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Freitag, 12. Februar 2016

Konferenz der Reisefamilien [konference af rejser familie]

Da standen wir so am Strand und plötzlich kommen ganz viele andere Reisefamilien. Die mit dem dicken grünen wasserblauen Auto sind seit acht Jahren unterwegs und haben zwei Kinder dabei. Dann unsere lieben Freunde mit ihrem Magirus aus Berlin mit zwei Kindern, die seit drei Jahren unterwegs sind und noch die Familie mit dem anderen Magirus plus Anhänger mit drei Kindern, das jüngste grad fünf Wochen alt. Direkt mit in die Großfamilie integriert haben wir einen Engländer, der mit dem winzigen Bus unterwegs ist.

Der Papa von der Morpheusreisefamilie ist Elektriker, der von dem zweiten Magirus Zimmermann. In dem Magirusanhänger ist eine ganze Zimmerei untergebracht. Reisegewerbe eben.

Gestern Abend haben wir Kino am Strand gemacht. Die Morpheusreisefamilie hat einen Film gezeigt von der Reise letztes Jahr durch die Wüste. Da war auch der Magirus aus Berlin dabei und noch ein anderer Wagen aus Italien.
Wir haben also eine Stunde lang zugesehen wie drei solcher LKW Düne rauf und Düne runter gefahren oder gerutscht sind. Über uns gab es einen tollen Sternehimmel.

Das war schon echt cool.

Letzte Woche hatten wir ja Wendländer mit einem Steyr als Nachbarn.

Heute morgen sind dann alle aufgebrochen. Ein Magirus und der Morpheus Richtung Portugal, der andere Magirus nach Nerja, der Engländer irgendwohin und wir zur Villa Abigarrada, wo wir das Wochenende verbringen.








Freitag, 5. Februar 2016

Schulfreifestival 2016

Ich hatte ja versprochen ganz rechtzeitig bescheid zu sagen, wenn es Karten für das Festival gibt, da letztes mal so viele erst zu spät davon erfahren haben und dann alle Karten weg waren.

Also: es ist so weit!

Auf zum Schulfreifestival hier gehts lang.


Samstag, 19. Dezember 2015

Schreiben & Lesen lernen [lære at læse og skrive]

Das hier ist für alle Eltern die ein wenig nervös sind, weil das Kind sich mit dem Schreiben und Lesen lernen Zeit lässt.

Pelle hat das von selbst angefangen. Elvis hat ihm Fuxia die Minihexe vorgelesen und als er es zum zweiten Mal vorlesen wollte, konnte Pelle alle Kapitel auswendig mitsprechen.
Dadurch wusste er was da steht und die beiden haben dann zwischendurch immer die Buchstaben und Wörter verglichen. Das war der Start.

Dann haben wir ganz viel Großbuchstaben geschrieben. Pelle hat das wie viele Kinder gemacht: er kam mit Aufträgen für Schreibarbeiten für uns an.
Wochenlang musste ich immer irgendwelche Wörter auf Zettel schreiben.
Er hat sie abgeschrieben und umgeschrieben.

Nach vielen Wochen des Schreibens fing er an zu lesen. Wir haben zwei oder drei Bücher gefunden die in Großbuchstaben geschrieben waren. Die hat er dann mit Elvis gelesen. Und dann hat er einfach Bücher mit Kleinbuchstaben gelesen. Er konnte nicht erklären warum er auch die kleinen Buchstaben kennt.

Dann kam die Phase mit dem Magischen Baumhaus. Mit denen hat er das Lesen geübt und wurde immer schneller (da war er ungefähr zehn).

Nachdem er uns fast arm gelesen hat mit diesen Büchern ist er irgendwann glücklicherweise auf dicke Bücher mit vielen kleinen Buchstaben umgestiegen.

Pelle liest sehr viel. Er versinkt in den Büchern.

Schreiben war bis zum Schulstart vor acht Monaten nicht so seins.
Er besucht eine Waldorfschule und da wird ja sehr viel geschrieben und er bekommt das echt gut hin. Im Unterricht werden den Kindern Texte diktiert, die sie mitschreiben und dann am Nachmittag noch mal in besserer Schrift ins Epochenheft übertragen. Alles in Schreibschrift.

Jetzt fängt das bei Luzie an. Eigentlich. Sie will zwar gerne Schreiben und Lesen lernen, allerdings nur weil die Anderen in ihrem alter (in der Schule) das tun und sie damit unter Druck setzen. Es fehlt das Interesse an den Buchstaben selbst.

Wir haben das ein wenig forciert aber jetzt rudere ich grad ganz weit zurück.

Ein Freund erwähnte letzten Sommer, bei einem Gespräch über die Rudolf-Steiner-Pädagogik, dass Rudolf Steiner die intellektuellen Fertigkeiten wie Lesen und Schreiben erst ab 11 Jahren ins Kind lassen wollte. Dass auch an Waldorfschulen schon in der Grundschule das Lesen und Schreiben unterrichtet wird ist quasi ein Zugeständnis an die Schulbehörde. Auf den Elternabenden von Luzies Klasse im letzten Jahr hat der Klassenlehrer viel über die Entwicklung der Kinder referiert und das mit den intellektuellen Fertigkeiten auch erwähnt. Heute habe ich es dann mal endlich nachgeschlagen und auch einen Text dazu gefunden: Erziehungskunst Wenn Kinder spaeter lesen lernen.

Ich mag viele Dinge aus der Waldorfpädagogik sehr, andere dafür gar nicht.  Das wa da in dem text steht finde ich hilfreich und inspirierend. Ich werde jetzt auf der Reise, wenn Luzie es wünscht ganz viel zu den Formen der Buchstaben machen. Sie hat ja im letzten Jahr schon einiges dazu in der Schule gehabt. Ich finde das was da in dem text steht so sinnig. Dass die Kinder über die Formenentwicklung eher dazu angeleitet werden Kulturtechniken selber zu entwickeln.

Es gab so eine Aussage... von Gerald Hüther vielleicht? Da ging es darum, dass man die Kinder nicht in Kulturtechniken unterrichten soll, sondern ihnen die Fertigkeiten beibringen soll, die es ihnen ermöglichen selber Kulturtechniken zu entwickeln.

So versteh ich auch den Steineransatz.

Und das nehme ich mir zu Herzen und bastel mir ein Motto für die Reise draus. Luzie hat ja auch echt noch Zeit. Sie ist jetzt acht.

Die Ruhe zu bewahren fällt uns Freilernereltern vielleicht manchmal schwer, weil um einen herum ja viele sehr genau aufs Kind schauen und auch ständig alles kommentiert wird.

