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Mittwoch, 13. Januar 2016

Wir fangen einfach schon mal an [vi skal bare begynde at snakke med]

Huch ein Zeitsprung. Ich hatte den Beitrag hier getippt und gar nicht veröffentlicht.
Jetzt aber:


Elvis hat mir grad den alten Beitrag von Richard David Precht im ZDF geschickt (er betüddelt unten die kleinen Leute (kocht Weihnachtsprorridge aus Haferflocken, Äpfeln, Hafermilch und Zimt) und ich liege oben im Bett und arbeite (und bekomme meinen Espresso mit Kardamom und heißer Hafermilch (auch mit Zimt) geliefert). Elvis meinte, dass er in den letzten Wochen einige Gespräche hatte in denen er mit eigenen etwas ungelenken Worten versucht hat das zu sagen, was Herr Precht in dem Fernsehbeitrag sagt.

Bei Minute 36 fängt es an.




Wenn es noch keine Schule gäbe und sich heute schlaue Menschen zusammesetzen würden, um etwas für die 6 bis 18 Jährigen zu entwickeln wo sie lernen können, sich entwickeln können und ein artgerechtes Leben führen können – käme dabei etwas heraus, das überhaupt nichts mit unseren heutigen Schulen gemein hätte.

Unsere heutigen Schulen sind dafür ausgelegt friedliche Facharbeiter mit preußischen Tugenden hervor zu bringen.

ABER die Kinder heute werden Berufe ergreifen von denen 60% noch nicht mal erfunden sind.

Wir fangen einfach schon mal an.

1. Eigenen Rythmus ernst nehmen. Pelle, Luzie und Minimum dürfen frei entscheiden wann und wie sie sich bilden.

2. Interessen ernst nehmen. Wir hören den Dreien zu und versuchen echte Interessen mit wertvollen Inhalten zu versorgen. Wir halten Augen und Ohren offen und weisen unsere Kinder auf spannende Bereiche, Themen, Veranstaltungen hin.

Wir denken, dass es ganz großartig ist zu wissen was es gibt.

Das ist wie mit einem Buffet. Bei der ersten Runde sollte man einen wirklich großen Teller nehmen und von allem eine kleine Portion mitnehmen. Dann probiert man das durch und bei der zweiten Runde nimmt man eben die Sachen die einem schmecken. Und das tolle: beim nächsten Mal können wir von neuem testen und entscheiden.

Hier eine kleine Anmerkung: Lernen von Vorbildern ist ein wirklich mächtiger Faktor. Wenn also Mama mit ihrem Teller vor geht und nur drei Sachen drauf tut und ständig kommentiert "Uärgs, das da sieht eklig aus das mag ich nicht" wird auch der kleinere Mensch der ihr folgt ähnlich agieren. Also liebe Eltern: zeigt Euren Kindern wie es aussieht mit offenem Herzen und entdeckerfreude neues auszuprobieren!

Genauso versuchen wir das mit den Interessen umzusetzen. Deshalb sind auch absehbar kurzweilige Wünsche immer eine gern gesehene Möglichkeit. Einer hat eine Idee, wir schauen, ob wir eine Möglichkeit haben das auszuprobieren, alle kommen mit und wirerleben DInge die wir allein vielleicht gar nicht ausprobiert hätten.


3. Bedürfnisse Ernst nehmen.

Wir nehmen unsere Kinder ernst und wir wollen ernst genommen werden. Es ist immer ein bisschen lustig wenn Menschen mutmaßen, dass unsere Kinder ein Leben ohne Regeln und Verpflichtungen haben und in einer Zuckerwattewolke aufwachsen. Das ist natürlich ganz großer Quatsch.

Eine Familie in der alle Mitglieder gesehen werden (wollen) und ernst genommen werden wollen, hat von sich aus ja ganz viele Verbindlichkeiten.
Bei fünf Leuten gibt es viel Reibungsfläche und eine Menge Leitplanken.

Die einzige Regel die wir haben ist: respektvoller Umgang. Bitte!

Respekt für die Wünsche und Bedürfnisse meines Gegenübers. Wenn der eine laut Musik hören will und der andere in Ruhe lesen, muss ein Weg gefunden werden der für jeden okay ist. Wenn der eine jetzt mal drei Tage ausschlafen möchte ohne morgens als Trampolin genutzt zu werden machen wir das möglich. Das heißt, dass an diesen drei Tagen an der Tür zum Schlafzimmer eben eine Grenze ist. Das führt manchmal zu Unmut. Wir alle fünf müssen jeden Tag aufs neue Wege finden mit den Bedürfnissen aller umzugehen und auch damit umgehen, dass die eigenen Wünsche vielleicht grad nicht das wichtigste sind.

Das zerreißt einen manchmal richtig. Vor allem im Leben mit drei Kindern. Die äußern ihre Wünsche lautstark und je nach Alter fällt es ihnen schwer diese aufzuschieben. Wenn Luzie gerne im Dezember mit ihrem Pony einen langen Ausritt machen möchte, das aber nicht möglich ist weil Minimum draussen sehr schnell kalt wird. Dann geht das leider grad nicht.

Mit Hürden kreativ umgehen, Ideen entwickeln wie man alle Bedürfnisse unter einen Hut bekommt, das ist eine wirklich wichtige Fertigkeit. Es ist also an den Eltern dann auch offen für Lösungen zu sein und nicht zu vermitteln: "Ich hab Nein gesagt und an dieser von mir aufgestellten Hürde bleibst du jetzt bitte kampflos stehen und gibst auf!".

Luzie kommt also dann zu mir und schlägt vor die Nachbarin zu fragen, ob Minimum für eine Stunde zu ihr kann. Ich sage, dass ich da grad aber nicht fragen mag. Also sagt Luzie sie geht hin und fragt. Das ist okay für mich und ich sage Ja.

So übernimmt Luzie vor allem auch Verantwortung für ihre eigenen Bedürfnisse. Sie übt herauszufinden wie wichtig ihr etwas ist. Was ist sie bereit für die Umsetzung ihres Wunsches zu tun?

Das Bild ist schon etwas älter.


Samstag, 9. Januar 2016

Zwischen den Welten [mellem verdener]

Der dreizehnjährige liegt schluchzend in  meinen Armen, weil die allerletzte Staffel von The Glades mit einem Cliffhanger endet.
Unerwartet wurde die Serie nach der vierten Staffel abgesetzt, deshalb gibt es keine letzte Folge mit einem vernünftigem Ende.
Jim liegt also blutend am Boden, während seine Freundin auf ihn wartet, weil sie ihn heiraten will. Das ist gemein.
Also gibt es viele zornige und sehr traurige Krokodilstränen.

