Donnerstag, 9. Mai 2013

Elternlernstandsgespräch [forælder konversation]

Elvis und ich haben uns (schon vor vier Wochen) zusammengesetzt und besprochen, welche Fertigkeiten uns wichtig sind und was Pelle und Luzie in den nächsten Monaten lernen sollen.

Für Luzie ist das klar. Die ist erst Fünf, die soll lernen was sie will. Pelle ist Zehn. Da sind uns einige Fertigkeiten wichtig, die er bald mal beherrschen sollte.

Zwei Anmerkungen vorweg.
Fertigkeiten und Fähigkeiten sind etwas ganz unterschiedliches. Und es ist wichtig, dass wir uns das klar machen bevor wir weiter darüber reden.

Fertigkeit bezeichnen im Allgemeinen einen erlernten oder erworbenen Anteil des Verhaltens. Der Begriff der Fertigkeit grenzt sich damit vom Begriff der Fähigkeit ab, die als Voraussetzung für die Realisierung einer Fertigkeit betrachtet wird. Können umfasst Fähigkeit und Fertigkeit. Fertigkeiten sind beispielsweise Klavierspielen, Lesen, Schreiben, Rechnen, Sprechen, Fußballspielen und Ähnliches.
Quelle: Wikipedia.

Und zweitens: Fakt ist, dass die Kinder heute in der Schule Stoff aus den letzten Hundert Jahren pauken. Ein Großteil davon ist schon Heute überholt. Wir wissen nicht wie die Welt in fünf Jahren aussieht. Und erst recht nicht wie sie in 13 Jahren aussieht, wenn die heute eingeschulten Kinder die Schule verlassen. Auf was und vor Allem wie, bereiten wir also unsere Kinder vor?

Elvis und ich schauen uns an, wohin die Entwicklung geht und finden aber beide auch ein paar klassische Fertigkeiten wichtig.

Pelle, Luzie und später auch Minimum sollen sich schriftlich und Sprachlich angemessen ausdrücken können. Seit Jahren dürfen die deutschen Kinder in Reformschulen mit Bleistift statt Füller schreiben, weil nach langen Jahren der Quälerei klar wurde, dass das Schreiben mit dem Füller für viele Kinder motorisch nicht wirklich machbar ist. Schon vor Jahrzehnten wurden vereinfachte Schreibschriften extra für Schulkinder entwickelt, weil man beobachten konnte, dass die vielen Richtungswechsel im Schreibfluss für eine Menge Kinder sehr schwer zu lernen ist. In einigen Bundesländern gibt es mittlerweile gar keine Schreibschrift mehr. Hier aufm Land lernen die Kinder ab der zweiten Klasse artig mit Füller die Schreibschrift.

Der vom Kultusministerium angedachte didaktische Sinn des Schreibtrainings in der Schule ist übrigens, dass ein Kind eine eigene persönliche Handschrift entwickelt. Das war mir lange nicht bewusst. Ich hab immer gedacht, dass jeder halt die perfekte Schreibschrift beherrschen soll. Hätte mir jemand als Kind erzählt, dass es im Endeffekt darum geht eine individuelle persönliche Handschrift zu entwickeln wäre ich wahrscheinlich ganz anders an die Sache heran gegangen.

Uns ist wichtig, dass die Kinder sich mit Sprache und Schrift ausdrücken können.
Alltagstauglich schreiben und schön schreiben. Es gibt immer wieder Schreibanlässe bei denen zweckmäßiges Schreiben geübt wird. Gestern zum Beispiel haben wir Samen ausgesät und Pelle und Luzie haben die ganzen Namensschilder beschriftet.


 Für Luzie habe ich die Namen mit Bleistift vorgeschrieben.



Das schöne Schreiben üben wir (auch ich) wenn wir Poster gestalten. Pelle bastelt oft neue Schilder für sein Zimmer. Zur Zeit hängt dort ein Schild mit dem Text: Büro - Nicht stören! Und wir planen Kalligrafiekurse in den nächsten Jahren (Vielleicht hat ja die Jademonin lust?). Für den poetischen Umgang mit Worten und Schrift.

Lustig. Ich wollte Euch grad mal ein Zitat der Kultusministerkonferenz raus suchen zum Thema Schreiben und habe gesehen, dass die genau die selben Gedankengänge wie Elvis und ich hatten. Vielleicht sollte ich denen mal meine Hilfe anbieten.