Ein Schreiblernbuch mit dem die Kinder komplett selbstständig arbeiten können ist übrigens: Rolf Robischon Ich kann schreiben und lesen.

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Familienleben [hjem liv]

Hier kommt eine weitergehende Erläuterung für Mausekind und alle die sich ähnliche Gedanken machen. Ich hatte erst einen ellenlangen Kommentar getippt, der aber einem Serverabsturz zum Opfer fiel. Mausekind, jetzt also hier die Antwort auf Deinen Kommentar:

Familienleben sind ja sehr unterschiedlich. Deshalb ist es vielleicht wichtig unsere Variante genauer zu erzählen.

Unser Familienleben sah bisher ungefähr so aus:

Montag bis Freitag:
Katrin & Kinder allein (Elvis wird per Email, Telefon & Facetime am Familienleben beteiligt).

Elvis fährt los während wir noch im Bett liegen und kommt entweder um 20 (sehr gut aber selten), 22 (normal) oder 24 (spät) Uhr nach Hause. Oder gar nicht.

In der Zeit als Luzie in die Schule gegangen ist, hat Elvis sie unter der Woche also nur morgens kurz gesehen. Abends gar nicht mehr. Das ist jetzt grad anders. Ohne Schule kann Luzie hier bis 22 Uhr rum hüpfen und die beiden treffen sich abends ab und an zum Gute Nacht sagen. Alle Termine rund um die Kinder die von Montag bis Freitag statt finden, finden ohne Elvis statt. Meine gesamten Jobs erledige ich mit Kindern um mich herum oder auf mir drauf, bzw. wenn sie schlafen (was nicht oft vorkommt).

Als wir noch in der großen Stadt in der Nähe von der Agentur gewohnt haben war das übrigens noch schlimmer. Da es keine Deadline durch die Zugabfahrten gab, passierte immer das was wohl meist passiert: "ach ich mach noch eben dieses dings zu ende, dann gehe ich", "oh mist elvis, ich hab grad die datei für das Projekt xy zerstört. wie rette ich denn das jetzt?", "ach dann kann ich auch eben noch den text für morgen fertig schreiben, das war ja nicht mehr so viel..."
Dadurch war Elvis gerne mal erst um 22.34 Uhr zu Hause oder auch mal um 1.58 oder um 6.02. Jetzt ist das immer eine klare Entscheidung die er treffen muss: "wenn ich den 20 Uhr Zug erwischen will muss ich jetzt gehen".

Samstag & Sonntag:
Katrin & Elvis versuchen an zwei Tagen die gesamte notwendige Kommunikation über anstehende familienorganisatorische Dinge zu erledigen (Versicherungen, Steuererklärung, Autoreparaturplanungen, Geburtstagsvorbereitungen, Familienfeste, Organspendeausweise, Patientenverfügungen, Anschaffungen, Hausentscheidungen, Hofentscheidungen, Schulentscheidungen etc), während sie lang erwünschte Dinge am Haus basteln, während sie die notwendigen Dinge (die Katrin nicht allein unter der Woche hinbekommt weil sie nur zwei Hände und Füße hat) erledigen, während sie versuchen zu entspannen (ist ja Wochenende!), während drei Kinder zu recht ihre Bedürfnisse lautstark formulieren, während draussen das Laub eingesammelt werden muss – weil die Nachbarn das so wünschen, während ein Kind zur Reitschule gebracht und abgeholt werden muss und das andere auf einen Geburtstag eingeladen ist bzw. das Geschenk für einen anstehenden Geburtstag besorgen muss, während fünf Hosen von Pelle genäht werden müssen, während die Tür in der Tenne winterfest gemacht werden muss, während die Leiter am Dach befestigt werden muss weil der Schornsteinfeger am Montag kommt...

Oder aber Katrin arbeitet an einem der Tage (12 Stundenschicht) im Kreißsaal und all die Dinge von oben müssen an nur einem Tag erledigt werden.

Elvis und ich haben keine Unterstützung. Wir wuppen dieses Leben zu zweit. Und haben nicht mal Zeit in Ruhe ohne die Kinder um uns herum zu streiten.

Das war unser Familienleben bisher: sehr voll, sehr viel getrennt, wenn zusammen, dann meist überladen mit anstehenden Aufgaben, plus die Bedürfnisse der Kinder, plus die eigenen Ansprüche.

Mein persönliches Problem ist, dass ich mich erst entspannen kann wenn alles erledigt ist. In einem Haus mit fünf Menschen, davon zwei Jungs die mit dem Kopf meist in den Wolken stecken, ist aber nie alles erledigt. Also komme ich nicht zur Ruhe und erledige selbst die eigentlich angenehmen Dinge (Kekse backen, mit den Ponys und den Kindern über den Deich zotteln, Momo vorlesen, Laternen basteln) mit einem gehetzten Gefühl im Nacken. Das hat mich sehr genervt in den letzten Monaten.

Seit vorletztem Sommer haben wir immer mal wieder großartige Workawayer hier. Die helfen dann am Wochenende bei den großen Aufgaben und unter der Woche bei den Haushaltsdingen. Das ist schon eine echte Bereicherung.

In den ersten Jahren hier im Haus war das übrigens anders. Da habe ich täglich solche großen Dinge wie Wände streichen, Zäune bauen und aufstellen, Hühnerstall bauen, Tapezieren, Betten bauen, Türen lackieren oder Bäume einpflanzen gemacht. das habe ich alles mit den Kindern zusammen erledigt. Jetzt wo quasi alles fertig ist, bleiben nur noch die Haushaltsarbeiten. Die teile ich auch so weit es geht mit den Kindern. Aber es macht mich einfach viel glücklicher, wenn ich tagsüber wirklich weiter gekommen bin. Aber der Haushalt ist ja eine immer wieder von vorn anfangende Sache.

Wir müssen also etwas ändern.

Und da es Quatsch ist, jetzt ein neues Haus zu suchen, damit ich wieder was zum renovieren habe, ist eine Idee: Reisen.

Das passt auch deshalb ganz gut, weil es mir wichtig ist den Kindern die Welt zu zeigen. Andere Kulturen, andere Sprachen. Ich habe in den letzten Jahren immer sehr bedauert, dass wir nicht, wie so viele Freilernerfamilien in der Welt unterwegs sind. Aber ein eigener kleiner Bauernhof verträgt sich nicht mit ausgedehnten Reisen.

Wir hatten uns mit dem Kauf dieses Hauses bewusst erst Mal gegen das Reisen entschieden. Aber jetzt wo hier irgendwie alles getan ist und wir sogar so großartige Aufbewahrungsplätze für unsere Tiere gefunden haben können wir einfach los fahren.