Dazu – wie schon immer – zwei unterschiedliche Socken an den Füßen.
Die Füße allerdings haben mittlerweile Größe 44. Größer als die Füße vom Papa.
Unglaublich bezauberndes Leben eines dreizehnjährigen.

Freitag, 8. Januar 2016

Bilderflut [billederoversvømmelse]

Wir haben hier im Blog, links, unter dem Themenblock, jetzt unseren Instagramaccount eingebunden. Auf der Reise ist es einfacher Bilder mit kurzen Sätzen zu posten, als Blogbeiträge. Deshalb könnt ihr dort immer schauen wie es bei uns grad aussieht.

Wir haben uns nach einigem Suchen für iconosquare als Instagramtool entschieden. Uns war wichtig, dass wen man auf das Foto klickt auch wirklich zu Instagram kommt. Andere Anbieter, die Instagrameinbindungen in Blogs zur Verfügung stellen, linken zu ihrer eigenen Oberfläche. Das nervt.

Samstag, 19. Dezember 2015

Schreiben & Lesen lernen [lære at læse og skrive]

Das hier ist für alle Eltern die ein wenig nervös sind, weil das Kind sich mit dem Schreiben und Lesen lernen Zeit lässt.

Pelle hat das von selbst angefangen. Elvis hat ihm Fuxia die Minihexe vorgelesen und als er es zum zweiten Mal vorlesen wollte, konnte Pelle alle Kapitel auswendig mitsprechen.
Dadurch wusste er was da steht und die beiden haben dann zwischendurch immer die Buchstaben und Wörter verglichen. Das war der Start.

Dann haben wir ganz viel Großbuchstaben geschrieben. Pelle hat das wie viele Kinder gemacht: er kam mit Aufträgen für Schreibarbeiten für uns an.
Wochenlang musste ich immer irgendwelche Wörter auf Zettel schreiben.
Er hat sie abgeschrieben und umgeschrieben.

Nach vielen Wochen des Schreibens fing er an zu lesen. Wir haben zwei oder drei Bücher gefunden die in Großbuchstaben geschrieben waren. Die hat er dann mit Elvis gelesen. Und dann hat er einfach Bücher mit Kleinbuchstaben gelesen. Er konnte nicht erklären warum er auch die kleinen Buchstaben kennt.

Dann kam die Phase mit dem Magischen Baumhaus. Mit denen hat er das Lesen geübt und wurde immer schneller (da war er ungefähr zehn).

Nachdem er uns fast arm gelesen hat mit diesen Büchern ist er irgendwann glücklicherweise auf dicke Bücher mit vielen kleinen Buchstaben umgestiegen.

Pelle liest sehr viel. Er versinkt in den Büchern.

Schreiben war bis zum Schulstart vor acht Monaten nicht so seins.
Er besucht eine Waldorfschule und da wird ja sehr viel geschrieben und er bekommt das echt gut hin. Im Unterricht werden den Kindern Texte diktiert, die sie mitschreiben und dann am Nachmittag noch mal in besserer Schrift ins Epochenheft übertragen. Alles in Schreibschrift.

Jetzt fängt das bei Luzie an. Eigentlich. Sie will zwar gerne Schreiben und Lesen lernen, allerdings nur weil die Anderen in ihrem alter (in der Schule) das tun und sie damit unter Druck setzen. Es fehlt das Interesse an den Buchstaben selbst.

Wir haben das ein wenig forciert aber jetzt rudere ich grad ganz weit zurück.

Ein Freund erwähnte letzten Sommer, bei einem Gespräch über die Rudolf-Steiner-Pädagogik, dass Rudolf Steiner die intellektuellen Fertigkeiten wie Lesen und Schreiben erst ab 11 Jahren ins Kind lassen wollte. Dass auch an Waldorfschulen schon in der Grundschule das Lesen und Schreiben unterrichtet wird ist quasi ein Zugeständnis an die Schulbehörde. Auf den Elternabenden von Luzies Klasse im letzten Jahr hat der Klassenlehrer viel über die Entwicklung der Kinder referiert und das mit den intellektuellen Fertigkeiten auch erwähnt. Heute habe ich es dann mal endlich nachgeschlagen und auch einen Text dazu gefunden: Erziehungskunst Wenn Kinder spaeter lesen lernen.

Ich mag viele Dinge aus der Waldorfpädagogik sehr, andere dafür gar nicht.  Das wa da in dem text steht finde ich hilfreich und inspirierend. Ich werde jetzt auf der Reise, wenn Luzie es wünscht ganz viel zu den Formen der Buchstaben machen. Sie hat ja im letzten Jahr schon einiges dazu in der Schule gehabt. Ich finde das was da in dem text steht so sinnig. Dass die Kinder über die Formenentwicklung eher dazu angeleitet werden Kulturtechniken selber zu entwickeln.

Es gab so eine Aussage... von Gerald Hüther vielleicht? Da ging es darum, dass man die Kinder nicht in Kulturtechniken unterrichten soll, sondern ihnen die Fertigkeiten beibringen soll, die es ihnen ermöglichen selber Kulturtechniken zu entwickeln.

So versteh ich auch den Steineransatz.

Und das nehme ich mir zu Herzen und bastel mir ein Motto für die Reise draus. Luzie hat ja auch echt noch Zeit. Sie ist jetzt acht.

Die Ruhe zu bewahren fällt uns Freilernereltern vielleicht manchmal schwer, weil um einen herum ja viele sehr genau aufs Kind schauen und auch ständig alles kommentiert wird.

Ein Schreiblernbuch mit dem die Kinder komplett selbstständig arbeiten können ist übrigens: Rolf Robischon Ich kann schreiben und lesen.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Einladung [indbydelse]

Bevor wir in den Süden flüchten, basteln wir alles ums Apfelbaumhaus herum noch so, dass es winterfest ist.
Eine Sache auf der To-Do-Liste war noch einen gemütlichen virtuellen Raum für alle Apfelbaumhausbesucher herzustellen.
Wir versuchen das jetzt mal mit einer Facebookgruppe. Vielleicht bewährt sich das ja.

Falls Ihr uns also virtuell auf einen Milchkaffe & nette Gespräche im Apfelbaumhaus besuchen kommen wollt, hier entlang: Das Apfelbaumhaus bei Facebook.

https://www.facebook.com/groups/DasApfelbaumhaus/

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Familienleben [hjem liv]

Hier kommt eine weitergehende Erläuterung für Mausekind und alle die sich ähnliche Gedanken machen. Ich hatte erst einen ellenlangen Kommentar getippt, der aber einem Serverabsturz zum Opfer fiel. Mausekind, jetzt also hier die Antwort auf Deinen Kommentar:

Familienleben sind ja sehr unterschiedlich. Deshalb ist es vielleicht wichtig unsere Variante genauer zu erzählen.

