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Dienstag, 27. Oktober 2015

Schafe [får]

Nachgereicht. Molly beschnuppert den Bock. Wir haben Molly und Polly in den VW-Bus hüpfen lassen, sind zur Weide gefahren, die beiden sind ausgestiegen und haben ihre neuen Freunde begrüsst.  Jetzt müssen da nur noch kleine Lämmchen raus kommen.

Die beiden bleiben jetzt mindestens ein Jahr dort. Das ist schon komisch. Die gehören eigentlich zu unserem Haus. Jetzt müssen wir wohl allen ernstes einen Rasenmäher besorgen. Oder aber, wir kaufen im Mai, wenn wir Mädels für einen ganz langen Sommer aus Südeuropa zurück kommen, noch andere Schafe. Zum Beispiel Wensleydale Longwool. Die Züchterin von Molly und Polly hat die auch: Holsteiner Schafe.



Montag, 19. Oktober 2015

Waschbären [vaskebjørne]

Das sind Waschbärenspuren (oder?). Es gibt hier Waschbären. Der Schrecken aller Kleinviehhalter.

Für die Aussenställe gibt es immer den Ratschlag: abends alles zu machen, damit der Fuchs nicht kommt und sich etwas holt. Die Ställe dürfen kein Loch haben, welches größer als ein Fünfmarkstück ist, da sonst der Marder (Iltis, Wiesel) durch passt. Das gemeine an denen ist, dass die in den Stall gehen, alles abmurksen was dort ist und sich dann ein (Huhn, Kaninchen, wasauchimmer) mitnehmen. Die Idee ist, sich dann in den folgenden Nächten immer wieder eines von den vorbereiteten Tieren abzuholen. Da die Menschen aber natürlich das Ergebnis des Massakers beseitigen, geht der Plan meist nicht auf. Also: der Fuchs holt sich also in der Dämmerung eines der Tiere von der Wiese, das Wiesel macht nachts alle Anwesenden im Stall tot und der Waschbär....?

Tja, gegen den Waschbären kann man wenig tun, denn der geht zum Stall und bastelt einfach die Rückwand ab und nimmt sich was er haben möchte. Die sind sehr geschickt darin von Menschen gebaute Dinge auf zu machen. Und sie sind stark.

In einem Nachbarhof lebt eine Gruppe auf dem Dachboden. Wenn die Besitzerin die Luke zum Dachboden aus versehen zu macht, gehen die Waschbären einfach in die Küche und warten dort so lange bis sie wieder nach oben gelassen werden. Ich hab jetzt schon ein paar mal welche an dem großen Fluss beobachtet. Spuren finden wir jetzt auch immer öfter. Elvis sieht ab und an abends an den Strassen welche.

Freitag, 31. Juli 2015

Outdoor College [udendørs kollegium]











Falls Ihr zufällig 14.000 Euro übrig habt und ein Kind, welches gerne zu Anfang der 9. Schulklasse für sieben Monate ins Outdoor College nach Norwegen gehen möchte - hier entlang: Outdoor College.

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Entscheidungen [afgørelser]

