freilernerleben geführt. Das Sticken erzeugt so eine angenehme Tiefenentspannung, das war echt schön. Vor allem weil ich das so nicht wusste oder geplant hatte.
Luzie hatte auch sehr schnell eine Kollegin, die nach kurzer Anlernphase direkt eingestellt wurde.

Pelle und Elvis kamen am Samstag nach und haben einen Workshop zum Thema Freilerner Digital angeboten. Wir hatten alle Geräte, Programme und Apps, die wir in den letzten Jahren getestet und für gut befunden haben, dabei. 

Beide Workshops werden wir nächstes Jahr wieder anbieten. Das war wirklich gut. Einer meiner Hauptgedanken war, dass ich es eine wichtige Erfahrung für die Kinder finde, sich selbst als kompetent und 'Teil des Ganzen' und eben nicht nur als Konsument zu erleben. Pelle hat seinen Job als Workshopanbieter auch echt gut gemacht, sich dann aber auch noch ein anderes Aufgabenfeld gesucht und mit zwei Freunden zusammen die Bar übernommen. Luzie ist in ihrem Stickworkshop geblieben und fühlte sich da sehr verbunden und verpflichtet, so dass ich sie ab und an ganz offiziell freistellen musste, damit sie auch guten Gewissens an anderen Angeboten teilnehmen konnte. Eigentlich war ihr Workshop nur für zwei Stunden pro Tag geplant, aber es wurde eben die ganze Zeit gestickt.

In dem Text tauchen jetzt Variationen des Wortes 'Information' extrem gehäuft auf. Aber genau so waren Portugal und das Freilernerfestival auch. Jahrelang gab es nur Wasser und jetzt wurden wir quasi mit Saftkonzentrat übergossen. 

Donnerstag, 27. August 2015

Langschläfer [lang søvn]

















Luzie schläft lange. Bis 10.49 Uhr, wenn man sie lässt. Egal wann sie am Abend vorher ins Bett gegangen ist. 19 Uhr, 20 Uhr, 21 Uhr. Es macht keinen unterschied. 18 Uhr haben wir nicht ausprobiert – dazu sind wir nicht bereit.
Wenn Luzie vorher, z. B. um 6.40 Uhr für die Schule, aufstehen muss, gibt es Knatsch. Immer. Es gibt keine gut gelaunte Luzie vor 10 Uhr.

Und genau das ist eventuell jetzt der Grund, weshalb auch Deichhauskind Nummer zwo, vorerst keine Schule besuchen wird.

Ich bin nicht bereit jeden Tag mit schlechter Laune zu beginnen und mit Bettgehstress zu beenden. Oder das Kind mit Schokolade, oder anderen gesundheitlich problematischen Dingen, morgens zu einem höheren Blutzuckerspiegel zu verhelfen.

Wenn wir sie wecken und dann nicht aufpassen, finden wir sie zehn Minuten später schlafend unter den Sofakissen.

Vor zehn Uhr hasst Luzie also alles was man von ihr will. Auch das zur Schule gehen.

Ich denke, wenn die Schule um 10 anfangen würde, hätte Luzie Spaß daran.

Dazu passend gibt es einen aktuellen Bericht von Till Roenneberg: Schule um 8 Uhr ist biologische Diskriminierung.


Und einen älteren Kommentar von Frederik Jötten: Innere Uhr.

Montag, 23. September 2013

Gute Lehrer [gode lærer]

























How to Play. Das ist das Zauberwort. Wenn man das bei Youtube eingibt, ploppen einem tausende von Lehrvideos entgegen. Einige gute, viele stümperhafte und einige wirklich tolle. Pelle lernt gerade mit solchen Videos an unserem Piano ein paar Lieder. Das wirklich wirklich wirklich Gute an diesen Videos: sie werden nie ungeduldig, auch nicht wenn Pelle das zum hundertsten Mal spielt und immer noch den selben Fehler macht. Mit einer großartigen Ruhe und Gelassenheit erklärt die Pianospielerin im Video immer und immer wieder den einen Teil, den Pelle grade übt und macht es noch ein mal vor. Das ist ein sehr großer Vorteil beim Lernen mit diesem Medium. Deshalb liebe ich elektronische Lehrer. Sie werden nicht genervt und sie kritisieren nicht. Nie. Wirklich.
Wie Tanja und Johnny Haeusler in ihrem Artikel in der aktuellen unerzogen schreiben: Kein Spiel sagt: Das war jetzt eher eine Vier minus. So ist es. Ein Video, ein Spiel oder ein Programm kritisiert und bewertet nicht. Sie weisen auf Fehler hin. Aber immer neutral. Und somit sind wir ganz in dem Fahrwasser von Vera F. Birkenbihl. Sie sagte, dass es ganz wichtig ist auf der Eingangsstufe einer Lernphase nicht zu kritisieren.

Wenn ich draussen auf dem Bett unter dem Apfelbaum sitze kann ich aus dem Haus Für Elise hören. Das ist schön. Und obwohl die elektronischen Lehrer nicht kritisieren gibt es hier aufwühlende Lernphasen. An einem Tag als Pelle schon recht weit in dem Stück gekommen war, saß er am Klavier und platzte fast vor Stolz. Er redete die ganze Zeit davon wie unfassbar weit er schon gekommen ist. Und dann funktionierte plötzlich etwas nicht. Er hat es mehrmals versucht und ist dann verzweifelt am Klavier zusammengebrochen. Hat gewütet, geweint und geschimpft. Ich hab dabei gesessen und konnte nichts hilfreiches beitragen. Irgendwann habe ich ihm vorgeschlagen erst einmal eine Pause zu machen und wir haben zusammen ein wenig Theorie zu dem Stück welches er gerade übte angeschaut. Wir haben uns die Wikipediaeinträge zu Beethoven und Mozart durchgelesen, festgestellt, dass Mozart aussah wie der Onkel von Pelles Freund. Wir haben uns Konzertmitschnitte von Beethovenstücken angeschaut und uns Für Elise komplett angehört. Danach hat er entspannt und erholt wieder weiter am Klavier geübt.