Unser Familienleben sah bisher ungefähr so aus:

Montag bis Freitag:
Katrin & Kinder allein (Elvis wird per Email, Telefon & Facetime am Familienleben beteiligt).

Elvis fährt los während wir noch im Bett liegen und kommt entweder um 20 (sehr gut aber selten), 22 (normal) oder 24 (spät) Uhr nach Hause. Oder gar nicht.

In der Zeit als Luzie in die Schule gegangen ist, hat Elvis sie unter der Woche also nur morgens kurz gesehen. Abends gar nicht mehr. Das ist jetzt grad anders. Ohne Schule kann Luzie hier bis 22 Uhr rum hüpfen und die beiden treffen sich abends ab und an zum Gute Nacht sagen. Alle Termine rund um die Kinder die von Montag bis Freitag statt finden, finden ohne Elvis statt. Meine gesamten Jobs erledige ich mit Kindern um mich herum oder auf mir drauf, bzw. wenn sie schlafen (was nicht oft vorkommt).

Als wir noch in der großen Stadt in der Nähe von der Agentur gewohnt haben war das übrigens noch schlimmer. Da es keine Deadline durch die Zugabfahrten gab, passierte immer das was wohl meist passiert: "ach ich mach noch eben dieses dings zu ende, dann gehe ich", "oh mist elvis, ich hab grad die datei für das Projekt xy zerstört. wie rette ich denn das jetzt?", "ach dann kann ich auch eben noch den text für morgen fertig schreiben, das war ja nicht mehr so viel..."
Dadurch war Elvis gerne mal erst um 22.34 Uhr zu Hause oder auch mal um 1.58 oder um 6.02. Jetzt ist das immer eine klare Entscheidung die er treffen muss: "wenn ich den 20 Uhr Zug erwischen will muss ich jetzt gehen".

Samstag & Sonntag:
Katrin & Elvis versuchen an zwei Tagen die gesamte notwendige Kommunikation über anstehende familienorganisatorische Dinge zu erledigen (Versicherungen, Steuererklärung, Autoreparaturplanungen, Geburtstagsvorbereitungen, Familienfeste, Organspendeausweise, Patientenverfügungen, Anschaffungen, Hausentscheidungen, Hofentscheidungen, Schulentscheidungen etc), während sie lang erwünschte Dinge am Haus basteln, während sie die notwendigen Dinge (die Katrin nicht allein unter der Woche hinbekommt weil sie nur zwei Hände und Füße hat) erledigen, während sie versuchen zu entspannen (ist ja Wochenende!), während drei Kinder zu recht ihre Bedürfnisse lautstark formulieren, während draussen das Laub eingesammelt werden muss – weil die Nachbarn das so wünschen, während ein Kind zur Reitschule gebracht und abgeholt werden muss und das andere auf einen Geburtstag eingeladen ist bzw. das Geschenk für einen anstehenden Geburtstag besorgen muss, während fünf Hosen von Pelle genäht werden müssen, während die Tür in der Tenne winterfest gemacht werden muss, während die Leiter am Dach befestigt werden muss weil der Schornsteinfeger am Montag kommt...

Oder aber Katrin arbeitet an einem der Tage (12 Stundenschicht) im Kreißsaal und all die Dinge von oben müssen an nur einem Tag erledigt werden.

Elvis und ich haben keine Unterstützung. Wir wuppen dieses Leben zu zweit. Und haben nicht mal Zeit in Ruhe ohne die Kinder um uns herum zu streiten.

Das war unser Familienleben bisher: sehr voll, sehr viel getrennt, wenn zusammen, dann meist überladen mit anstehenden Aufgaben, plus die Bedürfnisse der Kinder, plus die eigenen Ansprüche.

Mein persönliches Problem ist, dass ich mich erst entspannen kann wenn alles erledigt ist. In einem Haus mit fünf Menschen, davon zwei Jungs die mit dem Kopf meist in den Wolken stecken, ist aber nie alles erledigt. Also komme ich nicht zur Ruhe und erledige selbst die eigentlich angenehmen Dinge (Kekse backen, mit den Ponys und den Kindern über den Deich zotteln, Momo vorlesen, Laternen basteln) mit einem gehetzten Gefühl im Nacken. Das hat mich sehr genervt in den letzten Monaten.

Seit vorletztem Sommer haben wir immer mal wieder großartige Workawayer hier. Die helfen dann am Wochenende bei den großen Aufgaben und unter der Woche bei den Haushaltsdingen. Das ist schon eine echte Bereicherung.

In den ersten Jahren hier im Haus war das übrigens anders. Da habe ich täglich solche großen Dinge wie Wände streichen, Zäune bauen und aufstellen, Hühnerstall bauen, Tapezieren, Betten bauen, Türen lackieren oder Bäume einpflanzen gemacht. das habe ich alles mit den Kindern zusammen erledigt. Jetzt wo quasi alles fertig ist, bleiben nur noch die Haushaltsarbeiten. Die teile ich auch so weit es geht mit den Kindern. Aber es macht mich einfach viel glücklicher, wenn ich tagsüber wirklich weiter gekommen bin. Aber der Haushalt ist ja eine immer wieder von vorn anfangende Sache.

Wir müssen also etwas ändern.

Und da es Quatsch ist, jetzt ein neues Haus zu suchen, damit ich wieder was zum renovieren habe, ist eine Idee: Reisen.

Das passt auch deshalb ganz gut, weil es mir wichtig ist den Kindern die Welt zu zeigen. Andere Kulturen, andere Sprachen. Ich habe in den letzten Jahren immer sehr bedauert, dass wir nicht, wie so viele Freilernerfamilien in der Welt unterwegs sind. Aber ein eigener kleiner Bauernhof verträgt sich nicht mit ausgedehnten Reisen.

Wir hatten uns mit dem Kauf dieses Hauses bewusst erst Mal gegen das Reisen entschieden. Aber jetzt wo hier irgendwie alles getan ist und wir sogar so großartige Aufbewahrungsplätze für unsere Tiere gefunden haben können wir einfach los fahren.