Es kann so leicht sein. Vor drei Tagen habe ich folgende Entscheidung getroffen: ich reite nicht wenn das Wetter mies ist. Das klingt winzig, ist aber eine wirklich große Erleichterung. Als Kind und Jugendliche hatte ich eine Reitbeteiligung. Da zahlt man Geld an den Ponybesitzer und darf dafür an bestimmten Tagen das Pferd pflegen. Ich hatte also ein Teilzeitpony für Mittwochs und Freitags. Das Pony stand in einem Offenstall und es ging an den Tagen ums Reiten, nicht um die grundsätzliche Versorgung des Tieres. Wir bezahlten für die zwei Tage und deshalb musste ich auch möglichst immer an meinen zwei Tagen dort hin. Das ging nicht wirklich von meinen Eltern aus. Eher von allen Menschen um mich herum. Und von mir selbst. Es wird einfach so erwartet. Das ist wohl der latent spürbare Erziehungsauftrag der Erwachsenen. Jugendliche müssen dazu angehalten werden ihre angenommenen Verpflichtungen auch einzuhalten. Dabei geht leider manchmal das Prinzip mit den Leuten durch und es wird ungemütlich. Vielleicht gibt es ja Reitbeteiligungsmädchen denen es Spaß macht, bei Scheißwetter im Stall rum zu hängen. Mit eingefrorenen Knien und blaukalten Zehen durch den Wald zu trotten. Das Pony putzen mit durchnässten Handschuhen und vermatschte Hufe sauber machen. Ich hasse das. Ich habs damals nicht gemocht und ich finde es jetzt wirklich kacke.
Und trotzdem bin ich vor zwei Wochen mit Luzie ausgeritten. Sie hat nach der hälfte des Weges angefangen einzufrieren (da man sich auf dem Pony so wenig bewegt wird es echt schnell kalt) und ich habe sie mit pädagogisch wertvollen Motivationssprüchen versucht zum Durchhalten zu bringen. Wir mussten dann umdrehen, weil es auch noch anfing zu nieseln. Letzte Woche sind wir wegen dem Weihnachtskram nicht ausgeritten aber in meinem inneren Terminkalender leuchtete die Schrift rot auf: "Solche Ausnahmen gibt es aber bitte nicht oft! Wir werden brav die nächsten Wochenenden weiter ausreiten, egal wie schlecht das Wetter ist!"
Aber wieso? Das ist doch echter Quatsch. Wir haben eigene Ponys um frei zu sein. Und dann gängeln wir uns selber. Bei einer Reitbeteiligung macht es noch ein bisschen Sinn die Tage für die man bezahlt auch zu nutzen. Aber auch da würde ich heute sagen: tu das, was Dir gut tut. Da gibt es natürlich noch das Tierwohl. Klar. Und ich hätte meine befreiende Entscheidung auch gar nicht treffen können, wenn Birger Gieseke (mein Reitausbilder) nicht im Mai eine wirklich wichtige Sache gesagt hätte. Er hat uns geraten unsere Jungpferde nach dem Lehrgang noch ein paar Wochen weiter zu trainieren, im Sommer auf die Weide zu stellen und in Ruhe zu lassen, dann noch mal im Herbst trainieren und sie dann den ganzen Winter über einfach Pferd im Herdenverband sein lassen sollen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es den Ponys gut tut, solche Pausen zu bekommen. Trotzdem hat mein innerer Oberlehrer mich dazu gemahnt regelmäßig mit den Ponys zu arbeiten und ich hatte ein sauschlechtes Gewissen, wenn ich es nicht gemacht habe. Und ich wollte Luzie erzählen, dass es aber dazu gehört wenn man ein Pony haben will. Blödsinn.
Also es ist schlau ab und an unsere gefühlten Verpflichtungen zu überprüfen, ob es eventuell keine echten sinnvolle Verpflichtungen sondern nur Weil-das-eben-so-ist-Dinger sind.

Und weil es eben völlig okay ist und auch viel gemütlicher für Alle, bleiben die Ponys wo sie sind so lange das Wetter doof ist.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Guter Zeitpunkt [god tidspunkt]

Wir wurden angezeigt. Das Jugendamt stand unangekündigt vor der Tür und erbat Einlass. Jemand macht sich sorgen um unsere Kinder und hat dem Jugendamt berichtet, dass zwei unserer drei Kinder anscheinend keine Schule besuchen.

Wir waren gerade dabei die Pferde zu satteln, weil wir mit Mina (die mit ihren zwei Ponys von hier bis an die Ostsee wandert) eine Tagesstrecke mit wandern wollten. 



Die Frau vom Jugendamt stellte sich kurz vor und erzählte eben, dass wir angezeigt wurden und sie den Auftrag hat uns und die Kinder anzuschauen und zu überprüfen.