Sonntag, 28. Juli 2013

Zirkus [cirkus]

Pelle war weg. Acht Tage ohne Kontakt zu uns im Ferienlager. Zirkuscamp. Jetzt ist er zehn Jahre reifer und voll mit spannenden Geschichten. Die kommen stückchenweise heraus. Ein Favorit ist auf jeden Fall das nächtliche Flaschendrehen. Davon wird immer wieder erzählt. Und ich weiß jetzt schon fast alle Einzelheiten, die ich gar nicht wissen will. Wer wen küssen musste, wer wen am BH anfassen musste und so weiter.
Pelle hat sich, seit dem wir vor 1.5 Jahren mit der Schule erst mal ganz aufgehört haben, die Welt Stück für Stück erobert. Nachdem er 9 Jahre lang quasi ein Körperteil von mir war, hat er sich langsam und kontinuierlich von mir weg bewegt. Und das endete jetzt fulminant in dem Zirkuscamp. Er hatte kein Heimweh. Er war zwischendrin richtig Krank, er hustet immer noch doll. Er hat am zweiten Tag zu seinem Clanchef gesagt, dass es dort wie zu Hause sei. Er hat Freunde gefunden. Sehr sympathische Kerle. Es war ein bisschen merkwürdig ihn so vertraut und innig mit seinen neuen Kumpels zu sehen, die mir wildfremd waren. Es gab auch Tränen, weil er beim Verteilen der Rollen irgendwie nicht schnell genug war und keine abbekommen hatte. Aber sein Freund mit dem er dort hingefahren ist, hat sich drum gekümmert. Er hat ihn zu den Teamleitern mitgenommen und ihn in die Listen eintragen lassen. Ich kenne die Geschichte nur aus Pelles Sicht*, weiß ja aber wie er so ist. Ich glaube er hat einfach geträumt. Und als er aufgewacht ist, hat er gedacht es sei alles vorbei und hat Panik bekommen. Da die Zirkuscampmenschen aber die allertollsten Menschen der Welt sind, kann ich mir gar nicht recht vorstellen, dass es ein Problem gewesen ist, sich noch in die Listen einzutragen. Pelle hat trotzdem das Gefühl sein Freund hätte ihn gerettet. So war er dann in drei Teams dabei. Er hat Feuerartistik, Tuchakrobatik und Schauspielerei gemacht. Er war Polizist und Vampir. Und glücklich.



Ein Mädchen war blöd. Die mochte ihn nicht - sagt er. Sie wollte nicht, dass er in ihr Zelt kommt. Eigentlich wollten alle zusammen dort Flaschendrehen spielen. Daraufhin ist die ganze nächtliche Flaschendrehgesellschaft inklusive Pelle und dem Mädchen in das Zelt eines anderen Mädchens gegangen.
Okay, kann ja mal passieren, dass es Menschen gibt die einen doof finden. War das schlimm für Dich? Nö. Wie hieß die denn? Mia. Aha? Aber das ist doch die, die die ganze Zeit bei Dir rumstand und so viel gequasselt hat, als wir angekommen sind und Du uns begrüßt hast...? Ja, genau die. Und die hat gesagt, dass sie Dich nicht mag? Ja. Sie meinte, dass ich sie nicht mag! Deshalb mag sie mich nicht. Aber das stimmte ja gar nicht! Aber wieso stand die dann die ganze Zeit bei uns und hat an Dir und Minimum rumgetüddelt? Verstehe ich auch nicht.



*Jetzt habe ich auch von einer Freundin, die als Clanchef mit dort war gehört, dass ich Pelle ganz gut kenne. Er hat tatsächlich einfach träumend dabei gesessen, als die Lehrer und Kinder sich per Handzeichen in die jeweiligen Gruppen verteilt haben. Er hat nicht mitbekommen was da vor sich ging. Und hat nur hinterher gemerkt, dass er etwas verpasst hat. Aber es war überhaupt kein Thema ihn noch in die Gruppen mit rein zu schreiben. Und das war wohl öfter so. Er saß einfach bei den Versammlungen träumend dabei. Das macht ja aber gar nichts wenn man von netten Menschen umgeben ist.




Donnerstag, 13. Juni 2013

Neue Lehrer [nye lærer]

Welch ein Glück. Im Dorf nebenan gibt es neue Bewohner. Ein Filmemacherpärchen. Und einer von beiden ist auch noch ein Nativespeaker Dutch. Wir unterhalten uns bisher auf Englisch. Aber ich hätte jetzt gerne sofort das Rosetta Stone für Holländisch. Ausserdem hat dieser neue Lehrer noch ein weiteres Hobby: Töpfern! Jetzt haben wir Nachbarn die Pelle alles über das Filme machen beibringen können, mit Pelle und Luzie töpfern und dabei auch noch Englisch und Holländisch sprechen.

Das Kennenlerngespräch war nett. Nachdem ich einiges über die Beiden erfahren hatte und dachte unsere Wahrheit ist bei denen gut aufgehoben sagte ich frei heraus, dass wir nicht zur Schule gehen. Daraufhin sagte der Filmemacher aus Holland, dass er das gut findet und dass man es Pelle und Luzie anmerkt, das sie sehr eigenständig und verantwortungsvoll wirken und dass sie hier ja auch gut aufgehoben sind, in einem Tonfall der klar machte, dass er nicht wusste, dass Deutschland das nicht so gerne hat. Also sagte der andere Filmemacher, der als erstes erwidert hatte, dass er das absolut richtig findet und dass er in der Schule nur Zeit verschwendet habe und sich mit 17 noch mal komplett alleine neu (aus)gebildet hat: it´s illegal. It is no option in Germany to send the children not to school.