Das geplante Familienleben sieht dann vielleicht so aus:


2016

7 Wochen Mädchen in Andalusien & die Jungs machen eine Kerle-WG und kümmern sich um den Haushalt (der dann ja ganz anders aussehen kann, als wenn Katrin daheim ist). Elvis muss dann jeden Tag nach Hause kommen, da er Pelle nicht über Nacht allein lassen kann und er kommt ein Mal pro Woche so früh Heim, dass er Pelle vom Judo einsammeln kann. Pelle hat an zwei Tagen lang Schule und kommt erst Abends Heim. An zwei Tagen hat er Judo (jeweils 4 Stunden). An dem einen Tag holt Elvis ihn dann ab und an dem anderen schläft er bei einem Klassenkamerad. Die Zeit die Pelle dann allein Zu Hause ist beschränkt sich auf zwei mal je drei Stunden und einen kompletten Nachmittag mit Abend. Er freut sich auf die Zeit ohne kleine Schwestern, die ohne Genehmigung in seinem Zimmer Lego spielen oder ihm ins Bild laufen wenn er Filme dreht. Das Wochenende gehört dann den Kerlen allein und Elvis hat schon eine Tischtennisplatte bestellt. Die Schafe stehen bis Dezember 2016 bei dem Bock und unsere Ponys sind in einem Pensionsstall unter gekommen. Die Hühner sind ja schon aus überlebenswichtigen Minimumschutzgründen (sie hat sich immer auf die Hühner drauf gesetzt und die doofen Hühner sind immer wieder zu ihr hingegangen) bei Freunden seit einem Jahr. Den Hund nehmen wir Mädchen mit, nur die Katzen bleiben als Mäuseabwehr am Hof.

Kleiner Einschub: Die Tiere sind zwar aufwendig aber absolut nicht das, was mich stört. Ich mag die Haushaltsgeschichten nicht. Das ist einfach nicht meins und nach 13 Jahren allein dafür verantwortlich sein reicht es auch irgendwann mal. Dass die großen Tiere jetzt schon nicht mehr hier sind ist zwar erleichternd, reduziert meine Arbeit aber leider auf den nervigsten Teil. Die Arbeit bei und mit den Tieren war ein echter Ausgleich. Ich hab schon überlegt, ob wir so lange Ersatzschafe besorgen oder für die Zeit bis Januar noch mal Hühner anschaffen.

3 Wochen alle zusammen in Andalusien ohne Projekte die erledigt werden müssen – einfach nur Familienzeit.

7 Wochen wieder das selbe wie oben.

12 Wochen gemeinsamer Sommer.

8 Wochen Spätsommer Mädchen unter der Woche in Dänemark, am Wochenende alle zusammen zu Hause.

4 Wochen Herbst Familienmonat mit den Geburtstagen der Kinder, Elvis hat den gesamten Monat frei.

4 Wochen Winter Mädchen unter der Woche in Dänemark, am Wochenende alle zusammen zu Hause.

3 Wochen gemeinsame Weihnachts- und Neujahrszeit.


2017

Winter und Frühjahr: die gesamte Familie in Andalusien. Pelle macht einen von der Schule genehmigten Sprachaufenthalt (er lernt seit diesem Jahr Spanisch in der Schule). Elvis soll für die vier Monate online für die Agentur arbeiten. Allerdings muss ich ihn davon noch fertig überzeugen.

Sommer: alle zu Hause.

Herbst & Winter: wie 2016.

Im Moment erscheint das geplante Familienleben also als besser mit mehr entspannter Zeit für alle. Wir werden sehen wie es dann wirklich ist.

Was auch klar wird, ist dass das Freilernen der Kinder in Wirklichkeit fast nichts mit diesem Entschluss zu tun hat. Die Schulbehördlichen Auflagen machen nur den bürokratischen Teil um einiges komplizierter.

Was tatsächlich eine ganz andere Sache ist, ist mein Wunsch irgendwann mit Ärzte ohne Grenzen oder dem UNHCR in Krisengebieten zu arbeiten. Da wäre ich dann mind. 16 Monate am Stück weg.


Entschuldigt dieses hin und her springen zwischen ich und sie. Ging grad nicht anders.

Freitag, 20. November 2015

Flucht [flugt]

Jetzt kommt ein schweres Thema. Ich mag es nicht aus dem Weblog ausklammern, da es mich sehr betrifft.

Ich habe eine Woche in einer Notunterkunft für Flüchtlinge gearbeitet. Am Ende bin ich an zwei unprofessionellen ASB-Mitarbeitern gescheitert. Ich überlege noch, ob ich genauer darüber berichten möchte.

Die Arbeit mit den Bewohnern dort, mit den allermeisten Mitarbeitern und Helfern, mit den zuständigen Polizisten (die kamen immer nachts als Streife durchs Haus) und mit dem Wachsschutz war ganz großartig.

Als Psychologin hat man immer wieder die selbe Gesprächssituation: "Ach echt, Du bist Psychologin?", "Ja.", "Ich wollte schon länger mal mit einem Psychologen sprechen, weil...". So habe ich nur einer Woche die Gedanken und Sorgen von sehr sehr vielen Menschen gehört und geteilt. Und konnte vielen helfen.

Dass es aber in vielen Bereichen nicht um die tatsächliche Arbeitsleistung geht, sondern nur um Revierpinkelei, Stutenbissigkeit, Kompetenzgerangel, Lästereien, Statusgehabe etc., war mir natürlich theoretisch bekannt, aber so richtig in voller Blüte habe ich das noch nicht erlebt. Bis zur letzten Woche.

Ein Gespräch mit einem befreundeten Mediator ergab dann, dass es tatsächlich Menschen gibt, die auf deeskalierendes, defensives, zugewandtes, wertschätzendes Verhalten mit nur noch mehr Aggression reagieren.

Das war aber jetzt nur mein persönlicher Hintergrund zu diesem Posting. Ich lebe mit meinen eigenen Vorurteilen, die ich von Zeit zu Zeit versuche aufzuräumen und manchmal wird mir in Situationen bewusst, wie doof manche meiner Ideen sind. Zur Zeit begegne ich vielen Aussagen, die mit ein wenig Erklärungen so nicht geäussert werden würden.

Ich habe zwei Wahrheiten, die in meinem Kopf immer über allen Gedanken schweben. Die erste ist: kein Krieg wird wegen Religionen geführt. Der einzige Grund aus dem Kriege geführt werden ist Macht. Sowohl die christlichen Missionare in Afrika, als auch die Terroristen die sich auf den Islam beziehen, wollen Macht. Beziehungsweise die Drahtzieher dieser Kriege. Es geht also immer nur um Macht. Bei den Kriegen im Nahen Osten, ist Oel das wichtigste Machtmittel. Wer das Oel hat, hat die Macht (über die Welt). Mein Papa sieht das übrigens anders. Er sieht sehr wohl auch in der Religion einen Grund für Kriege.
Die zweite Wahrheit die immer mitschwimmt wenn es in meinem Kopf arbeitet ist: es ist alles noch viel komplizierter!
Es gibt leider kein Gut und Böse und ganz eindeutige eindimensionale Verhältnisse.
Diese Wahrheit äußert sich übrigens immer in einem Zitat aus dem ganz großartigen Film Eagle vs. Shark. Da sagt Jarrod irgendwann mal: I´m so complex!