Das geplante Familienleben sieht dann vielleicht so aus:


2016

7 Wochen Mädchen in Andalusien & die Jungs machen eine Kerle-WG und kümmern sich um den Haushalt (der dann ja ganz anders aussehen kann, als wenn Katrin daheim ist). Elvis muss dann jeden Tag nach Hause kommen, da er Pelle nicht über Nacht allein lassen kann und er kommt ein Mal pro Woche so früh Heim, dass er Pelle vom Judo einsammeln kann. Pelle hat an zwei Tagen lang Schule und kommt erst Abends Heim. An zwei Tagen hat er Judo (jeweils 4 Stunden). An dem einen Tag holt Elvis ihn dann ab und an dem anderen schläft er bei einem Klassenkamerad. Die Zeit die Pelle dann allein Zu Hause ist beschränkt sich auf zwei mal je drei Stunden und einen kompletten Nachmittag mit Abend. Er freut sich auf die Zeit ohne kleine Schwestern, die ohne Genehmigung in seinem Zimmer Lego spielen oder ihm ins Bild laufen wenn er Filme dreht. Das Wochenende gehört dann den Kerlen allein und Elvis hat schon eine Tischtennisplatte bestellt. Die Schafe stehen bis Dezember 2016 bei dem Bock und unsere Ponys sind in einem Pensionsstall unter gekommen. Die Hühner sind ja schon aus überlebenswichtigen Minimumschutzgründen (sie hat sich immer auf die Hühner drauf gesetzt und die doofen Hühner sind immer wieder zu ihr hingegangen) bei Freunden seit einem Jahr. Den Hund nehmen wir Mädchen mit, nur die Katzen bleiben als Mäuseabwehr am Hof.

Kleiner Einschub: Die Tiere sind zwar aufwendig aber absolut nicht das, was mich stört. Ich mag die Haushaltsgeschichten nicht. Das ist einfach nicht meins und nach 13 Jahren allein dafür verantwortlich sein reicht es auch irgendwann mal. Dass die großen Tiere jetzt schon nicht mehr hier sind ist zwar erleichternd, reduziert meine Arbeit aber leider auf den nervigsten Teil. Die Arbeit bei und mit den Tieren war ein echter Ausgleich. Ich hab schon überlegt, ob wir so lange Ersatzschafe besorgen oder für die Zeit bis Januar noch mal Hühner anschaffen.

3 Wochen alle zusammen in Andalusien ohne Projekte die erledigt werden müssen – einfach nur Familienzeit.

7 Wochen wieder das selbe wie oben.

12 Wochen gemeinsamer Sommer.

8 Wochen Spätsommer Mädchen unter der Woche in Dänemark, am Wochenende alle zusammen zu Hause.

4 Wochen Herbst Familienmonat mit den Geburtstagen der Kinder, Elvis hat den gesamten Monat frei.

4 Wochen Winter Mädchen unter der Woche in Dänemark, am Wochenende alle zusammen zu Hause.

3 Wochen gemeinsame Weihnachts- und Neujahrszeit.


2017

Winter und Frühjahr: die gesamte Familie in Andalusien. Pelle macht einen von der Schule genehmigten Sprachaufenthalt (er lernt seit diesem Jahr Spanisch in der Schule). Elvis soll für die vier Monate online für die Agentur arbeiten. Allerdings muss ich ihn davon noch fertig überzeugen.

Sommer: alle zu Hause.

Herbst & Winter: wie 2016.

Im Moment erscheint das geplante Familienleben also als besser mit mehr entspannter Zeit für alle. Wir werden sehen wie es dann wirklich ist.

Was auch klar wird, ist dass das Freilernen der Kinder in Wirklichkeit fast nichts mit diesem Entschluss zu tun hat. Die Schulbehördlichen Auflagen machen nur den bürokratischen Teil um einiges komplizierter.

Was tatsächlich eine ganz andere Sache ist, ist mein Wunsch irgendwann mit Ärzte ohne Grenzen oder dem UNHCR in Krisengebieten zu arbeiten. Da wäre ich dann mind. 16 Monate am Stück weg.


Entschuldigt dieses hin und her springen zwischen ich und sie. Ging grad nicht anders.

Montag, 30. November 2015

Mond [måned]

Luzie beobachtet den Mond. Sie tut das schon eine ganze Weile. Jetzt habe ich ein bisschen Material gesammelt und wir werden den Dezember über ganz viel in den Nachthimmel schauen.

Vielleicht interessiert sich ja hier noch jemand für den Mond und das Drumherum.

Als erstes habe ich unseren Familienkalender genommen und ein Mondjournal für den Dezember draus gebastelt. Luzie spricht ständig darüber wie voll oder nicht voll der Mond ist. Sie ist sehr oft überzeugt davon, dass jetzt grad Vollmond ist und wundert sich dann Tag für Tag, dass immer noch Vollmond ist... Ich dachte wenn sie mit so einem Mondjournal genau beobachten und vergleichen kann, erkennt sie auch die kleinen Schritte um den Vollmond herum. Ich habe das JPG einfach in voller Größe hier rein gestellt. Eigentlich müsstet ihr das anklicken, runter laden und ausdrucken können (falls ihr es denn haben wollt). Oder? Ich drucke die Sachen immer auf recht schwerem Inkjetpapier aus und wähle in den Druckeinstellungen entweder zwei Kopien pro Seite oder – bei mehreren Seiten – zwei Seiten pro Blatt. Dann sind die Bilder passend in A5 und ich kann sie mit meiner großartigen Schneidemaschine zurecht schnibbeln.



Nette Seiten für Luzies Mondbuch habe ich hier gefunden: 123homeschool4me Solar System.
Das ist auch deshalb ganz passend, weil Luzie grad kleine Buchstaben übt. Da kann sie die ganzen Namen dann nachschreiben. Ein bisschen grmpf für mich ist, dass die Macherin der Bilder bei dem Sonnensystembild einen Fehler gemacht hat. Sie hat die Positionen von Merkur und Venus vertauscht. Mal schauen wie lange ich es aushalte das nicht mit Photoshop zu korrigieren.

Bei Pinterest hab ich dann noch schöne Bilder gesammelt, ausgedruckt und mit ins Mondbuch geklebt: Pinnwand „Mond“ auf Pinterest.

Was ich auch noch ganz gut fand zum Monde malen: schwarzes Papier und ein weißer Stift. Den weißen Stift hab ich schon...

Dann haben wir hier noch von der Firma Djeco die Kratzbilder "Gute Nacht". Das sind vier vorbereitete Kratzbilder. Kann man natürlich auch selber machen (erst ein Papier mit bunten Flächen anmalen, dann mit schwarzem Wachsmalstift alles übermalen und dann Bilder rein kratzen).