Und der Holländische Filmemacher fragte mit einem so herrlich ehrlich-erstaunten Tonfall: why?

Die Beiden haben hier ein riesiges Bauernhaus gekauft und wollen dort auch ganz viel Raum zum kreativ sein einrichten. Ausserdem gibt es noch das Haus in Holland in das wir jederzeit gehen dürfen, wenn es uns hier grad zu warm wird.


Donnerstag, 9. Mai 2013

Elternlernstandsgespräch [forælder konversation]

Elvis und ich haben uns (schon vor vier Wochen) zusammengesetzt und besprochen, welche Fertigkeiten uns wichtig sind und was Pelle und Luzie in den nächsten Monaten lernen sollen.

Für Luzie ist das klar. Die ist erst Fünf, die soll lernen was sie will. Pelle ist Zehn. Da sind uns einige Fertigkeiten wichtig, die er bald mal beherrschen sollte.

Zwei Anmerkungen vorweg.
Fertigkeiten und Fähigkeiten sind etwas ganz unterschiedliches. Und es ist wichtig, dass wir uns das klar machen bevor wir weiter darüber reden.

Fertigkeit bezeichnen im Allgemeinen einen erlernten oder erworbenen Anteil des Verhaltens. Der Begriff der Fertigkeit grenzt sich damit vom Begriff der Fähigkeit ab, die als Voraussetzung für die Realisierung einer Fertigkeit betrachtet wird. Können umfasst Fähigkeit und Fertigkeit. Fertigkeiten sind beispielsweise Klavierspielen, Lesen, Schreiben, Rechnen, Sprechen, Fußballspielen und Ähnliches.
Quelle: Wikipedia.

Und zweitens: Fakt ist, dass die Kinder heute in der Schule Stoff aus den letzten Hundert Jahren pauken. Ein Großteil davon ist schon Heute überholt. Wir wissen nicht wie die Welt in fünf Jahren aussieht. Und erst recht nicht wie sie in 13 Jahren aussieht, wenn die heute eingeschulten Kinder die Schule verlassen. Auf was und vor Allem wie, bereiten wir also unsere Kinder vor?

Elvis und ich schauen uns an, wohin die Entwicklung geht und finden aber beide auch ein paar klassische Fertigkeiten wichtig.

Pelle, Luzie und später auch Minimum sollen sich schriftlich und Sprachlich angemessen ausdrücken können. Seit Jahren dürfen die deutschen Kinder in Reformschulen mit Bleistift statt Füller schreiben, weil nach langen Jahren der Quälerei klar wurde, dass das Schreiben mit dem Füller für viele Kinder motorisch nicht wirklich machbar ist. Schon vor Jahrzehnten wurden vereinfachte Schreibschriften extra für Schulkinder entwickelt, weil man beobachten konnte, dass die vielen Richtungswechsel im Schreibfluss für eine Menge Kinder sehr schwer zu lernen ist. In einigen Bundesländern gibt es mittlerweile gar keine Schreibschrift mehr. Hier aufm Land lernen die Kinder ab der zweiten Klasse artig mit Füller die Schreibschrift.

Der vom Kultusministerium angedachte didaktische Sinn des Schreibtrainings in der Schule ist übrigens, dass ein Kind eine eigene persönliche Handschrift entwickelt. Das war mir lange nicht bewusst. Ich hab immer gedacht, dass jeder halt die perfekte Schreibschrift beherrschen soll. Hätte mir jemand als Kind erzählt, dass es im Endeffekt darum geht eine individuelle persönliche Handschrift zu entwickeln wäre ich wahrscheinlich ganz anders an die Sache heran gegangen.

Uns ist wichtig, dass die Kinder sich mit Sprache und Schrift ausdrücken können.
Alltagstauglich schreiben und schön schreiben. Es gibt immer wieder Schreibanlässe bei denen zweckmäßiges Schreiben geübt wird. Gestern zum Beispiel haben wir Samen ausgesät und Pelle und Luzie haben die ganzen Namensschilder beschriftet.


 Für Luzie habe ich die Namen mit Bleistift vorgeschrieben.



Das schöne Schreiben üben wir (auch ich) wenn wir Poster gestalten. Pelle bastelt oft neue Schilder für sein Zimmer. Zur Zeit hängt dort ein Schild mit dem Text: Büro - Nicht stören! Und wir planen Kalligrafiekurse in den nächsten Jahren (Vielleicht hat ja die Jademonin lust?). Für den poetischen Umgang mit Worten und Schrift.

Lustig. Ich wollte Euch grad mal ein Zitat der Kultusministerkonferenz raus suchen zum Thema Schreiben und habe gesehen, dass die genau die selben Gedankengänge wie Elvis und ich hatten. Vielleicht sollte ich denen mal meine Hilfe anbieten.

Was die KMK dazu sagt:

[Ziel des Schreibtrainings ist:] Die Schülerinnen und Schüler verfügen über verschiedene Möglichkeiten der ästhetischen Darstellung entsprechend dem Schreibanlass und arbeiten mit unterschiedlichen Medien. Sie schreiben eine lesbare und flüssige Handschrift.



Das verlinkte PDF vom Grundschulverband ist sehr interessant, auch (oder gerade) für Eltern mit Kindern, die eine Schule besuchen. Dort wird ganz viel über den Schrifterwerb und dessen Sinn und Ziel erzählt.

Dann das Tatstaturtippen. Pelle fing an E-Mails zu schreiben und schreibt jetzt an einem eigenen Blog. Da er natürlich die Adlermethode (mit einem Finger so lange über der Tastatur kreisen bis der richtige Buchstaben gefunden wurde) verwendet, suchen wir jetzt nach einem guten Zehnfingertipplernoprogramm für Kinder. Wenn ihr eines kennt: nur her damit.