Was die KMK dazu sagt:

[Ziel des Schreibtrainings ist:] Die Schülerinnen und Schüler verfügen über verschiedene Möglichkeiten der ästhetischen Darstellung entsprechend dem Schreibanlass und arbeiten mit unterschiedlichen Medien. Sie schreiben eine lesbare und flüssige Handschrift.



Das verlinkte PDF vom Grundschulverband ist sehr interessant, auch (oder gerade) für Eltern mit Kindern, die eine Schule besuchen. Dort wird ganz viel über den Schrifterwerb und dessen Sinn und Ziel erzählt.

Dann das Tatstaturtippen. Pelle fing an E-Mails zu schreiben und schreibt jetzt an einem eigenen Blog. Da er natürlich die Adlermethode (mit einem Finger so lange über der Tastatur kreisen bis der richtige Buchstaben gefunden wurde) verwendet, suchen wir jetzt nach einem guten Zehnfingertipplernoprogramm für Kinder. Wenn ihr eines kennt: nur her damit.

Eine weitere Fertigkeit ist vor Publikum flüssig sprechen zu können. Beste Übung, die von alleine immer wieder auftaucht: Witze erzählen. Das tun Pelle und Luzie sehr gerne und sehr ausführlich. Dabei üben sie automatisch Texte zu rezitieren, Betonungen richtig unter zu bringen, und deutlich zu sprechen.


Außerdem haben Pelle und Luzie kürzlich den Erlkönig auswendig gelernt und tragen den gerne vor.


In ein paar Jahren wird es vermutlich nicht mehr wirklich alltagstauglich sein mit einer Tastatur zu schreiben (ist Euch klar, dass die CD grad am aussterben ist? Die wird es in ein paar Jahren gar nicht mehr geben. Schockierend. Die gute alte Zeit.). Deshalb können die Kinder mit dem Programm Dragon Dictation üben, ihre Texte direkt in richtiger Weise in den Computer zu sprechen. Wer schon mal auf einen Anrufbeantworter gesprochen hat, wird wissen, dass es gar nicht so leicht ist, flüssig und ohne äh zu sagen, was man zu sagen hat. Vor allem wird die korrekte Aussprache verlangt, sonst schreibt das Programm ja nur das Genuschel auf. Das übt natürlich auch direkt.
Elvis schreibt bereits einige E-Mails so. Ich schaffe das noch nicht wirklich. Aber um Zitate aus Büchern in meine Texte zu bringen ist es perfekt. Ich lese einfach meinem Computer die Zeilen vor und er schreibt es für mich auf.

Vorlesen tun hier alle, die es können. Pelle liest auch gerne vor und Luzie genießt das.

Und das Singen gehört natürlich auch noch mit in diese Kategorie. Wir singen oft und viel. Hauptsächlich Pfadfinderlieder (Elvis war Pfadfinderleiter und ich war lange bei der Waldjugend). Vor einigen Wochen waren Pelle und Elvis dann auch als Zuhörer bei einem Singewettstreit.

Kommentare:

  1. Eure Gedanken und Ansätze gefallen mir! Mein Sohn ist auch ein sogenannter "Schreibfauler", aber das ist in seiner Grundschule gar nicht mehr so wichtig, wie gedacht. Die Kinder dürfen sich aussuchen, ob sie Druckschrift oder Schreibschrift verwenden und auch Ende der zweiten Klasse wird immer noch mit Bleistift geschrieben, manchmal üben sie mit einem Inki. Das gefällt mir sehr und so lange mein Sohn einigermaßen lerserlich schreibt, ist die Lehrerin total zufrieden.

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  2. interessante Ansätze!
    Danke, dass wir wieder ein wenig teilhaben dürfen, ich hatte gedacht ich hatte den neuen Blog abonniert, aber irgendwie muss da was schiefgelaufen sein, danke also für die Erinnerung!
    Wir denken an euch hinterm Deich! Haltet durch.

    Liebe Grüße aus Bayern,

    Mareen

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  3. Ha, ich hab euch jetzt grad erst (wieder) entdeckt. In eurem neuen zu Hause. Die Jademondin hat immer Lust auf Kalligrafie :-) Sprich sie einfach an, wenn es soweit ist.

    http://www.jademond.de

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  4. meine Kinder lernen mit diesem kostenlosen OnLineProgramm das 10-Finger System

    http://www.augundohr.at/arbeit/duk/ms2/10.php

    LG Agnes

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