Wir haben die mal geschenkt bekommen (von einer Bloggerin die auch nicht mehr bloggt).

Ich hab die bei Amazon gefunden, allerdings zu einem absurden Preis bzw. Versand: Kratzbilder "Gute Nacht".

Vielleicht gibt es sie ja noch woanders in günstiger.

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Lebensmodelle [livsstil]

Über den Freilernblog bin ich auf Fabian Dittrich aufmerksam geworden. Seinen TEDtalk kann ich empfehlen. Seine Geschichte ist gut. Auch wenn sein Wasserfallbeispiel am Anfang etwas ausgelatscht ist.

Montag, 28. September 2015

Freilernerfestival [friuddannelse festival]


Das Festival, welches Septrè veranstaltet, heißt in Wirklichkeit Schulfrei Festival. Allerdings finde ich es immer störend, dass in dem Namen das Wort Schule vorkommt. Wir wollen ja eigentlich ein Leben ohne Schule. Und dann gestehen wir dieser Institution einen so prominenten Platz zu?
Ausserdem hat Jesper Juul, als ich ihn gefragt habe, ob ihm der Begriff Antipädagogik geläufig sei, unter anderem geantwortet "Wieso müssen die Menschen immer GEGEN irgendwas sein? Es ist doch viel schöner FÜR etwas zu sein!".
Und das fällt mir jedes mal ein, wenn ich das Festivallogo sehe. Da sollte eigentlich Freilerner Festival stehen. Die Jungs und Mädels von Septré werden ihre Gründe für den Namen gehabt haben. Da will ich auch gar nicht mosern. Aber ich nenne es für mich lieber Freilernerfestival.

Mittwoch, 23. September 2015

Gewalt? Ohne mich! [vold? uden mig!]

Es gibt eine sehr einfache klare Kampagne, die ich hier gerne unterstützen möchte.
Es geht einfach nur um die Feststellung, dass wir unsere Kinder nicht gegen ihren Willen in die Schule bringen wollen/sollen. Wir sind ja sowieso per Grundgesetz dazu verpflichtet sie gewaltfrei zu erziehen. Unterstützen kann jeder die Aktion, indem er ein Foto ohne irgendwelche Angaben zur Person dort hin schickt. Das war's.
Zu der Kampagne kommt ihr entweder über das Foto oder den folgenden Link: www.gewaltohnemich.de




Montag, 21. September 2015

Zurück [tilbage]

Wir sind wieder hier.
Vier Tage mit einer Flut an Informationen. Seit Pelle auf der Welt ist versuche ich konkrete Informationen zum Freilernen in Deutschland zu bekommen. Vor acht Jahren am Computer in Hamburg habe ich nichts dazu gefunden. Es gab nur grob beschreibende Berichte. Die Neubronners waren zu der Zeit oft im Fernsehen. Aber ich konnte keinen konkreten Handlungsanweisungen, Tips oder eben Menschen die genau das tun was ich auch vor hatte, finden. Es gab nur nebulöse Halbaussagen und ein paar echte Fehlinformationen.

An der Freien Schule habe ich dann das erste mal eine Familie getroffen, die das tatsächlich gemacht haben. Immer wieder mal habe ich dann Menschen kennengelernt die ihren Kindern ein Leben ohne Schule ermöglicht haben. Ich hab immer versucht so viel Informationen wie möglich zu bekommen.

Nicht über das Lernen oder so. Da weiß ich, dass das einfach passiert und kenne meine Grenzen, Wünsche und Kompetenzen. Da bin ich sehr gut versorgt.
Aber eben die ganz konkrete praktische Umsetzung: Schulbehörde, Jugendamt, Meldebehörde, KFZ-Zulassungsstelle, Krankenkasse, Finanzamt u.s.w.

Es gab keine echten Infos. Und keine Kontakte zu anderen Familien. Zum einen liegt das daran, dass alle so unterschiedlich sind. Deshalb gibt es wenig allgemein gültige Ratschläge. Dann sind die Freilernerfamilien auch meist wirklich sehr beschäftigt. Es gibt zwar viele Versuche im Internet, diese Familien zu versammeln, aber so richtig gut klappt das nicht. Seit ein paar Jahren gibt es zumindest immer mehr Familien die Blogs schreiben. So kann man zumindest die individuellen Wege ein bisschen mitverfolgen. Wobei natürlich alles nicht legale meist ausgespart wird.

Unser Sommer in Portugal bot zum allerersten mal wirklich ein reichhaltiges Angebot an Geschichten und Informationen. Wir haben viele Familien kennengelernt, die sich Zeit genommen haben, uns ihr Leben zu zeigen und meine vielen Fragen beantwortet haben.

Nachdem ich im Winter diesen Jahres, wegen unserem Gerichtstermin und der angedrohten teilweisen Sorgerechtsentziehung, einen Haufen wichtiger Informationen selber zusammen gesammelt habe, war der Sommer mit den vielen Erfahrungsberichten jetzt quasi der zweite Lernblock.
Der Sommer hatte aber die Überschrift "wie ist Freilernen in Verbindung mit Auswandern nach Portugal möglich".

Da war das Schulfreifestival jetzt wieder ganz anders. Wir konnten vier Tage lang mit 450 anderen Menschen die ganze Vielfalt der Freilernermöglichkeiten von deutschen Familien besprechen.

Unser Anwalt war auch dort und hat einen Vortrag gehalten. Das Festival glich einem Kliententreffen von ihm.

Luzie hat einen Stick-Workshop angeboten. Schon als wir am Donnerstag ankamen, warteten Interessenten auf sie. Wir packten das Material aus und schwupps, waren alle ganz entspannt dabei und nebenher gab es die ersten sehr informativen Gespräche. Das war ganz großartig. Die gesamten vier Tage waren immer Menschen mit den Stickrahmen beschäftigt und haben ganz viele unterschiedliche Dinge gestickt und sich ausgetauscht über die Techniken und eben nebenher Gespräche über das Freilernerleben geführt. Das Sticken erzeugt so eine angenehme Tiefenentspannung, das war echt schön. Vor allem weil ich das so nicht wusste oder geplant hatte.
Luzie hatte auch sehr schnell eine Kollegin, die nach kurzer Anlernphase direkt eingestellt wurde.

Pelle und Elvis kamen am Samstag nach und haben einen Workshop zum Thema Freilerner Digital angeboten. Wir hatten alle Geräte, Programme und Apps, die wir in den letzten Jahren getestet und für gut befunden haben, dabei. 