Eine weitere Fertigkeit ist vor Publikum flüssig sprechen zu können. Beste Übung, die von alleine immer wieder auftaucht: Witze erzählen. Das tun Pelle und Luzie sehr gerne und sehr ausführlich. Dabei üben sie automatisch Texte zu rezitieren, Betonungen richtig unter zu bringen, und deutlich zu sprechen.


Außerdem haben Pelle und Luzie kürzlich den Erlkönig auswendig gelernt und tragen den gerne vor.


In ein paar Jahren wird es vermutlich nicht mehr wirklich alltagstauglich sein mit einer Tastatur zu schreiben (ist Euch klar, dass die CD grad am aussterben ist? Die wird es in ein paar Jahren gar nicht mehr geben. Schockierend. Die gute alte Zeit.). Deshalb können die Kinder mit dem Programm Dragon Dictation üben, ihre Texte direkt in richtiger Weise in den Computer zu sprechen. Wer schon mal auf einen Anrufbeantworter gesprochen hat, wird wissen, dass es gar nicht so leicht ist, flüssig und ohne äh zu sagen, was man zu sagen hat. Vor allem wird die korrekte Aussprache verlangt, sonst schreibt das Programm ja nur das Genuschel auf. Das übt natürlich auch direkt.
Elvis schreibt bereits einige E-Mails so. Ich schaffe das noch nicht wirklich. Aber um Zitate aus Büchern in meine Texte zu bringen ist es perfekt. Ich lese einfach meinem Computer die Zeilen vor und er schreibt es für mich auf.

Vorlesen tun hier alle, die es können. Pelle liest auch gerne vor und Luzie genießt das.

Und das Singen gehört natürlich auch noch mit in diese Kategorie. Wir singen oft und viel. Hauptsächlich Pfadfinderlieder (Elvis war Pfadfinderleiter und ich war lange bei der Waldjugend). Vor einigen Wochen waren Pelle und Elvis dann auch als Zuhörer bei einem Singewettstreit.

Samstag, 4. Mai 2013

Der Tod [de død]

Kinder interessieren sich irgendwann für den Tod. Lange Zeit befinden sie sich in der magischen Phase, in der ihnen der Tod noch nicht bedrohlich erscheint*. Und dann tauchen irgendwann Fragen auf. Gespräche mit den Eltern oder anderen Erwachsenen sind da sehr wichtig. Die Eltern können erklären was der Tod für sie selbst bedeutet, ob und was ihnen Angst macht. Wenn einem die Worte oder die Ideen fehlen sind Bücher hilfreich. Als Gesprächsanlass. Eltern und Kinder können die Bücher gemeinsam anschauen und darüber sprechen. Es ist wichtig die Kinder reden zu lassen.
Hört ihnen zu, geht ihre Gedankenwege mit und beantwortet Fragen. Schildert Eure eigene Sichtweise, lasst aber Raum für andere Sichtweisen.

Wir haben hier zwei Bücher für Kinder die das Thema Tod und Sterben thematisieren. Das erste ist Die besten Beerdigungen der Welt von Ulf Nilsson und Eva Eriksson. Ich liebe dieses Buch. Ich mag die Stimmung darin so sehr. Deshalb will ich ganz dringend schnell jetzt noch Als wir allein auf der Welt waren vom selben Autoren/Illustratorenteam haben.
Und seit kurzem haben wir auch noch Und was kommt dann? von Pernilla Stalfelt. Von ihr hatten wir schon das Buch So ein Kack. Elvis findet ihren Stil furchtbar, bzw findet er, dass sie keinen Stil hat (er räumt aber ein, dass es ein paar wirklich gute Stellen in den Büchern gibt). Ich mag ihre Bücher und Pelle und Luzie auch. Sie sind sehr unkonventionell und wirken wie eine Krawalltante in meiner Pastellwelt. Aber genau deshalb brauchen wir die hier. Kann ja nicht Alles immer nur Taupe oder Mauvefarben sein.



*Als Luzie drei Jahre alt war - und mittendrin in der magischen Phase - hatten wir Kaninchen. Die haben Junge bekommen und Pelle und Luzie wollten die so gerne anfassen. Das war absolut verboten. Leider hat die doofe Kaninchenmutter die Jungen nach ein paar Tagen aus dem Nest geworfen. Eins nach dem anderen starb. Wir haben die toten Kaninchenkinder in einen Pappumschlag getan, um sie später am Tag zu begraben. Als alle großen Hofbewohner eine Zeit lang beschäftigt waren und Luzie allein im Hof war, nutzte sie die Gelegenheit. Wir kamen in den Hof und da saß sie. Die toten Kaninchenkinder hatte sie um sich herum verteilt und spielte mit ihnen.

Sonntag, 28. April 2013

Schulfrei in Deutschland [ingen skole i tyskland]

Das geht nicht. Nicht offiziell zumindest. Aber Deutschland ist umgeben von Ländern in denen ein Leben ohne Schule erlaubt ist (bzw. ist Deutschland weit und breit das einzige Land in dem es nicht erlaubt ist). Jedes Land hat seine eigene Methode zu überprüfen ob die Eltern ihrer Bildungspflicht nachkommen. Je nachdem in welchem Teil Deutschlands man wohnt und zu welchem anderen Land man eine Verbindung hat, kann man sich ins nahe Ausland abmelden. Frankreich und England haben keine Meldepflicht. Das heißt man kann sich hier abmelden ohne eine Anmeldung des Ziellandes vorlegen zu müssen. Österreich und die Schweiz haben Auflagen, die es erforderlich machen, dass man sich auch tatsächlich dort anmeldet. Aber wenn man eine Tante dort hat, kann man sich ja bei ihr anmelden und auch dort eine zuständige Schule suchen, die einen betreut. In Österreich muss man den Kontakt zu einer zuständigen Schule halten. Man meldet das Kind am Anfang des Schuljahres zum Hausunterricht ab und die Schule möchte am Ende des Jahres sehen, dass das Kind etwas gelernt hat. Die Möglichkeiten Kinder schulfrei leben zu lassen sind so bunt und vielfältig wie es auch die Familien sind. Es kommt immer darauf an wie und wo man lebt. Welche Menschen einen umgeben. Aber grundsätzlich ist es immer möglich. Eventuell muss man sein Leben verändern. Das haben wir auch getan. Aber für uns ist das nichts Schlechtes gewesen. Wir sind glücklich mit unserem Leben und mit unseren Wegen. Wir sind Grenzgänger in vielen Bereichen. Und wann genau wir uns wo aufhalten, hat bisher keine Behörde und kein Amt interessiert. Die wollen nur Klarheit in der Akte. Und die haben sie von uns bekommen. Wir haben einen Briefkasten mit unserem Namen in einem der Länder wo ein schulfreies Leben gestattet ist. Die Post vom Amt geht dort hin. Wir sind umgeben von Menschen die unser Leben gut finden und uns unterstützen.
Wie gesagt gibt es immer einen Weg. Es ist überhaupt nicht leicht oder einfach. Aber es ist möglich.