Der Moment war wirklich genau richtig. Luzies Schulunterlagen liegen hier und für Pelle haben wir ja auch schon einen Antrag abgegeben. Deshalb konnte ich auch fast ganz ehrlich und sehr überzeugend alles aufklären. Ich hab ihr auch erzählt, dass wir ja schon komisch beäugt werden, weil unsere Kinder auf eine Schule gehen in der es keine Zensuren gibt. Das finden die meisten Dorfbewohner hier wirklich fragwürdig.


Die Frau war dann dank meiner kurzen Erklärung und meines so offenen sympathischen Auftretens erleichtert und beruhigt (hat sie so gesagt). 


Auch weil Luzie, noch bevor ich irgendwas erklären konnte, dazu kam. Die Frau sagte: "Und Du bist Luzie? Und Du bist sieben Jahre alt?". 

Luzie erwiderte: "Nein, ich bin sechs" und die Frau meinte: "Dann muss sie ja noch gar nicht in eine Schule!?". 

Ich hab ihr kurz erklärt, dass Luzie ganz regulär in diesem Sommer eingeschult wird (und wir uns natürlich riesig freuen) und dass Pelles Schulsituation etwas komplizierter ist, wir aber hoffen, dass er zum Sommer hin auch einen Platz an der Waldorfschule bekommt. Sie wollte dann auch gar nicht mehr rein kommen, aber ich habe sie eingeladen trotzdem am nächsten Tag auf einen Kaffee vorbei zu kommen und sich auch von Pelles Lernstand zu überzeugen. Dann habe ich ihr noch erzählt wer ich bin und kurz meine beruflichen Ansichten geschildert. 


Das Ergebnis nach dem Kaffeetrinken: sie findet uns total toll.


Sie kam, hat sich sehr über den Kardamomespresso-Milchkaffee-mit-Hafermilch gefreut, hat als erstes gefragt, ob ich zufällig Fachliteratur zum Thema Autismus da hätte, die ich ihr leihen könnte und hat sich dann gesetzt und fast zwei Stunden mit uns geplaudert. Und es war ein lustiger Mischmasch aus, eben die Fakten wegen der Kindeswohlsachen abzuklären und einem Kolleginnengespräch. Wir haben gefachsimpelt und sie hat mir die Strukturen der Jugendarbeit hier erklärt und erzählt, dass in der nächst größeren Stadt die Stelle einer Psychologin frei sei, die ich direkt antreten könnte. 


Sie ist gegangen mit der Zuversicht, dass wir irgendwann im selben Bereich arbeitet und sie sich sehr darauf freut, dass sie dem Jugendamt mitteilt, dass hier alles ganz wundervoll für die Kinder ist und zwei Bücher hat sie sich ausgeliehen "Buntschatten und Fledermäuse" und den Teacch-Ansatz für Autismus. Sie möchte gerne bald wieder mal vorbei kommen, ist ganz begeistert über den neuen Kontakt den sie auf diesem Weg gefunden hat. Mit Luzies Schulsituation ist ja alles sauber und Pelles Sache hat sie irgendwie nicht wirklich interessiert. "Sie kümmern sich ja ganz hervorragen darum, da mache ich mir gar keine Sorgen, dass sie den richtige Weg für ihn finden".


Kann natürlich sein, dass die Leute im Jugendamt die offiziellen Dinge noch erledigen, das Schulamt informieren und wir ärger bekommen und zu Handlungen genötigt werden, weil Pelle jetzt im Moment ja auch eine Schule besuchen müsste. Mal sehen...


Ich hatte ihr einen Stapel Material zusammen gestellt: Pelles und Luzies Zeugnisse, die Portfolios, eine Liste mit Leumundszeugen (die tatsächlich sehr beeindruckend war), einen durchschnittlichen Wochenplan der beiden, einen Zettel mit drei B Plänen, was wir machen wenn Pelle keinen Platz bekommen sollte, dann meine Flyer, Visitenkarte etc.