Beide Workshops werden wir nächstes Jahr wieder anbieten. Das war wirklich gut. Einer meiner Hauptgedanken war, dass ich es eine wichtige Erfahrung für die Kinder finde, sich selbst als kompetent und 'Teil des Ganzen' und eben nicht nur als Konsument zu erleben. Pelle hat seinen Job als Workshopanbieter auch echt gut gemacht, sich dann aber auch noch ein anderes Aufgabenfeld gesucht und mit zwei Freunden zusammen die Bar übernommen. Luzie ist in ihrem Stickworkshop geblieben und fühlte sich da sehr verbunden und verpflichtet, so dass ich sie ab und an ganz offiziell freistellen musste, damit sie auch guten Gewissens an anderen Angeboten teilnehmen konnte. Eigentlich war ihr Workshop nur für zwei Stunden pro Tag geplant, aber es wurde eben die ganze Zeit gestickt.

In dem Text tauchen jetzt Variationen des Wortes 'Information' extrem gehäuft auf. Aber genau so waren Portugal und das Freilernerfestival auch. Jahrelang gab es nur Wasser und jetzt wurden wir quasi mit Saftkonzentrat übergossen. 

Donnerstag, 27. August 2015

Langschläfer [lang søvn]

















Luzie schläft lange. Bis 10.49 Uhr, wenn man sie lässt. Egal wann sie am Abend vorher ins Bett gegangen ist. 19 Uhr, 20 Uhr, 21 Uhr. Es macht keinen unterschied. 18 Uhr haben wir nicht ausprobiert – dazu sind wir nicht bereit.
Wenn Luzie vorher, z. B. um 6.40 Uhr für die Schule, aufstehen muss, gibt es Knatsch. Immer. Es gibt keine gut gelaunte Luzie vor 10 Uhr.

Und genau das ist eventuell jetzt der Grund, weshalb auch Deichhauskind Nummer zwo, vorerst keine Schule besuchen wird.

Ich bin nicht bereit jeden Tag mit schlechter Laune zu beginnen und mit Bettgehstress zu beenden. Oder das Kind mit Schokolade, oder anderen gesundheitlich problematischen Dingen, morgens zu einem höheren Blutzuckerspiegel zu verhelfen.

Wenn wir sie wecken und dann nicht aufpassen, finden wir sie zehn Minuten später schlafend unter den Sofakissen.

Vor zehn Uhr hasst Luzie also alles was man von ihr will. Auch das zur Schule gehen.

Ich denke, wenn die Schule um 10 anfangen würde, hätte Luzie Spaß daran.

Dazu passend gibt es einen aktuellen Bericht von Till Roenneberg: Schule um 8 Uhr ist biologische Diskriminierung.


Und einen älteren Kommentar von Frederik Jötten: Innere Uhr.

Mittwoch, 5. August 2015

Kinder im Netz III [børn på nettet III]



"Wir fordern Respekt vor digitaler Kultur."

Das sagten Tanja und Johnny Haeusler auf der diesjährigen re:publica in ihrem Vortrag, in dem sie die tincon vorstellten.




Ich habe Euch im letzten Kinder im Netz Post ein Video von klicksafe gezeigt. Das Video finde ich immer noch – auch nach zehn Jahren – großartig. Andere Beiträge des Vereins finde ich problematisch. Da gibt es Aussagen die, zumindest für unsere aufgeklärten, gut versorgten Bildungsbürgertumkinder einfach Quatsch sind.
Zum Beispiel die Anspielungen darauf, dass wer im Netz lebt, in der realen Welt aufhört zu existieren, oder anderweitig Probleme hat. Das mag für allein gelassene, tageintagaus Chips-vor-dem-Rechner-essende Halbwüchsige stimmen. Und ich verstehe auch die Botschaft des Vereins.
Aber es gibt auch die anderen.

Und es tut Eltern (und deren Kindern) einfach gut sich die Beiträge von Tanja und Johnny anzuschauen oder ihr Buch Netzgemüse (Amazonlink) zu lesen.

Für 2016 haben die Haeuslers also die tincon organisiert. Das ist eine Konferenz für Jugendliche Netzmenschen. Wir werden versuchen Pelle nach Berlin zu fahren nächstes Jahr. Vielleicht gibts ja dann eine Elternbetreuung bei der Konferenz, wo es doch mit der Kinderbetreuung bei der re:publica auch schon fast geklappt hat...


Freitag, 31. Juli 2015

Outdoor College [udendørs kollegium]











Falls Ihr zufällig 14.000 Euro übrig habt und ein Kind, welches gerne zu Anfang der 9. Schulklasse für sieben Monate ins Outdoor College nach Norwegen gehen möchte - hier entlang: Outdoor College.

Montag, 27. Juli 2015

Kinder im Netz II [børn på nettet II]

Damals... als Pelle noch winzig war und ich Medienpsychologie studierte, war für mich klar: es wird nur einen internetfähigen Rechner in der Familienküche geben. Eigenen Internetzugang gibts erst mit 16 Jahren. Ein Kind unbegleitet ins Internet zu lassen ist als würde man die auf die Reeperbahn zum Spielen lassen.

Sehr schön dazu auch dieses Filmchen von Klicksafe:




Der Film ist mittlerweile 10 Jahre alt. Und immer noch finde ich, dass er genau das beschreibt was ich Eltern mitgeben möchte.

Und ich stehe auch immer noch zu 100% zu meiner damaligen Aussage.

Tja... das Problem ist nur, Pelle hat seit seinem 11. Geburtstag bereits ein iPhone. Aber wer konnte denn auch 2005 ahnen, wie die Welt heute aussieht. Dass Preteens das Internet in der Hosentasche mit sich rum tragen, war vor zehn Jahren für mich undenkbar.

Ich glaube das allerwichtigste ist nach wie vor für die Kinder da zu sein. Ihnen immer zur Verfügung zu stehen, wenn sie etwas besprechen wollen. Am Ball zu bleiben. Nicht aufdringlich bitte. Aber verlässlich.

Wir können nicht jeden Schritt von Pelle im Internet begleiten. Das ist heute unmöglich. Um so wichtiger ist es informiert zu sein und reagieren zu können wenn etwas merkwürdig ist.

Vorletzten Monat durften wir dann eine Mobiltelefonrechnung von 60 Euro und eine eben so hohe Festnetztelefonrechnung bezahlen, weil Pelle das mit den Flatrates missverstanden hatte. Lehrgeld.

Freitag, 17. Juli 2015

LeFloid [lefloid]

Kennt Ihr LeFloid?
Der kommentiert aktuelles Geschehen in seinem Youtubekanal, fordert seine Zuschauer immer zum Dialog auf und stellt sich diesem dann auch zuverlässig.