Tatsächlich haben die unfassbar hohen GEZ-Zwangsabgaben, einige wenige gute Ergebnisse. So zum Beispiel viele Beiträge von "Die Anstalt" im ZDF. Da hatte ich schon öfter erfreuliche Wissenzugewinnsituationen.

Und deshalb mag ich hier ein paar der Beiträge zeigen. Jetzt zum Beispiel den über die Kriegstreiberei der westlichen Staaten im Nahen Osten. Ja, auch das ist eine Vereinfachung. Und bestimmt wissen die meisten Leser hier über die Grundzüge bescheid. Und ganz bestimmt gibt es auch hier Menschen, die es anders sehen. Aber das ist ja okay.


Montag, 21. September 2015

Zurück [tilbage]

Wir sind wieder hier.
Vier Tage mit einer Flut an Informationen. Seit Pelle auf der Welt ist versuche ich konkrete Informationen zum Freilernen in Deutschland zu bekommen. Vor acht Jahren am Computer in Hamburg habe ich nichts dazu gefunden. Es gab nur grob beschreibende Berichte. Die Neubronners waren zu der Zeit oft im Fernsehen. Aber ich konnte keinen konkreten Handlungsanweisungen, Tips oder eben Menschen die genau das tun was ich auch vor hatte, finden. Es gab nur nebulöse Halbaussagen und ein paar echte Fehlinformationen.

An der Freien Schule habe ich dann das erste mal eine Familie getroffen, die das tatsächlich gemacht haben. Immer wieder mal habe ich dann Menschen kennengelernt die ihren Kindern ein Leben ohne Schule ermöglicht haben. Ich hab immer versucht so viel Informationen wie möglich zu bekommen.

Nicht über das Lernen oder so. Da weiß ich, dass das einfach passiert und kenne meine Grenzen, Wünsche und Kompetenzen. Da bin ich sehr gut versorgt.
Aber eben die ganz konkrete praktische Umsetzung: Schulbehörde, Jugendamt, Meldebehörde, KFZ-Zulassungsstelle, Krankenkasse, Finanzamt u.s.w.

Es gab keine echten Infos. Und keine Kontakte zu anderen Familien. Zum einen liegt das daran, dass alle so unterschiedlich sind. Deshalb gibt es wenig allgemein gültige Ratschläge. Dann sind die Freilernerfamilien auch meist wirklich sehr beschäftigt. Es gibt zwar viele Versuche im Internet, diese Familien zu versammeln, aber so richtig gut klappt das nicht. Seit ein paar Jahren gibt es zumindest immer mehr Familien die Blogs schreiben. So kann man zumindest die individuellen Wege ein bisschen mitverfolgen. Wobei natürlich alles nicht legale meist ausgespart wird.

Unser Sommer in Portugal bot zum allerersten mal wirklich ein reichhaltiges Angebot an Geschichten und Informationen. Wir haben viele Familien kennengelernt, die sich Zeit genommen haben, uns ihr Leben zu zeigen und meine vielen Fragen beantwortet haben.

Nachdem ich im Winter diesen Jahres, wegen unserem Gerichtstermin und der angedrohten teilweisen Sorgerechtsentziehung, einen Haufen wichtiger Informationen selber zusammen gesammelt habe, war der Sommer mit den vielen Erfahrungsberichten jetzt quasi der zweite Lernblock.
Der Sommer hatte aber die Überschrift "wie ist Freilernen in Verbindung mit Auswandern nach Portugal möglich".

Da war das Schulfreifestival jetzt wieder ganz anders. Wir konnten vier Tage lang mit 450 anderen Menschen die ganze Vielfalt der Freilernermöglichkeiten von deutschen Familien besprechen.

Unser Anwalt war auch dort und hat einen Vortrag gehalten. Das Festival glich einem Kliententreffen von ihm.

Luzie hat einen Stick-Workshop angeboten. Schon als wir am Donnerstag ankamen, warteten Interessenten auf sie. Wir packten das Material aus und schwupps, waren alle ganz entspannt dabei und nebenher gab es die ersten sehr informativen Gespräche. Das war ganz großartig. Die gesamten vier Tage waren immer Menschen mit den Stickrahmen beschäftigt und haben ganz viele unterschiedliche Dinge gestickt und sich ausgetauscht über die Techniken und eben nebenher Gespräche über das Freilernerleben geführt. Das Sticken erzeugt so eine angenehme Tiefenentspannung, das war echt schön. Vor allem weil ich das so nicht wusste oder geplant hatte.
Luzie hatte auch sehr schnell eine Kollegin, die nach kurzer Anlernphase direkt eingestellt wurde.

Pelle und Elvis kamen am Samstag nach und haben einen Workshop zum Thema Freilerner Digital angeboten. Wir hatten alle Geräte, Programme und Apps, die wir in den letzten Jahren getestet und für gut befunden haben, dabei. 

Beide Workshops werden wir nächstes Jahr wieder anbieten. Das war wirklich gut. Einer meiner Hauptgedanken war, dass ich es eine wichtige Erfahrung für die Kinder finde, sich selbst als kompetent und 'Teil des Ganzen' und eben nicht nur als Konsument zu erleben. Pelle hat seinen Job als Workshopanbieter auch echt gut gemacht, sich dann aber auch noch ein anderes Aufgabenfeld gesucht und mit zwei Freunden zusammen die Bar übernommen. Luzie ist in ihrem Stickworkshop geblieben und fühlte sich da sehr verbunden und verpflichtet, so dass ich sie ab und an ganz offiziell freistellen musste, damit sie auch guten Gewissens an anderen Angeboten teilnehmen konnte. Eigentlich war ihr Workshop nur für zwei Stunden pro Tag geplant, aber es wurde eben die ganze Zeit gestickt.

In dem Text tauchen jetzt Variationen des Wortes 'Information' extrem gehäuft auf. Aber genau so waren Portugal und das Freilernerfestival auch. Jahrelang gab es nur Wasser und jetzt wurden wir quasi mit Saftkonzentrat übergossen. 

Donnerstag, 27. August 2015

Langschläfer [lang søvn]

















Luzie schläft lange. Bis 10.49 Uhr, wenn man sie lässt. Egal wann sie am Abend vorher ins Bett gegangen ist. 19 Uhr, 20 Uhr, 21 Uhr. Es macht keinen unterschied. 18 Uhr haben wir nicht ausprobiert – dazu sind wir nicht bereit.
Wenn Luzie vorher, z. B. um 6.40 Uhr für die Schule, aufstehen muss, gibt es Knatsch. Immer. Es gibt keine gut gelaunte Luzie vor 10 Uhr.