Pelle, Luzie und Minimum wuselten hier die ganze Zeit rum, irgendwann setzte Pelle sich mit Minimum ans Klavier und spielte Für Elise und die gute Frau schmolz dahin ;)
Luzie hat ihr von der Pferdewanderung berichtet und sie meinte gleich "dabei hat Luzie sicherlich viel viel mehr gelernt, als wenn sie statt dessen vier Stunden in einem Kindergarten verbracht hätte" ;)...


Die Bücher zum Thema Autismus: 

Buntschatten und Fledermäuse: Mein Leben in einer anderen Welt und 
Der TEACCH Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus. Wenn man mit Menschen mit Autismus arbeitet sind diese beiden Bücher wirklich gut. Das Buntschattenbuch ist von Axel Brauns. Und er erklärt wirklich sehr sehr anschaulich wie seine Welt funktioniert. Durch seine Beschreibungen habe ich viel gelernt. Und der TEACCH-Ansatz ist eben sehr praktisches Zeug für die Arbeit und die Gestaltung des Lebensumfeldes für Menschen mit Autismus.

Und weil Blogbeiträge ohne Foto langweilig sind hier ein völlig zusammenhangfreies Foto von Pelle mit der Schlange von letzter Woche.



Sonntag, 16. Februar 2014

Landleben [landlivet]

Schatz sie spielen unser Lied.
Kürzlich kam im Autoradio dieses Lied von Götz Rausch. Ich musste die ganze Zeit lächeln. In der Radioversion hörte es sich noch wie "ich finde Schraubnägel und Dreck in meinen Taschen..." an. Kurz zuvor hatte Elvis den Kindern etwas über Schraubnägel erzählen wollen, aber die waren schon voll informiert, weil es wohl bei Wissen macht Ah! etwas darüber zu hören gab.
Ausserdem kann ich die Nächte in denen ich in Arbeitsklamotten geschlafen habe nicht mehr zählen. Der Plan ist jedes Mal, nachdem die Kinder eingeschlafen sind, wieder aufzustehen und mich selber noch bettfertig zu machen. Irgendwann mitten in der Nacht werde ich dann auf dem Bett wach, bin aber zu erledigt um mich noch umzuziehen und decke mich einfach so wie ich bin, mit all dem Staub und Dreck, zu. Schafe haben wir auch und nach einem passenden Trecker schauen wir. Und das Buch.  Das hab ich dann erst zuHause in dem Video gesehen, als ich Elvis meinen Fund zeigen wollte. Das Buch haben wir natürlich auch im Regal.

Ich hätte das Lied hier gar nicht thematisiert, wenn ich nicht in letzter Zeit so viele Blogs von Mädchen gefunden hätte, die auch mit ihren Kindern auf dem Land leben. Vielleicht hilft das Lied ja der ein oder anderen auch durch den mühseligen Alltag...









Montag, 13. Januar 2014

Hofleben [bondegård]

Minimum im Hof. Den Hühnern hinterher. Meist ist es nass draussen. Aber warm. Drinnen tun wir Dinge und trinken Tee. Ich schaue Tatorte im Internet und koche. Pelle wird größer. Körperlich verändert sich grad ganz viel, was jeden Tag aufs neue besprochen werden will. Passend dazu beginnt er jetzt auch ausführlich und lang mit Kumpels zu telefonieren. Er hat das Telefon am Ohr während er Minecraft spielt. Luzie spielt auch sehr ausgiebig Minecraft. Schon nach kurzem haben beide angefangen aus den Materialien riesige Statuen in die Minecraftwelt zu bauen. Pelle hat z.B. einen riesigen Menschen gebaut, in den man hinein gehen konnte, der ein Wasserglas in der Hand hatte, welches aber gerade auskippte und da floß andauernd Wasser raus... Quasi ein Minecraft-Zimmerbrunnen. Luzie rief irgendwann "ich hab Winsen Luhe gebaut!" ich hab gedacht "Bitte was?!?" und bin schauen gegangen. Sie hatte ein Schwimmbad gebaut. Wir waren vor einiger Zeit öfter bei Freilernerfreunden in Winsen Luhe und sind dort auch immer mit denen schwimmen gegangen.