Hier ein Beispiel (das ist erst was für Teens oder Preteens, da er durchaus auch schwierige Themen anspricht):



Ich mag den. Auch wenn er an manchen Punkten eine andere Meinung hat als ich. Ich werde Pelle das empfehlen. Unsere Kinder sollen ja auch nicht nur unsere Meinung wiederkäuen - das wäre ja schrecklich. Und bei LeFloid bekommt der Zuschauer, mal eben einige Themen kurz und knapp  serviert. Danach gibts bestimmt spannende Gespräche am Familientisch.

Schaut Euch ruhig noch ein paar seiner Videos an.




Und dann, dieses hier. Das ist von der republica letztes Jahr:



Lustig, oder? Der heißt in echt Florian Mundt und ist angehender Psychologe. Und durchaus schlau und kann auch ganz normal reden.

Warum ist es wertvoll für (ältere) Kinder ihm zu zuhören? Das beantworteten Johnny und Tanja Haeusler in ihrem Vortrag über die TINCON auf der diesjährigen republica. Es ist IMMER wichtig Informationen aus erster Hand zu bekommen. Deshalb sind Youtuber, die von ihren eigenen Erfahrungen im Internet oder mit Computerspielen berichten, viel authentischer als irgendwelche Lehrer, die mal eine einwöchige Fortbildung zum Thema Medienkompetenz absolviert haben.

Ich habe vorletztes Jahr einen Vortrag von Jemandem gehört, der kürzlich in der Gegend um Tschernobyl war. Er hat eine Menge Fotos gezeigt und Geschichten erzählt. Das war gruselig. Das hat mir Gänsehaut gemacht. Und war viel eindrücklicher und damit wertvoller als alle Projektwochen zusammen die ich je in der Gesamtschule erlebt habe.

Informationen aus erster Hand eben.

Jetzt kam es dazu, dass die PR-Leute um Frau Merkel herum, beschlossen haben auch mal Kontakt zu den jungen Menschen in Deutschland auf zu nehmen. Und dafür haben sie sich LeFloid ausgesucht.

Hier jetzt also sein Interview mit Frau Merkel.



Da kann man sich jetzt einige Gedanken zu machen. Sich wundern, ärgern, über den einen oder die andere. Ich habe viele Reaktionen zu dem Interview gelesen. Und die beste – für mich – ist die von Johnny Haeusler in der WIRED: Ärgert Euch nicht über LeFloids fragen – ärgert Euch über Merkels Antworten! und seine Ergänzungen in seinem eigenen Blog Spreeblick.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Mittwoch, 8. Juli 2015

wieder hier [her igen]

























Wir sind wieder hier. Was in den letzten Monaten geschah erzählen wir demnächst vielleicht ausführlich. Die Kurzfassung geht ungefähr so:

Denunzianten zeigen uns beim Jugendamt an, und statt dass – wie beim letzten Mal – eine Mitarbeiterin mit Menschenverstand vorbeikommt und feststellt, dass unsere Kinder in einem echten Bullerbü leben...

... geraten wir in einen Machtkampf mit einer komplett hirnbefreiten, minderwertigkeitskomplexgestörten, missgünstigen Person, die ich hier mal liebevoll Prusseliese nennen werde. Allerdings bekommt sie diesen Namen nur, weil in meinem Leben einfach kein Platz für echte Arschlöcher ist und ich sie deshalb etwas verklären möchte.

Dieses Zusammentreffen mit einer menschlich und fachlich völlig inkompetenten Person hatte zur Folge, dass wir im März vor dem Familiengericht (Kindeswohlgefährdung) standen, wo die Prusseliese zwei Stunden lang von der Richterin abgewatscht wurde, weil diese dankenswerterweise schon aus der Aktenlage geschlossen hatte, dass es unseren Kindern ganz hervorragend geht (O-Ton: "Dem Kind ging es doch ohne Schule SOGAR BESSER!") und es offensichtlich einzig und allein um eine Machtdemonstration von seiten der Prusseliese ging. Da die Richterin sich nicht als Werkzeug für solcherlei Spielchen sah, war ihr Tonfall gegenüber der Prusseliese dann auch sehr deutlich. Das wäre sogar lustig gewesen, wenn es nicht um unsere Kinder gegangen wäre – da verstehen wir keinen Spaß.

Da die Prusseliese wirklich auf allen Kanälen versucht hat uns zu beweisen, dass sie irgendwie Einfluss auf unser Leben nehmen kann, kam dann noch das verwaltungsrechtliche Verfahren (Ordnungswidrigkeit wegen nichterfüllung der Schulbesuchspflicht), an dessen Ende wir das Bußgeld von 380 Euro bezahlt haben, da unser Anwalt lediglich eine Niederlegung – keinen Freispruch – hätte erwirken können und dann hätten wir die Anwaltskosten trotzdem tragen müssen, die höher wären als das Bußgeld. Also schrieb unser Anwalt der Rechtsabteilung: "Diese Bescheide sind rechtswidrig. Wenn meine Mandanten keine Einsprüche dagegen einlegen, dann erfolgt dies ausschließlich aus ökonomischen Erwägungen. Auch im Falle der Bestandskraft sitzen Sie (zwar formell, aber) nicht materiell im Recht."

Das waren also fünf echt anstrengende Monate mit unglaublich viel Papierkram, Arbeit, Kosten, Terminen, Telefonaten, Herzrasen, Unglauben, Wut und Zorn.

Das problem des Deutschen Jugendamtsaparates, welches auch auf Europaebene immer wieder kritisiert wird, ist, dass da schlecht qualifizierte Menschen zu viel Macht haben. Zwar gibt es quasi schützende Instanzen, die ja auch z. B. in Form der Familienrichterin, gut funktioniert haben. Aber wir haben trotzdem gerade ein halbes Jahr unseres Lebens verloren. Die Kinder haben wirklich gelitten. Wir haben natürlich so gut es ging den Druck von ihnen fern gehalten, aber die wissen ja eh wie es uns geht und müssen das mittragen.

Luzie sah das mal wieder eher pragmatisch: "Pelle! Das ist doch voll cool wenn Mama und Papa ins Gefängnis müssen. Dann können wir ALLES allein entscheiden. Wann wir ins Bett gehen, was wir essen... Das ist doch ganz großartig!"