Und genau das ist eventuell jetzt der Grund, weshalb auch Deichhauskind Nummer zwo, vorerst keine Schule besuchen wird.

Ich bin nicht bereit jeden Tag mit schlechter Laune zu beginnen und mit Bettgehstress zu beenden. Oder das Kind mit Schokolade, oder anderen gesundheitlich problematischen Dingen, morgens zu einem höheren Blutzuckerspiegel zu verhelfen.

Wenn wir sie wecken und dann nicht aufpassen, finden wir sie zehn Minuten später schlafend unter den Sofakissen.

Vor zehn Uhr hasst Luzie also alles was man von ihr will. Auch das zur Schule gehen.

Ich denke, wenn die Schule um 10 anfangen würde, hätte Luzie Spaß daran.

Dazu passend gibt es einen aktuellen Bericht von Till Roenneberg: Schule um 8 Uhr ist biologische Diskriminierung.


Und einen älteren Kommentar von Frederik Jötten: Innere Uhr.

Montag, 13. Juli 2015

Eine Insel [en ø]

Wir waren auf einer Insel. Da kommt man nur mit dem Autozug hin. Vier Tage ausruhen. Das war gut. Die drei Deichhauskinder (... das Wort Kind trifft auf Pelle irgendwie nicht mehr wirklich zu) waren von morgens bis abends mit der Tierwelt beschäftigt. Eigentlich waren wir dort um Elvis beim Filmdreh zuzuschauen. Aber unsere Kinder finden Einsiedlerkrebse spannender als Kameraleute. Minimum steckte die ganze Zeit in einer Mixtur aus Panik, Begeisterung und anfassen-wollen fest. Große Strandkrabben wohin man auch trat, Schnecken, Muscheln, Möwen und Quallen. Luzie ging am ersten Tag kurz verloren, weil sie vom Haus allein zum Strand wollte und den falschen Dünenweg nahm.

Pelle ging am zweiten Tag quasi verloren, nachdem er auf dem Nachhauseweg im Watt einen Einsiedlerkrebs ohne Behausung gefunden hat. Er wühlte also zwei Stunden lang im Watt rum und bot dem Hauslosen Tierchen verschiedene Immobilien an. Aber der lehnte alle ab. Pelle hat sich erst nach sehr langer Zeit damit abgefunden, dass der Krebs sein Haus wohl selber suchen will. Wir saßen derweil auf den Steinen einer Buhne am Strand und passten auf, dass die Flut Pelle nicht den Rückweg abschneidet. Gegen 23.00 Uhr konnten wir dann endlich zu unserem eigenen Haus gehen.

Es war komisch dort Urlaub zu machen wo andere wohnen. Weil wir ja selber dort wohnen wo andere Urlaub machen. Wenn ich also zwischen den schönen Reetdachhäusschen entlang lief und mir Haus- und Gartendinge anschaute, wusste ich ja genau wie es ist, wenn jemand uns und unsere Dinge anschaut...

Mittwoch, 8. Juli 2015

wieder hier [her igen]

























Wir sind wieder hier. Was in den letzten Monaten geschah erzählen wir demnächst vielleicht ausführlich. Die Kurzfassung geht ungefähr so:

Denunzianten zeigen uns beim Jugendamt an, und statt dass – wie beim letzten Mal – eine Mitarbeiterin mit Menschenverstand vorbeikommt und feststellt, dass unsere Kinder in einem echten Bullerbü leben...

... geraten wir in einen Machtkampf mit einer komplett hirnbefreiten, minderwertigkeitskomplexgestörten, missgünstigen Person, die ich hier mal liebevoll Prusseliese nennen werde. Allerdings bekommt sie diesen Namen nur, weil in meinem Leben einfach kein Platz für echte Arschlöcher ist und ich sie deshalb etwas verklären möchte.

Dieses Zusammentreffen mit einer menschlich und fachlich völlig inkompetenten Person hatte zur Folge, dass wir im März vor dem Familiengericht (Kindeswohlgefährdung) standen, wo die Prusseliese zwei Stunden lang von der Richterin abgewatscht wurde, weil diese dankenswerterweise schon aus der Aktenlage geschlossen hatte, dass es unseren Kindern ganz hervorragend geht (O-Ton: "Dem Kind ging es doch ohne Schule SOGAR BESSER!") und es offensichtlich einzig und allein um eine Machtdemonstration von seiten der Prusseliese ging. Da die Richterin sich nicht als Werkzeug für solcherlei Spielchen sah, war ihr Tonfall gegenüber der Prusseliese dann auch sehr deutlich. Das wäre sogar lustig gewesen, wenn es nicht um unsere Kinder gegangen wäre – da verstehen wir keinen Spaß.

Da die Prusseliese wirklich auf allen Kanälen versucht hat uns zu beweisen, dass sie irgendwie Einfluss auf unser Leben nehmen kann, kam dann noch das verwaltungsrechtliche Verfahren (Ordnungswidrigkeit wegen nichterfüllung der Schulbesuchspflicht), an dessen Ende wir das Bußgeld von 380 Euro bezahlt haben, da unser Anwalt lediglich eine Niederlegung – keinen Freispruch – hätte erwirken können und dann hätten wir die Anwaltskosten trotzdem tragen müssen, die höher wären als das Bußgeld. Also schrieb unser Anwalt der Rechtsabteilung: "Diese Bescheide sind rechtswidrig. Wenn meine Mandanten keine Einsprüche dagegen einlegen, dann erfolgt dies ausschließlich aus ökonomischen Erwägungen. Auch im Falle der Bestandskraft sitzen Sie (zwar formell, aber) nicht materiell im Recht."

Das waren also fünf echt anstrengende Monate mit unglaublich viel Papierkram, Arbeit, Kosten, Terminen, Telefonaten, Herzrasen, Unglauben, Wut und Zorn.

Das problem des Deutschen Jugendamtsaparates, welches auch auf Europaebene immer wieder kritisiert wird, ist, dass da schlecht qualifizierte Menschen zu viel Macht haben. Zwar gibt es quasi schützende Instanzen, die ja auch z. B. in Form der Familienrichterin, gut funktioniert haben. Aber wir haben trotzdem gerade ein halbes Jahr unseres Lebens verloren. Die Kinder haben wirklich gelitten. Wir haben natürlich so gut es ging den Druck von ihnen fern gehalten, aber die wissen ja eh wie es uns geht und müssen das mittragen.

Luzie sah das mal wieder eher pragmatisch: "Pelle! Das ist doch voll cool wenn Mama und Papa ins Gefängnis müssen. Dann können wir ALLES allein entscheiden. Wann wir ins Bett gehen, was wir essen... Das ist doch ganz großartig!"