Donnerstag, 5. Dezember 2013

Sturm [storm]


Die Profis zeigen was zu tun ist. Po gegen den Wind und schlafen. Das kleine Pony war auch nur wegen dem Heu im Unterstand und kam nach dem Futtern raus und hat sich neben die beiden großen gestellt. Der rote Heusack zeigt die Windstärke an.

Sturm kommt auf [storm kommer op]

Es geht los. Wir sind bereit. Alle Tiere sind am Haus, alle Schubkarren liegen bäuchlings auf der Wiese. Der riesige wacklige Baum wurde im letzten Jahr gefällt. Das wäre unser einziger Schwachpunkt gewesen. Da es gerade erst langsam los geht, konnten wir sogar noch in Ruhe die Hauskoppel sauber machen und Heu verteilen.

























Jetzt schläft Minimum, ich trinke grünen Lemongrastee, Pelle bastelt Waldelfen zusammen und Luzie liegt in den großen Hund gekuschelt in der Speisekammer und futtert Mandarinen, was ein wenig ärgerlich ist, da ich gerne zum Tee noch Schokolade hätte. Die liegt aber im Geheimversteck in der Speisekammer und da kann ich nicht dran so lange Luzie da rumlümmelt. Vorhin haben die beiden die Bibliothek aufgeräumt, weil dort morgen früh die Nikolausstiefel stehen sollen.
Draussen pustet es.

Montag, 14. Oktober 2013

Bilderbuchpferd [billedboghest]


Wir hatten konkrete Vorgaben. Und haben etwas passendes gefunden. Das neue Pferd(chen) im Stall.

















Sonntag, 13. Oktober 2013

Wilde Gänse [vild gås]

Badespaß im Garten. Wir saßen im Gartenbett und wurden nass gespritzt von Ida und Johan. Die verbringen viel Zeit in ihrer Badewanne. So bald sie uns, wie die Schafe folgen, wollen wir mit denen im großen See um die Ecke baden gehen.




Donnerstag, 10. Oktober 2013

Luzies Trick [luzies rap]

Luzie kam kürzlich von draussen herein und berichtete begeistert, dass sie einen Trick erfunden hat. Sie hat herausgefunden, dass Hund (unsere Katze) zu ihr auf den Bauch klettert, wenn sie sich flach auf den Boden legt. Ich hatte sie eine halbe Stunde vorher durchs Fenster der Speisekammer gesehen. Da lag sie gerade neben der Ponykoppel im Gras. Ich hab kurz gewartet, ob sie sich noch bewegt und während ich auf ein erlösendes Lebenszeichen wartetet überlegt wie ein Ponyunfall wohl aussehen könnte bei dem Luzie in dieser merkwürdigen Position neben der Koppel landen würde.


Donnerstag, 19. September 2013

Ida & Johan [Ida & Johan]







