Es gibt einige Erkenntnisse aus den letzten Monaten. Zum Beispiel, dass vom Gesetzgeber aus alle Tätigkeiten des Jugendamtes ANGEBOTE (es steht uns Familien absolut FREI diese anzunehmen oder abzulehnen!) an Familien sind. Das Sozialgesetzbuch VIII beschreibt die Aufgaben des Jugendamtes. Und bevor nicht ein Familiengericht beschlossen hat, dass in eine Familie eingegriffen werden muss (und in einem Verfahren dann dem Jugendamt Befugnisse erteilt), hat das Jugendamt ÜBERHAUPT KEINE Rechte. Deren Tonfall ist natürlich ein ganz anderer, und deren selbstverständnis beschämenderweise wahrscheinlich auch. Wenn ihr also mal mit solchen Menschen aneinander geratet und euch sicher seid, dass euch nichts vorzuwerfen ist, dürft ihr die einfach ignorieren. Wenn bei uns noch mal welche dieser Art auftauchen sollten, werde ich sofort die Polizei anrufen und denen sagen, dass ich gerade von Verrückten belästigt werde.

Ich will auch gar nicht alle Sachbearbeiter in einen Topf werfen. Wir haben ja auch schon welche kennengelernt, die wirklich schlau sind. Aber die Anzahl an Vollidioten und/oder Duckmäusern ("Ich verstehe ja wieso sie das getan haben und ich persönlich finde ihren Weg ja auch richtig, aber ich kann da wenig ausrichten") ist einfach zu groß.

Was leider bei all den negativen Begegnungen sehr aus dem Blick gerät, ist, dass wir auch unglaublich tolle Menschen getroffen haben. Unser Anwalt ist ein echter Zauberer, die Familienrichterin war großartig und einige Freunde und andere, uns vorher völlig fremde, Menschen haben ganz unfassbare selbstlose Hilfe geleistet.

Wir sind also mit einem tiefblauen Auge aus der Schlacht gekommen. Gemeinerweise ist Recht haben und Recht bekommen wirklich nicht das selbe. Und JA, wir sind sehr sehr froh in einem Land wie Deutschland zu leben, aber wenn einem dann immer wieder Menschen begegnen, die wegen der sehr kleinteiligen behördlichen Vorgaben, völlig die eigene Denkleistung aufgeben, ist das traurig.

Und eine weitere sehr bedrückende Erkenntnis bringen wir mit: Wir konnten uns wehren. Zum einen hatten wir den Hintergrund (Kenntnisse der Sachlage und Großeltern mit Geld) uns sofort den wirklich perfekten Anwalt leisten zu können, wir sind eine Vorzeigefamilie, Elvis und ich sind Profis im Präsentieren und Performen und wir sind geschickt darin mit Menschen umzugehen. Das sind die Gründe weshalb uns die letzten Monate nicht zerstört haben. Andere Familien oder Leute die nicht mit diesem oder ähnlichem Equipment ausgestattet sind, wären vielleicht kaputt gegangen. Das ist super traurig.

Wir danken Euch für die Mails in den letzten Monaten und die netten Nachfragen.

Sonntag, 4. Januar 2015

Waldorf [waldorf]

Wieso geht Luzie auf eine Waldorfschule? Weil es zu ihr und ihren Bedürfnissen passt.
Pelle wäre mit 7 Jahren absolut nicht glücklich geworden in einer Waldorfschule. Disziplin und Gruppengröße wären nicht geeignet gewesen. Bei Luzie ist das komplett anders. Die ist wie so eine kleine Studentin. Am Tisch sitzen, zu hören, nette vorgegebene Bastelsachen machen. Das macht ihr nichts aus. Und ich hab auch das Gefühl, dass es sie nicht verbiegt. Die ist so eigensinnig und stark. Sie hat oft so einen Blick der sagt "Ja gut, dann mache ich das jetzt eben so wie Du willst und nachher mache ich das dann eben noch mal so wie ich mir das vorstelle.".  Das war bei Pelle komplett anders. Dazu kommt, dass Luzie einen unfassbaren Output hat. Wenn ich einen Tag mit ihr allein verbringe bluten mir abends die Ohren. Die ganze Zeit teilt sie mit was sie denkt und wie sie die Welt sieht. Deshalb dachten wir, dass der Vormittag mit verschiedenen erwachsenen Ansprechpartnern und vielen vielen Klassenkameraden für sie sinnvoll wäre. Und bisher bestätigen sich all unsere Vorstellungen. Sie steigt morgens in den Schulbus und fängt an zu sabbeln. Wenn der Bus los fährt schafft sie es grad noch so uns zu winken, aber eigentlich ist sie zu beschäftigt mit dem sabbeln. Genauso beschäftigt sabbelnd purzelt sie dann mittags wieder aus dem Bus raus. Die Aufgaben und Tätigkeiten und Anleitungen der Waldorflehrer liebt sie. Schon seit sie auf der Welt ist fragt sie nach Aufgaben. Bevorzugt so Fleißgeschichten wie die ganze Küche wischen, alle Teller sortieren oder hundert Briefe frankieren.
Einige Lehrer und Mitschüler findet sie komplett bescheuert, kann uns das gut mitteilen und sich von denen abgrenzen.
Inhaltlich gibt es einige Sachen in der Waldorfpädagogik die unserem Bildungswunsch entsprechen. Verlässliche erwachsene Bezugspersonen. Acht Jahre lang hat die Klasse die ersten beiden Stunden des Vormittags den Klassenlehrer vor sich. Rituale und Zeremonien werden sehr herzlich und warm zelebriert. Ich persönlich mag die ganze Waldorfästhetik sehr.
Epochenunterricht. Also die Fächer Mathe, Deutsch, Geografie etc. werden in Epochen abgehalten. Immer ein paar Wochen am Stück ein Fach. Nicht fünf verschiedene Fächer an jedem Tag.
Keine Leistungsbewertung bis zur Oberstufe.

Das, was für die meisten der Hauptkritikpunkt an Waldorfschulen ist, ist einer unserer Wunschpunkte. Die Kinder werden zwar gefördert und gefordert, arbeiten sehr viel, halten Referate, führen viele Stücke auf etc., werden aber nicht bewertet. Da das in der Oberstufe fürs Abitur aber notwendig wird, gibt es dann ab der Oberstufe Zensuren, was bei vielen ein unsanftes Erwachen zur Folge hat. Vor allem für die Eltern. Das schreckt uns nicht. Lieber so wenig Leistungsbewertung wie möglich. Und wenn dann in der Oberstufe die Zensuren kommen, schauen wir wie die aussehen und was wir damit anfangen.

Dazu kommt dann noch, dass diese Waldorfschule gut zu uns passt. Es gibt sicherlich auch viele, die für uns nicht in Frage kommen würden. Aber diese ist eine ganz kleine schnuckelige Dorfwaldorfschule.

Natürlich gibt es auch an dieser Schule Punkte die uns nicht gefallen. Und es wird sich zeigen, ob die für Luzie und uns so ungemütlich werden, dass wir etwas anderes ausprobieren müssen. Wir werden sehen.