Es gibt einige Erkenntnisse aus den letzten Monaten. Zum Beispiel, dass vom Gesetzgeber aus alle Tätigkeiten des Jugendamtes ANGEBOTE (es steht uns Familien absolut FREI diese anzunehmen oder abzulehnen!) an Familien sind. Das Sozialgesetzbuch VIII beschreibt die Aufgaben des Jugendamtes. Und bevor nicht ein Familiengericht beschlossen hat, dass in eine Familie eingegriffen werden muss (und in einem Verfahren dann dem Jugendamt Befugnisse erteilt), hat das Jugendamt ÜBERHAUPT KEINE Rechte. Deren Tonfall ist natürlich ein ganz anderer, und deren selbstverständnis beschämenderweise wahrscheinlich auch. Wenn ihr also mal mit solchen Menschen aneinander geratet und euch sicher seid, dass euch nichts vorzuwerfen ist, dürft ihr die einfach ignorieren. Wenn bei uns noch mal welche dieser Art auftauchen sollten, werde ich sofort die Polizei anrufen und denen sagen, dass ich gerade von Verrückten belästigt werde.

Ich will auch gar nicht alle Sachbearbeiter in einen Topf werfen. Wir haben ja auch schon welche kennengelernt, die wirklich schlau sind. Aber die Anzahl an Vollidioten und/oder Duckmäusern ("Ich verstehe ja wieso sie das getan haben und ich persönlich finde ihren Weg ja auch richtig, aber ich kann da wenig ausrichten") ist einfach zu groß.

Was leider bei all den negativen Begegnungen sehr aus dem Blick gerät, ist, dass wir auch unglaublich tolle Menschen getroffen haben. Unser Anwalt ist ein echter Zauberer, die Familienrichterin war großartig und einige Freunde und andere, uns vorher völlig fremde, Menschen haben ganz unfassbare selbstlose Hilfe geleistet.

Wir sind also mit einem tiefblauen Auge aus der Schlacht gekommen. Gemeinerweise ist Recht haben und Recht bekommen wirklich nicht das selbe. Und JA, wir sind sehr sehr froh in einem Land wie Deutschland zu leben, aber wenn einem dann immer wieder Menschen begegnen, die wegen der sehr kleinteiligen behördlichen Vorgaben, völlig die eigene Denkleistung aufgeben, ist das traurig.

Und eine weitere sehr bedrückende Erkenntnis bringen wir mit: Wir konnten uns wehren. Zum einen hatten wir den Hintergrund (Kenntnisse der Sachlage und Großeltern mit Geld) uns sofort den wirklich perfekten Anwalt leisten zu können, wir sind eine Vorzeigefamilie, Elvis und ich sind Profis im Präsentieren und Performen und wir sind geschickt darin mit Menschen umzugehen. Das sind die Gründe weshalb uns die letzten Monate nicht zerstört haben. Andere Familien oder Leute die nicht mit diesem oder ähnlichem Equipment ausgestattet sind, wären vielleicht kaputt gegangen. Das ist super traurig.

Wir danken Euch für die Mails in den letzten Monaten und die netten Nachfragen.

Sonntag, 15. Februar 2015

Lieblingsbuch 5 [yndlingsbog 5]

























Auch heiß und innig geliebt wird dieses Buch: Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee (Amazonlink). Ich habs in der letzten Woche Luzie vorgelesen (Luzie will nur Bücher mit Pferden vorgelesen bekommen) und vor ungefähr sechs Jahren haben wir es Pelle vorgelesen, der sich aber nicht mehr daran erinnert und es jetzt noch mal selber lesen will.

Sonntag, 8. Februar 2015

Lieblingsbuch 4 [yndlingsbog 4]

























Eine neue Entdeckung ist Meine große kleine Welt (Amazonlink). Das hat auch besagte Freundin hier angeschleppt. Und es ist großartig. Das andere Buch von der selben Autorin ist nicht ganz so toll wie dieses. Da hat sie wohl versucht mit dem selben Mechanismus noch ein Buch zu basteln, was etwas gewollt daher kommt. Aber das erste ist ganz klar perfekt.

Sonntag, 1. Februar 2015

Lieblingsbuch 3 [yndlingsbog 3]

Dieses Büchlein hat uns eine ganz liebe Freundin damals für Luzie mitgebracht. Luzie fand es schon toll, aber Minimum ist total verliebt in das Buch. Sie liebt Katzen und muss das Buch immer und immer wieder vorgelesen bekommen. Söckchen, Flöckchen. Ein Suchbuch für die Klitzekleinen (Amazonlink). Leider gibt es dieses Buch auch nicht wirklich zu kaufen. Aber vielleicht findet Ihr es ja mal irgendwo gebraucht.

Sonntag, 25. Januar 2015

Lieblingsbuch 2 [yndlingsbog 2]





























Ein anderes Lieblingsbuch ist Mein Elefant kann fast alles (Amazonlink). Wie Ihr aber sehen werdet, wenn ihr dem Amazonlink folgt, ist, dass es zur Zeit nicht verlegt ist. Trotzdem möchte ich es Euch empfehlen. Vielleicht stolpert Ihr ja mal auf einem Flohmarkt drüber. Dann unbedingt mitnehmen! Wir haben das für Pelle bekommen als der noch ganz klein war. Freunde von Elvis hatten es mitgebracht. Und es begleitet uns jetzt seit zwölf Jahren. Minimum liebt es und will grad immer den Fant lesen. Ich liebe die Stimmung in dem Buch.

Sonntag, 18. Januar 2015

Lieblingsbuch [yndlingsbog]






























Ich möchte mit Euch unsere Buchschätze teilen.
Wir sind Büchersüchtig und wir haben ein paar Bücher, die für mich wirklich wie Schätze sind. Da fällt es mir auch tatsächlich ein wenig schwer die her zu geben, auch wenn es nur die Titel sind. Irgendwie mag ich die Illusion bewahren, dass das "unsere" sind. Aber andererseits sind die eben auch so toll, dass die Autoren es verdient haben noch mehr Freunde zu bekommen.

Gerade ist Minimum bei Drei miese, fiese Kerle (Amazonlink) eingeschlafen. Das Buch hat Elvis irgendwann mal entdeckt. Ich liebe es.

Was ich auf den Tod nicht ausstehen kann ist wenn mir aus Kinderbüchern pädagogische Moral entgegen trieft. Oder das Gegenteil, so gewollte aber leider nicht gekonnte Pipi-Langstrumpf-Anarchie.
Die Drei miesen, fiesen Kerle schaffen es, einfach, eine gute Geschichte zu sein.