Die neuen Mitbewohner kommen mit einer echt traurigen Vergangenheit. Und ich hab da wohl Mist gebaut. Ich hätte sie klaren Kopfes einfach bei dem Züchter lassen sollen. Damit er merkt, dass es nicht gut ist, so etwas zu tun und dass er keinen findet der ihm dann seine Schandtaten abnimmt. Aber ich war nicht klaren Kopfes. Ich hab die hübschen Tiere gesehen und mitgenommen. Das sind also Ida und Johan. Zwei Graugänse. Die erste menschliche Gemeinheit gab es, da waren die beiden noch im Ei. Die lagen nämlich unglücklicherweise in einem Nest auf einem Golfplatz. Die Golfer wollen keine Graugansmama mit Gösseln auf ihrem Platz, deshalb räumen sie die Nester jedes Jahr kurz vor dem Schlupf aus. Diese Eier hat dann der Züchter in die Hand bekommen und im Brutkasten zu ende ausgebrütet. Und dann hat er, damit die Gänse nicht wegfliegen, ihnen die Flügel kupiert. Sie werden also niemals fliegen können. Als wir die beiden hier auf die Wiese gesetzt haben wurde mir ganz flau. Niemals in den Süden fliegen...
Allerdings hat sich das später etwas relativiert. Die in Mitteleuropa geborenen Graugänse sind nämlich gar keine Zugvögel sondern Standvögel. Und auch meine Annahme, dass die Hausgänse sich mit ihrem Flugunfähigkeitsschicksal gut anfreunden stimmte nicht. Denn auch die dicken Hausgänse einer Freundin versuchen es jedes Jahr wieder. Sie gehen auf die Strasse und rennen und rennen und rennen – aber sie heben nicht ab. Geht nicht. Und trotzdem versuchen sie es jedes Jahr wieder.
 Und jetzt, nach ein paar Wochen, haben sich Johan und Ida auch an uns gewöhnt. Handzahm sind sie quasi am nächsten Tag schon gewesen und jetzt gehen sie auch nicht mehr weg wenn das Hoftor offen steht.






Mittwoch, 19. Juni 2013

Haus am See [hus ved søen]

Jetzt kommen die Mücken. Rund ums Haus siehts grad so, wie auf dem Foto aus. Wir haben jetzt ein Haus am See. Und heute Nacht hat sich der erste Wasserfrosch eingefunden. Der ist laut. Sehr laut. Wir haben Mückennetze über den Betten, aber die Mücken sind jetzt auch bei Tage hier. Also müssen wir jetzt die ganze Zeit im Bett bleiben. Grad setzt sich beim Schreiben eine Mücke auf meine Hand... Vielleicht verreisen wir jetzt schnell. Die Schafe haben jetzt wieder Strom. Die letzten Tage haben die überhaupt nicht mehr eingesehen, warum sie sich von einem Netz das nicht beisst abhalten lassen sollten im Kräutergarten zu plündern. Also haben wir von unserem privaten Hochwasserhilfefond ein weiteres mobiles Stromgerät gekauft. Das andere wird bei den Ponys gebraucht. Die stehen auf einem kleinen Hügel bei den Nachbarn und bekommen dort keine nassen Füße.


Dienstag, 4. Juni 2013

Das Wasser kommt [vandet kommer]

BANGE MACHEN GILT NICHT!
Ich habe heute erfahren, dass das Hochwasser uns auch erreichen wird. Und noch wesentlich höher steigen wird als vor zwei (oder sind es schon drei) Jahren. Unser Haus wird trocken bleiben (denke ich). Allerdings wird unser gesamtes Grundstück unter Wasser stehen. Jetzt müssen wir die Tiere evakuieren. Und ich muss alle Pflanzen im Kräutergarten wieder ausbuddeln. Nur den gepflanzten Apfelbaum bekommen wir wohl nicht mehr heil aus der Erde.

Es wird spannend werden. Die Deiche sind hier 8 Meter hoch. Und es ist ein Pegelstand von 7.90 Meter vorausgesagt. Das Hochwasser selbst ist für uns kein Problem, so lange der Deich hält. Unser Haus steht direkt vor dem Deich. Unser Problem ist das Qualmwasser. Wenn das Hochwasser auf der einen Seite des Deiches steht, drückt es auf der anderen Seite das Grundwasser nach oben. Dann sprudelt es hier einfach aus dem Boden heraus.

Wir haben viele Hilfsangebote unsere Tiere unter zu stellen. Das Wasser wird unsere Wiesen mindestens 6 Wochen fluten.