Und wenn Pelle den Platz dort, den er sich wünscht bekommt, müssen wir genauso beobachten wie es ihm geht und schauen, ob er da glücklich ist. Jetzt ist er zwölf, hat viele Jahre Zeit gehabt sich in seinem Tempo auf seine individuelle Art mit Dingen zu befassen. Er ist auf eine Art stabil und gefestigt. Und wenn seine Lehrer nicht möchten, dass er seine Comics in der Schule zeichnet kann er sicherlich gut damit umgehen und dann eben ausserhalb der Schule sein eigenes Zeug machen.

Die Grundvorraussetzung ist, dass wir frei sind zu entscheiden. Wenn einer leidet, ändern wir etwas. Das ist ein Luxus. Ich weiß.

Freitag, 2. Januar 2015

Schon wieder [igen]

Ich hab es mir ja gewünscht (das mit dem turbulenten Jahr). Aber, dass das Jahr so los geht... bzw. das letzte zu Ende... Dieser Brief kam vorgestern. Sylvester. Wäre ich Leiterin der Jugend- und Familienbehörde würde ich meinen Mitarbeitern untersagen im Dezember solche Briefe zu verschicken. Natürlich muss man sofort handeln wenn Gefahr im Verzug ist, aber alle anderen familienbelastenden Themen kann man doch wohl auch ein paar Tage nach Weihnachten und Sylvester los schicken, oder?

Ja, den Schreibfehler hab ich auch bemerkt... die Gute war wohl auch nur kurz zwischen den Tagen im Büro und nicht ganz bei der Sache...






















Jetzt darf ich wieder alle tollen Dokumente zusammen sammeln, die unser reichhaltiges Bildungsleben belegen. Was für ein überflüssiger Blödsinn.

Ich habe der Dame geschrieben, dass sie sich vielleicht erst mal an die Kollegin die im Sommer hier war wendet und damit ein Besuch eventuell überflüssig wird. Das Dumme ist nämlich, wenn so ein "Besuch" mit dem Ergebnis "Anzeige war grundlos, den Kindern geht es hervorragend" endet, wird aus gutem Grund keine Akte über die Familie angelegt. Das allerdings führt auch dazu, dass beim nächsten Anruf alles noch mal von vorn beginnt. Statt, dass die Damen und Herren eine Akte finden in der steht, dass es der Familie gut geht und dass es sich bei den Anrufern um Idioten handelt, die einfach doof sind und Langeweile haben... Wir bekommen jetzt wahrscheinlich alle sechs Monate Besuch, so lange bis wir alle Mitarbeiter der Behörde hier hatten und jeder beim nächsten anonymen Anruf direkt sagen kann "Nee, die Familie kenn ich, denen geht es super!".

Na denn...

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Entscheidungen [afgørelser]

Es kann so leicht sein. Vor drei Tagen habe ich folgende Entscheidung getroffen: ich reite nicht wenn das Wetter mies ist. Das klingt winzig, ist aber eine wirklich große Erleichterung. Als Kind und Jugendliche hatte ich eine Reitbeteiligung. Da zahlt man Geld an den Ponybesitzer und darf dafür an bestimmten Tagen das Pferd pflegen. Ich hatte also ein Teilzeitpony für Mittwochs und Freitags. Das Pony stand in einem Offenstall und es ging an den Tagen ums Reiten, nicht um die grundsätzliche Versorgung des Tieres. Wir bezahlten für die zwei Tage und deshalb musste ich auch möglichst immer an meinen zwei Tagen dort hin. Das ging nicht wirklich von meinen Eltern aus. Eher von allen Menschen um mich herum. Und von mir selbst. Es wird einfach so erwartet. Das ist wohl der latent spürbare Erziehungsauftrag der Erwachsenen. Jugendliche müssen dazu angehalten werden ihre angenommenen Verpflichtungen auch einzuhalten. Dabei geht leider manchmal das Prinzip mit den Leuten durch und es wird ungemütlich. Vielleicht gibt es ja Reitbeteiligungsmädchen denen es Spaß macht, bei Scheißwetter im Stall rum zu hängen. Mit eingefrorenen Knien und blaukalten Zehen durch den Wald zu trotten. Das Pony putzen mit durchnässten Handschuhen und vermatschte Hufe sauber machen. Ich hasse das. Ich habs damals nicht gemocht und ich finde es jetzt wirklich kacke.
Und trotzdem bin ich vor zwei Wochen mit Luzie ausgeritten. Sie hat nach der hälfte des Weges angefangen einzufrieren (da man sich auf dem Pony so wenig bewegt wird es echt schnell kalt) und ich habe sie mit pädagogisch wertvollen Motivationssprüchen versucht zum Durchhalten zu bringen. Wir mussten dann umdrehen, weil es auch noch anfing zu nieseln. Letzte Woche sind wir wegen dem Weihnachtskram nicht ausgeritten aber in meinem inneren Terminkalender leuchtete die Schrift rot auf: "Solche Ausnahmen gibt es aber bitte nicht oft! Wir werden brav die nächsten Wochenenden weiter ausreiten, egal wie schlecht das Wetter ist!"
Aber wieso? Das ist doch echter Quatsch. Wir haben eigene Ponys um frei zu sein. Und dann gängeln wir uns selber. Bei einer Reitbeteiligung macht es noch ein bisschen Sinn die Tage für die man bezahlt auch zu nutzen. Aber auch da würde ich heute sagen: tu das, was Dir gut tut. Da gibt es natürlich noch das Tierwohl. Klar. Und ich hätte meine befreiende Entscheidung auch gar nicht treffen können, wenn Birger Gieseke (mein Reitausbilder) nicht im Mai eine wirklich wichtige Sache gesagt hätte. Er hat uns geraten unsere Jungpferde nach dem Lehrgang noch ein paar Wochen weiter zu trainieren, im Sommer auf die Weide zu stellen und in Ruhe zu lassen, dann noch mal im Herbst trainieren und sie dann den ganzen Winter über einfach Pferd im Herdenverband sein lassen sollen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es den Ponys gut tut, solche Pausen zu bekommen. Trotzdem hat mein innerer Oberlehrer mich dazu gemahnt regelmäßig mit den Ponys zu arbeiten und ich hatte ein sauschlechtes Gewissen, wenn ich es nicht gemacht habe. Und ich wollte Luzie erzählen, dass es aber dazu gehört wenn man ein Pony haben will. Blödsinn.
Also es ist schlau ab und an unsere gefühlten Verpflichtungen zu überprüfen, ob es eventuell keine echten sinnvolle Verpflichtungen sondern nur Weil-das-eben-so-ist-Dinger sind.

Und weil es eben völlig okay ist und auch viel gemütlicher für Alle, bleiben die Ponys wo sie sind so lange das Wetter doof ist.