Donnerstag, 25. April 2013

Donnerstagsakademie [torsdag akademi]

Ich hänge mich mal an Kardiomuffelchen dran. Sie möchte immer wieder donnerstags von dem Schulfreien Leben ihrer Kinder berichten. Da ich grad heute ein Buch von Arno Stern gelesen habe, in dem es um seine Donnerstagsakademie ging, nehme ich das als Zeichen, dass ich auch immer donnerstags von unserem Schulfreien Leben berichten soll. Die Apfelbaumhausdonnerstagsakademie also.

Erstmal in ein paar kurzen Sätzen wie unser schulfreies Leben aussieht.
Die Kinder lernen informell. Das heißt sie lernen das, was sie interessiert.
Dazu lernen sie noch in vielen praktischen Bereichen rund um Haus und Hof, einfach weil sie ein Teil der Gemeinschaft sind und mithelfen. Die meisten Kinder werden aus dem Alltag wegorganisiert und lernen dann theoretisch etwas über die praktischen Tätigkeiten, die ihre Eltern zu Hause erledigen. Da kann man doch echt nur den Kopf schütteln. Also, allein dadurch dass die Kinder immer mit dabei sind, wissen sie schon unglaublich viel über ihre Welt.
Als dritte Kategorie haben wir dann noch eine Hand voll von Fertigkeiten, die nicht von selber im Alltag auftauchen, die Elvis und mir aber sehr wichtig sind. Die übe ich mit den Kindern. Immer mal wieder, so wie es passt, machen wir ein paar Dinge. Eigentlich läuft das sehr geschmeidig. Ich brauche nur Material aufzutischen und schon fängt es an. Bei einigen Dingen erkläre ich, dass es mir wichtig ist, dass die Kinder das kennen und können und dann finden wir einen Weg wie wir das gemeinsam üben können. Nur ganz selten wenn ich maulig bin, sage ich dass ich jetzt aber will, dass ein paar bestimmte Dinge eingeübt werden. Aber dafür beiße ich mir hinterher immer selber in den Hintern, weil es einfach absolut unnütz ist.

Die Kinder sind den ganzen Tag beschäftigt. Immer haben sie etwas zu tun. Ich achte darauf, dass wir jeden Tag etwas für den Körper und etwas für den Kopf tun. Aber so richtig bewusst geplant ist das auch nicht. Ich merke einfach, wenn wir nicht mindestens ein mal am Tag wirklich in Bewegung kommen werde ich matschig. Und das ist natürlich absolut Jahreszeitenabhängig. Jetzt wo es wieder so warm ist, fallen Pelle und Luzie morgens aus dem Bett in den Garten und kommen nur zum Schlafen wieder ins Haus. Und in den dunklen Monaten dümpeln wir viel im Haus rum. Bei Schnee sind die beiden aber dann wieder ständig draussen.

Heute waren wir den ganzen Tag ums Haus beschäftigt. Wir haben Beete angelegt und gepflegt, Matschburgen gebaut, mit Kreiden gemalt, Luzie ist Fahrrad gefahren, ich habe Kuchen gebacken, Elvis und ich haben draussen in der Sonne ganz viele Planungsgespräche geführt, Pelle hat mit Lego gebaut, es wurde im Apfelbaum geschaukelt, mit Schafen über die Wiese gehüpft, auf den Ponys geritten (Pelle und Luzie alleine auf der Koppel), mit den Ponys grasen gegangen (da bin ich mitgegangen)... Pelle hat gestern und heute mit dem iPad ein Hörbuch für Luzie eingesprochen. Er hat sich letztes Wochenende auf dem Flohmarkt vier Der kleine Drache Kokosnussbücher gekauft. Er ist eigentlich schon bei Büchern mit mehr Text und kleinerer Schrift, deshalb braucht er für ein Buch auch nur zwei Stunden, aber sie haben ihm trotzdem sehr gefallen. Und er hat sich gedacht, um mehr von den Büchern zu haben liest er sie hinterher auch noch Luzie vor. Da er aber nicht immer dann Lust hat vorzulesen, wenn Luzie das wünscht - hat er das Hörbuch aufgenommen. Lustigerweise gehört der Audible-Ansagetext für Luzie und Pelle ganz selbstverständlich vor jedes Hörbuch, also fängt alles Vorgelesene immer mit "Audible. Clever lesen. Einfach Zeit sparen." an.
Jetzt ist es kurz vor zehn und Pelle und Luzie sitzen bettgehfertig hinter mir auf dem kleineren Familienbett und machen auf dem iPad Musik. Ein erfüllter Tag. So soll es sein.