Freitag, 2. Januar 2015

Schon wieder [igen]

Ich hab es mir ja gewünscht (das mit dem turbulenten Jahr). Aber, dass das Jahr so los geht... bzw. das letzte zu Ende... Dieser Brief kam vorgestern. Sylvester. Wäre ich Leiterin der Jugend- und Familienbehörde würde ich meinen Mitarbeitern untersagen im Dezember solche Briefe zu verschicken. Natürlich muss man sofort handeln wenn Gefahr im Verzug ist, aber alle anderen familienbelastenden Themen kann man doch wohl auch ein paar Tage nach Weihnachten und Sylvester los schicken, oder?

Ja, den Schreibfehler hab ich auch bemerkt... die Gute war wohl auch nur kurz zwischen den Tagen im Büro und nicht ganz bei der Sache...






















Jetzt darf ich wieder alle tollen Dokumente zusammen sammeln, die unser reichhaltiges Bildungsleben belegen. Was für ein überflüssiger Blödsinn.

Ich habe der Dame geschrieben, dass sie sich vielleicht erst mal an die Kollegin die im Sommer hier war wendet und damit ein Besuch eventuell überflüssig wird. Das Dumme ist nämlich, wenn so ein "Besuch" mit dem Ergebnis "Anzeige war grundlos, den Kindern geht es hervorragend" endet, wird aus gutem Grund keine Akte über die Familie angelegt. Das allerdings führt auch dazu, dass beim nächsten Anruf alles noch mal von vorn beginnt. Statt, dass die Damen und Herren eine Akte finden in der steht, dass es der Familie gut geht und dass es sich bei den Anrufern um Idioten handelt, die einfach doof sind und Langeweile haben... Wir bekommen jetzt wahrscheinlich alle sechs Monate Besuch, so lange bis wir alle Mitarbeiter der Behörde hier hatten und jeder beim nächsten anonymen Anruf direkt sagen kann "Nee, die Familie kenn ich, denen geht es super!".

Na denn...

Donnerstag, 1. Januar 2015

Neues Jahr [nytår]

























Das neue Jahr fängt an. Mal sehen was da so kommt. Das letzte Jahr war turbulent. Und ich hoffe das nächste wird es auch. Sonst ist es ja langweilig. Jetzt mache ich erst mal mein Praktikum im Kreisssaal bei meiner Lieblingshebamme. Pelle ist immer noch Freilerner, Luzie kommt so langsam in ihrer Waldorfklasse an und Minimum geht ihrer Wege und hinterlässt dabei eine Schneise der Zerstörung. Ich wünsche mir, dass ich wieder mehr Fotos und Berichte hier hinterlassen kann. Ich mag es in den alten Aufzeichnungen zu stöbern. Da kann ich sehen wie großartig unser Leben ist. Aber zur Zeit gibt es nur wenig Möglichkeiten Fotos zu machen und hier zu schreiben.
Jetzt wo Minimum langsam flügge wird, bekomme ich wieder mehr Raum für mich. Ich möchte Fortbildungen machen und lernen. Lernen. Lernen. Lernen. Und arbeiten. Und mit dem Bus am Strand rum stehen. Und in den Süden. Meine Großeltern waren viele Jahre immer von Oktober bis Mai in Südspanien. Und ich glaube ich muss daran arbeiten, dass wir auch eine solche Möglichkeit haben. Ich mag das kalte Matschwetter hier nicht. Vielleicht liest hier ja Jemand mit, der zufällig ein kleines Häuschen in Südspanien (Portugal, Kroatien oder irgendwo auf einem ähnlichen Breitengrad) hat und einen Haussitter für die Wintermonate braucht? Irgendwie haben wir nur Freunde mit Häusern im Norden. Würden wir nach Schweden wollen, wäre das kein Problem.

Irgendwas wird kommen, es wäre ein Wunder wenn nicht...

Bis bald...

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Familienorganisation [familieorganisation]



















Wir brauchten einen Kalender. Einen auf dem wir das ganze Jahr sehen können, dessen Felder groß genug zum reinschreiben sind, der an der Küchenwand Platz hat... Ich hab nichts geeignetes gefunden. Diese Wandjahresplaner sind zu klein (und hässlich). Ich dachte wir können einen normalen Umklappkalender nehmen und die Seiten abreißen und nebeneinander an die Wand hängen. Bei der Suche nach einem hübschen Exemplar kippte ich immer zwischen "Ich finde schon noch einen den ich gut finde" und "Oh Mann, das geht schneller wenn ich selbst einen male". Ich hab jetzt einen gemalt. Ich drucke jeden Monat auf ein Blatt und schneide großzügig die Ränder ab. Und dann kommen die an die Küchenwand. Ich bin kein Kalendermalexperte. Aber vielleicht hat ja Jemand hier das gleiche Problem und möchte meinen gemalten benutzen. Ich versuche mal die PDF's hier rein zu basteln. Eigentlich müsstet ihr die einfach runterladen und ausdrucken können.
Falls das nicht funktioniert, kann ich bei Bedarf auch die PDF´s verschicken. Ich probiers jetzt einfach mal...

... okay, die PDF's kann ich nicht bei blogger hinterlegen. Hat Jemand eine Idee? Das jpg da oben müsste eigentlich genug Pixel haben um ausgedruckt werden zu können. Dann könnte ich die Monate als jpg's hier rein tun.

Samstag, 31. Mai 2014

Pelle will in eine Schule [pelle ønsker i en skole]

Pelle möchte bald in eine Schule gehen. Es gibt in erreichbarer Nähe eine Anthroprosophische Schule, die wir sowieso für die letzten Schuljahre eingeplant haben, damit Pelle, Luzie und/oder Minimum dort ihre Abschlüsse machen können.
Jetzt drängt es Pelle also dort hin. Weil er Mädchen kennenlernen möchte. Dafür, dass ich das hier schreiben darf, muss ich ihm eine Legopackung im Wert von 35 Euro kaufen. Er möchte also Mädchen kennenlernen. Er trifft bereits einige. Zum Beispiel in der Reitschule, beim Judo, unser Pferdemädchen findet er auch sehr nett (mit der arbeitet er Mittwochs mit unseren Ponys) und beim Badminton sind auch welche. Und im Zirkuscamp im Sommer ja auch. Inklusive Flaschendrehen. Es gibt auch noch andere Gründe weshalb er gerne die Schule ausprobieren möchte. Deshalb versuchen wir zum Sommer dort einen Platz für Pelle zu bekommen. Luzie wird auch ab Sommer dort hingehen. Lange Zeit hat sie sich das ganz doll gewünscht, jetzt grade sagt sie sie würde lieber auch zu Hause lernen. Mal sehen was im Sommer so aktuell ist. Angemeldet sind wir auf jeden Fall schon mal.