Für uns sind das relativ winzige Probleme. Unsere Voltigierlehrerin trifft es zum Beispiel härter. Ihre Familie hat einen landwirtschaftlichen Hof. Ihnen wurde jetzt mitgeteilt, dass die bestellten Felder nächste Woche geflutet werden. Man flutet hier absichtlich große Flächen (Polder) um den Fluss zu entlasten. Jetzt können sie die Mais- und Rapsfelder höchstens noch schnell Häkseln und das Zeug dann an eine Biogasanlage verkaufen. Die Kartoffelfelder sind dagegen hoffnungslos verloren. Und allen anderen Landwirten geht es ähnlich.

Dagegen sind unsere Probleme nur Kosmetik. Trotzdem bin ich in einem Schockzustand und muss jetzt schnell alle Tiere und Pflanzen gut unterbringen. Einen Pferdeanhänger leihen, Heu besorgen (eigentlich stehen die Schafe auf der Wiese und füllen sich den Bauch mit grünem Gras, wenn wir die Schafe am Hof behalten und in unseren Innenhof umsiedeln, müssen sie Heu fressen). Mir schwirrt der Kopf...

aber: BANGE MACHEN GILT NICHT!

Hier sind Bilder vom Januar 2011. Da hatten wir nur ein Pony, welches eigentlich mit den zehn Nachbarponys auf einer Wiese lebte. Die Nachbarponys wurden damals sehr weit weg evakuiert. Das war uns unheimlich also haben wir uns entschieden, das dicke Pony mit den Schafen zusammen in den Innenhof zu stellen. Da dachten wir allerdings auch noch, dass so ein Hochwasser ja nach ungefähr zwei Wochen wieder weg ist. Dass es aber eher 6 Wochen dauert bis das Wasser wieder geht, hatte uns niemand gesagt.




Das wo der zottelige Hund im Wasser steht ist im Moment noch die Ponykoppel.


Sonntag, 19. Mai 2013

Der Hahn ist tot [hanekylling er død]


Wir haben Hühner. Eine spezielle Rasse: Brahmas. Oder auch Elvishühner oder Punkhühner. Die haben nämlich Schlaghosen an. Eigentlich sollen die nicht nur Eier abgeben, sondern auch Fleisch. Die Hühner leben jetzt seit drei Jahren hier und irgendwie musste noch keines geschlachtet werden. Aber wenn keines geschlachtet wird, gibt es auch kein Fleisch. Also kaufen wir für die Hühnersuppe und die Hühnchenschenkel in Weißweinsoße tote Hühner vom Bauckhof. Auf dem Lüthjenhof von Daria leben einige unserer ehemaligen Küken und deren Nachkommen. Die sollen dort auch Eier und Fleisch beisteuern. Und jetzt hat Daria zum ersten Mal einen der Hähne geschlachtet. Ich wollte wissen wie es war und sie hat es mir geschrieben. Und weil mir ihr Bericht so unter die Haut gegangen ist, habe ich sie gefragt ob ich den hier veröffentlichen darf. Darf ich. Danke Daria.

Daria hat das Wort:

Gestern hab ich zum ersten mal einen Hahn geschlachtet.

Es war durchwachsen. Ganz komisch.
Ich hatte zittrige Knie. Es hat in strömen geregnet und gewittert. Ich hatte vorher alle Kinder ins Bett gebracht und erst dann Zeit. Der Lüthjenhofpapa war nicht da.
Ausgestattet mit lauter Theorie im Kopf... und dann war doch alles anders.

Ich hab ihn betäubt mit einem Schlag auf den Kopf, damit er bewusstlos ist und nicht mitbekommt, dass er sterben wird. Nicht so viel Adrenalin und so. Da war ich aber zu zaghaft zuerst und er war nicht sofort bewusstlos. Dann aber schon, und dann musste ich diesen Kopf abkriegen - und da hab ich richtig gezittert! Aber es gab ja nun auch kein zurück mehr... 
Ich hab ein kleines Küchenbeil und ein scharfes Messer (dachte ich...) gehabt. 
So, überall steht "mit einem gezielten Schlag den Kopf abtrennen". Jaja... vergiss es, der ist sooo fest dran, dass ich echt oft ansetzen musste. Zwischendurch dachte ich, ich sollte halt lieber das Messer nehmen. Das ging aber auch nicht viel besser.
Irgendwann hab ich aber doch die Arterie getroffen und konnte ihn ausbluten lassen. Zum Glück, ich war wirklich erleichtert.