Freitag, 19. April 2013

Philosophieren mit Kindern [filosofi]

Pelle lernt zur Zeit ganz viel über Stop-Motion-Filme. Er besucht regelmäßig Workshops in einer Filmschule, zeichnet Daumenkinofilme mit der App Flip it! und macht eigene kleine Filme mit seiner Kamera.
Hier ist ein wunderschöner Kurzfilm von Joseph Wallace. Der eignet sich ganz doll, um mit Kindern zu philosophieren. Erst den Film anschauen und dann darüber reden was in der Geschichte passiert. Dabei bitte nicht dem Kind erzählen was Ihr denkt, sondern dem Kind zuhören was es denkt. Und verfolgen wie sich die Gedanken des Kindes entwickeln.


The Man Who Was Afraid of Falling from Joseph Wallace.

Mittwoch, 17. April 2013

Pinkifizierung

Ist Pinkifizierung etwas schlimmes?

Immer wenn ich zu meinem Vater gesagt habe, dass ich vielleicht Professor werden will, sagte er "Du meinst Professorin".

In meiner Welt (mein Gehirn, meine Kernfamilie und meine Freunde) gibt es keinen gelebten Sexismus. 

In meiner Welt kann ich mir aussuchen, ob ich Professor oder Professorin werde. Und ich möchte lieber Professor werden, das Wort ist einfach hübscher (jaaa.. der eingefleischte Feminist möchte jetzt hier einhaken und sagen, dass das aber nur daran liegt, dass ich es eben gewohnt bin bei akademischen Graden von der männlichen Version zu sprechen bzw. zu hören. Natürlich! Da haben wir die direkte Auswirkung von sprachlichem Sexismus. Aber vielleicht ist auch einfach das Wort hübscher...?).

Mir ist klar, dass es da draussen ausserhalb meiner Welt, ganz anders aussieht. Wenn ich hinschaue sehe ich da auch ganz gruselige Dinge. Und ich meine noch nicht mal die Frauenverachtenden Umstände in vielen Ländern. Ich meine den alltäglichen unaufälligen gesellschaftlich anerkannten Sexismus. Manchmal komme ich mit den sehr harmlosen (aber nicht unwirksamen) Formen in Kontakt. Zum Beispiel wenn Pelle wegen seiner langen Haare konsequent als Mädchen gesehen wird und Luzie wegen einer blauen Mütze ein Junge sein muss. Oder das Pelle so viel liest. Im Buchladen ist das jedes mal ein Thema, dass er ja obwohl er ein Junge ist, Bücher mag. 

Ich bin ohne diese Geschlechterrollen groß geworden. Dank einer absoluten 68er Umwelt, kippte das eher ins Gegenteil. Jungs und Mädchen sind gleich. Mädchen sollten auch Fussball spielen und Jungs stricken. Alle Pinkifizierung ist gemacht und nicht angeboren. Das war Fakt.

Auch im Psychologiestudium wurde noch mal untermauert und mit Studien belegt, dass die geschlechtsspezifischen Vorlieben durch die Gesellschaft ins Kind kommen.

Ein interessanter Moment war dann, als Luzie mit zwei Jahren alle pferde- und elfenähnlichen Tiere aus Pelles großer Schleichtierkiste raus sammelte und mitnahm. Die Vorliebe für Ponyhöfe schien also doch genetisch. Aha.

Ich hatte in meinem Biostudium die geisteswissenschaftlichen Aspekte (Gender), mit denen ich aufgewachsen bin, noch um die Weisheiten der Naturwissenschaft (Männer haben einen Penis und Frauen eine Scheide) ergänzt. Es gibt Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen.

Auch meine Mutter ist nach einigen Jahren als Grundschullehrerin von der einfachen Jungs und Mädchen sind gleich - These zu einer etwas differenzierteren gewechselt.

Wenn ich mir Proteste der Feministinnen anschaue, denke ich oft "Oh mann, muss das wirklich sein?". Und dann schaue ich mir die kritisierten Produkte an und denke "Das ist nicht wahr, oder?! Das gibt es doch nicht wirklich! Das ist doch eine Parodie?! Das muss eine Parodie sein!" oder ich denke einfach nur "Hä!?".

Ich kann es immer gar nicht fassen, wie dummdreistsexistisch z. B. Werbung für Kinder ist. Wie heftig fest getackert die Rollenklischees da abgerufen werden. Und dann stelle ich mir die Familie aus dem Nachbardorf vor. Die haben sechs Kinder. Bei denen läuft den ganzen Tag der Fernseher, und zwar nicht Arte und 3Sat. Die werden quasi permanent mit diesen abstrusen Rollenklischees zugeschüttet. Und da ist es dann für mich auch verständlich, dass Feministinnen aktiv werden. Obwohl in meiner Welt dafür eigentlich der Werbeaufsichtrat zuständig ist solche beschämenden Dummheiten zu unterbinden. Das kann doch niemand wirklich produzieren und schon gar nicht freiwillig konsumieren!?

Hier zum weiterlesen: Pinkstinks

Und hier ist eine Bloggerin, der Ihr mal kurz zuhören solltet.



Danke Ka fürs aufmerksam machen.

Donnerstag, 4. April 2013

Luzies Praktikum


Luzie hat ein Praktikum gemacht. Das war ganz einfach. Wir haben bei einer ganz tollen Frau, die einen Archehof hat, gefragt und dann gings los. Luzie ist fünf Jahre alt und deshalb haben wir drei Tage mit jeweils 2.5 Stunden verabredet. Wir haben sie morgens um 7.40 Uhr dort abgeliefert. Am Abend vor dem Praktikum hatte die Mutter von Luzies Freundin angerufen, weil die Kinder ihr von dem Praktikum erzählt haben. Und da ihre Tochter gerade Schulfrei hatte, haben wir sie noch dazu geplant. Also standen dann Montagmorgens zwei tatkräftige Mädchen in der Küche des Archehofes und haben das Futter für die Tiere angerührt und gestampft. Die Mädchen haben die Fütterrunde mitgemacht, haben die Esel sauber gemacht und auf die Weide geführt. Sie haben Lämmer und Küken versorgt und auch den Eselauslauf sauber gemacht. Beide Mädchen waren schwer begeistert und wir planen dieses Praktikum jetzt drei oder vier mal pro Jahr ein. 
Einen Teil der Tiere haben wir ja selber. Aber Luzie hat sich trotzdem gewünscht wo anders zu lernen wie man Ponys richtig sauber macht. Dass es jetzt Esel statt Ponys sind hat sie nicht gestört. Und für mich ist es auch sehr spannend zu sehen wie die Tiere bei jemand anderem versorgt werden. Beim Bringen und Abholen konnte ich immer noch ganz viele wertvolle Informationen für unsere Tiere mitnehmen. Bezahlt haben wir das Praktikum natürlich auch, was wegen dem langen Winter gerade ganz gut für den Hof ist. Denn hier wird überall das Heu knapp und deshalb teuer.
Das da Oben ist Luzies Praktikumsbescheinigung für ihr Portfolio. Pelle und Luzie haben jeweils so ein dickes Buch in das wir alle Urkunden, einige Fotos, Bescheinigungen (die mache ich meistens) und Eintrittskarten einkleben. So haben wir am Ende des Jahres einen schönen Überblick, was im Jahr so alles passiert ist. Für die Kinder ist es immer toll zurück zu schauen und sich zu erinnern wie das alles war. Und für uns Eltern ist es immer beeindruckend wie reichhaltig wir unsere Zeit verbringen. Da kommt schon wirklich viel zusammen.

Freitag, 29. März 2013

Mama, haben Ameisen Ohren?

Luzie ist heute allein bei mir zu Hause. Pelle ist in der Filmschule und Luzies Praktikum auf dem Archehof ist schon vorbei. Das Haus für sich zu haben setzt bei ihr grad sehr viel Kreativität in Gang. Den ganzen Tag macht sie Experimente. Erst etwas mit einem Plastiklöffel, ihrem Wollpulli und Pfeffer. Das hat nicht so funktioniert wie bei Shari und Ralf. Und jetzt gerade beim Schreiben fällt mir ein möglicher Grund dafür ein. Wir haben gar keine richtigen Plastiklöffel. Unsere sind alle aus dem Kunststoff Melamin. Vielleicht lag es daran?

Jetzt ist sie gerade mit einer Quietsche (die man in ein Quietschetier einnähen könnte) durch die Gegend gestromert. Als sie in der Küche bei mir vorbei kommt fragt sie mich das was im Titel dieses Artikels steht. Wir haben Winterameisen. Keine Ahnung wo die herkommen. Ist diesen Winter auch das erste mal. Auf jeden Fall laufen überall im Haus immer mal zwei drei von denen rum. Ich hab zu Luzie gesagt, dass ich mir nicht sicher bin, aber glaube sie hätten keine. Sie hält die Quietsche an die Ameisen die gerade auf dem Herd rumspazieren und quietscht los. Und stellt begeistert fest: "Doch, die haben Ohren!".

Dass es auf jeden Fall auch der Luftschubser aus der Quietscheöffnung, die sie genau auf die Ameisen gehalten hat, war, der die Ameisen weggepustet hat, hab ich vorerst für mich behalten (alle Menschen denen Komattasetzung enorm wichtig ist, müssen hier bei uns ganz tapfer sein). Vor Allem weil mir direkt ein Witz aus meinem Studium einfiel. Ich hab in einem früheren Leben Biologie studiert. 
Da gab es diesen Witz:

Ein Biologe sitzt in einem Flugzeug als eine Spinne über seinen Klapptisch krabbelt. Er denkt sich, dass er die Flugzeit ja für eine biologische Studie nutzen könnte. Er möchte heraus finden wie viele Beine die Spinne zum laufen benötigt. 

Er setzt die Spinne vor sich sagt "Spinne lauf!". Die Spinne krabbelt los. Er nimmt einen Stift und einen Zettel und notiert: "Spinne mit 8 Beinen kann laufen."

Er reisst der Spinne zwei Beine aus und setzt sie wieder auf seinen Tisch, sagt "Spinne lauf!" beobachtet und notiert: "Spinne mit 6 Beinen kann laufen."

Er reisst der Spinne zwei weitere Beine aus und setzt sie wieder auf seinen Tisch, sagt "Spinne lauf!" beobachtet und notiert: "Spinne mit 4 Beinen kann laufen. Aber etwas langsamer als mit 6 Beinen."

Er reisst der Spinne noch zwei Beine aus und setzt sie wieder auf seinen Tisch, sagt "Spinne lauf!" beobachtet und notiert: "Spinne mit 2 Beinen kann laufen, allerdings nur noch sehr huckelig."

Er reisst der Spinne die zwei letzten Beine aus und setzt sie wieder auf seinen Tisch, sagt "Spinne lauf!" beobachtet und notiert: "Spinne ohne Beine ist taub."

Ihr wisst ja, dass Pelle unser Experte für Krabbelzeugs ist. Hier sind jetzt zwei Bilder, die nichts für schwache Nerven sind. Pelle findet das lustig wenn die Krabbeltiere auf ihm rumkrabbeln.




Pelle ist aufgeregt [Pelle ophidset]


Pelle ist fünf Jahre lang in einen ganz tollen Kindergarten gegangen. Das war ein städtischer Kindergarten, aber das Programm und die Einstellung waren genau passend (bei Wind und Wetter draussen, Zuckerfrei, Familienstrukturgruppen etc.). Und seine Erzieherin war großartig. Sie ging mit den Kindern so um, als hätte sie alle Bücher von Jesper Juul, Wolfgang Bergmann, Remo Largo und Wiesiealleheißen gelesen oder gar selber geschrieben. Nur, dass sie diese Bücher gar nicht kannte. Sie war einfach von Natur aus so. Bzw. hat sie selber einmal als Begründung angeführt, dass sie jahrelang in einer Einrichtung mit besonderen Kindern gearbeitet hat. Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Dadurch hat sie absolut verinnerlicht, dass jedes Kind anders ist, sie hat gelernt hinzuschauen wer das Kind ist und was es braucht. Eigentlich war alles perfekt. Nur Pelle wollte dort nicht alleine hin. Der Abschied morgens war fünf Jahre lang gleichbleibend schwierig. Ich hab ihm jeden Morgen die Wahl gelassen, ob er mit mir in die Universität kommt oder im Kindergarten bleibt. Dass das eine ganz beschissene Auswahl für ihn war, hab ich ausgeblendet. Er wollte ganz dringen doll mit anderen Kindern spielen aber er wollte eben auch nicht ohne ein Elternteil sein. Ich hab gedacht, dass eben nur das eine oder das andere geht. Also hat es ihn fast jeden Morgen zerrissen und er blieb nur mit Ablenkung dort. 