Und dann das Rupfen. Das ist eigentlich leicht, aber viel Arbeit. Und die großen, dicken Kiele gehen schwer raus. Irgendwann hab ich mich dazu entschieden, die Haut mit abzuziehen weil ich ihn eh nicht als Brathähnchen machen wollte sondern schön in Stückchen zur Suppe. Ich glaube, so in Hähnchen-Form hätte ich das noch nicht essen können.
Die Haut abziehen ist aber auch nicht so leicht. Man muss zwischen Muskel/Fettgewebe und Haut immer diese Zwischenhaut, die Faszie durchschneiden. Sitzt fest, ist gut verbunden und um Gelenke drumrum geht's gar nicht gut.
Und dann noch die Innereien. Man muss oben am Hals die Speiseröhre finden und rauszupfen. Und dann von hinten und über einen kleinen Schnitt in der Bauchdecke quasi ausräumen. Geht aber, wenn man eine ungefähre Vorstellung davon hat, wie die Organe aussehen.

Tja, und dann hat er gekocht... und gerade hab ich ihn zerlegt, die Suppe in Gläser gefüllt und mal ein bisschen Fleisch probiert. Schmeckt irgendwie ganz schön mager und trocken - ich hab sie definitiv nicht gemästet ;)

Ich glaub, ich mag die doch lieber verkaufen statt schlachten. Aber wenn es sein müsste, würde ich es wohl nochmal machen. Und dann läuft es hoffentlich etwas besser. Mit einem größeren (schwereren) Beil und einem wirklich scharfen Messer.

Auf jeden Fall würde ich es als echt existentielle Erfahrung beschreiben. Es ist schwer, richtig schwer, bewusst und absichtlich zu töten. So von Hand und ganz direkt. Nix mit Gas betäuben oder Sromschlag und tot und so. Nichts indirektes, distanzierendes - nein, alles selbst, direkt, du selbst und deine Hand. Das ist echt nicht leicht. Und vor allem, es dann auch durchzuziehen. Man muss währenddessen verstehen, dass weniger nicht mehr ist und dass man dem Tier keinen Gefallen damit tut, vorsichtig zu sein sondern bitteschön schnell, gezielt und nachhaltig. Aber das ist eben nicht so leicht...

Ich fand es wichtig, als Fleischesser und als Hühnerhalter. Es gehört zur Hühnerhaltung dazu, weil es immer sein kann, dass man sie nicht verkauft kriegt. Bei den Brahmas zwar noch seltener als bei normalen Hühnern. Es schärft, ändert wirklich die Sicht auf das Tier, auf den Fleischkonsum und die Wertschätzung dafür. Das ist echt Arbeit, körperlich. 
Ist ja auch kein kleines Zwergseidenhühnchen sondern ein 5-Kilo-Ding. Da ist es schon ein Problem, wie man die Krallen/Füße abkriegt. Da könnte man gut eine Knochensäge gebrauchen. Ich hab das z. B. mit einer Geflügelschere gemacht. Aber das ist auch total schwer, weil das Vieh ja auch noch nicht gekocht war, ich war durchgeschwitzt nach der Prozedur und hab mich ganz gründlich geduscht, auch seelisch.

Morgen muss ich diese Suppe essen... Die Kinder sind da ja total pragmatisch, wie immer. Der Hahn hat Streit mit den anderen gemacht also wird er geschlachtet und schenkt uns sein Fleisch - nett von ihm, "tust du auch Nudeln in die Suppe, mama?"

ja, gern ;-)




In Ermangelung aktueller Fotos seht ihr hier Luzie vor zwei Jahren mit unserer Hühnersippe.