Drei Monate bevor er eingeschult wurde haben wir ihn abgemeldet und zu Hause gelassen. 

Dann kam er in eine total tolle Reformschule in unserem Stadtteil. Das Programm klang super (u. a. altersübergreifende Klassen) , die geplanten Lehrer waren perfekt. Aber so richtig bereit war Pelle trotzdem nicht. Zur Schulreife gehört auch, dass das Kind sich unproblematisch von den Eltern lösen kann. Konnte er zu dem Zeitpunkt ganz klar nicht. Aber in Deutschland darf ein Kind nicht länger als sieben Jahre ohne Schule leben. Also musste er dort hingehen. 

Ein paar Wochen vor Schulbeginn kam die Nachricht, dass die komplette Struktur geändert wird. Statt altersübergreifenden Klassen gibt es jetzt Standartklassen. Pelle wäre mit zehn anderen Erstklässlern eigentlich zu zehn Zweitklässlern dazu gekommen. Auch die Lehrer sind nicht mehr verfügbar. Er hätte eigentlich eine Frau und einen Mann als Klassenlehrer bekommen. Den Lehrer hatte er schon kennengelernt und mochte ihn. Wir waren schon auf dem ersten Elternabend, hatten die beiden Lehrer und die anderen Eltern kennengelernt und alles inkl. Beiträge für die Klassenkasse besprochen. Statt dessen wurde jetzt eine neue Kraft gesucht und man hoffte, uns die neue Lehrerin noch vor Schulbeginn vorstellen zu können.

Wir haben uns Mühe gegeben, das alles trotzdem positiv zu sehen und Pelle das Gefühl zu geben, dass alles gut wird.
Wurde es nicht.
Er konnte morgens nicht dort hin gehen. Sein Bauch rebellierte. Er war völlig verzweifelt jeden morgen, weil er das Gefühl hatte auf Toilette zu müssen aber da kam nichts. Also saß er dort und hat geweint. Elvis ist dann immer mit ihm zur Schule gegangen und dort konnte Pelle noch mal so lange auf Toilette gehen, bis er das Gefühl hat er kann in den Klassenraum. Wenn er dann immer noch sehr unsicher war, blieb Elvis auch noch mit im Klassenraum. Pelle saß neben seinem besten Freund auf den er sich auch jeden Morgen riesig freute. Nur half ihm das auch nicht bei seiner Unsicherheit.
Nach nur einer Woche bekamen wir dann das erste mal von der Klassenlehrerin zu hören, dass Pelle ein Spiel mit uns spielt. Und wenn wir uns auf dieses Spielchen einlassen, wären wir eben selber schuld.
Wir haben so viel mit Pelle geredet. Wir haben uns gefragt was wir falsch gemacht haben. Was wir hätten anders machen können in den letzten Jahren, um ihm mehr Selbstsicherheit und Vertrauen zu geben. Was wir jetzt anders machen könnten. Ich hatte in den letzten fünf Jahren schon so viele Aussagen und Ratschläge von Fachleuten gehört. Die meisten waren absolut nutzlos.

Heute, fünf Jahre später: Pelle geht heute wieder in die Filmschule zu einem vier tägigen Workshop. Er hat dort schon gearbeitet. Er kennt den Filmmann. Er geht mit einem seiner besten Freunde dort hin. Luzie geht in der Zeit zu einem Praktikum auf den Archehof einer ganz tollen Selbstversorgerin mit Eseln, Schafen, Enten und Hühnern. Die Frau kennen wir vom Sehen. Ich mag ihre Einstellung zu Tieren sehr. 

Pelle ist seit gestern aufgeregt. Heute morgen sagte er, dass sein Körper die ganze Zeit behauptet, dass er auf Klo muss aber das stimmt nicht. Da kommt nichts. 
Luzie freut sich einfach nur auf ihr Praktikum. Sie ist heiter, fröhlich und gelassen. Sie redet davon, was sie dort alles machen will. Zuerst ging sie davon aus, dass sie dort auch schlafen würde. Das hab ich dann aufgeklärt.
Heute morgen beim Frühstück haben die beiden sich unterhalten. Pelle hat Luzie immer wieder gefragt, ob sie gar kein Lampenfieber hätte. Ob sie nicht aufgeregt sei. Nicht mal ein bisschen. Sie plapperte fröhlich vor sich hin, dass doch alles toll sei. Und dass sie sich freut dort ein Praktikum machen zu können. 
Die beiden sind so unfassbar unterschiedlich. Wir sind gespannt wie Minimum in fünf Jahren so ist.



Donnerstag, 14. März 2013

Gesundheit [sundhed]

Ein tolles Spiel fürs iPad. Es heisst Gesundheit. Es ist hübsch gezeichnet. In dem Spiel gibt es ein Schwein mit Rotznase und Monster. Die Monster essen gerne Schweine. Und sie essen gerne Rotze. Also kann das Schwein die Monster ablenken wenn es seine Rotze irgendwohin nießt. So lockt es die Monster in eine Falle und kann sich selber retten.




Gesundheit für das iPad im App Store.

Gesundheit für das iPhone im App Store.