
Die neuen Mitbewohner kommen mit einer echt traurigen Vergangenheit. Und ich hab da wohl Mist gebaut. Ich hätte sie klaren Kopfes einfach bei dem Züchter lassen sollen. Damit er merkt, dass es nicht gut ist, so etwas zu tun und dass er keinen findet der ihm dann seine Schandtaten abnimmt. Aber ich war nicht klaren Kopfes. Ich hab die hübschen Tiere gesehen und mitgenommen. Das sind also Ida und Johan. Zwei Graugänse. Die erste menschliche Gemeinheit gab es, da waren die beiden noch im Ei. Die lagen nämlich unglücklicherweise in einem Nest auf einem Golfplatz. Die Golfer wollen keine Graugansmama mit Gösseln auf ihrem Platz, deshalb räumen sie die Nester jedes Jahr kurz vor dem Schlupf aus. Diese Eier hat dann der Züchter in die Hand bekommen und im Brutkasten zu ende ausgebrütet. Und dann hat er, damit die Gänse nicht wegfliegen, ihnen die Flügel kupiert. Sie werden also niemals fliegen können. Als wir die beiden hier auf die Wiese gesetzt haben wurde mir ganz flau. Niemals in den Süden fliegen...
Allerdings hat sich das später etwas relativiert. Die in Mitteleuropa geborenen Graugänse sind nämlich gar keine Zugvögel sondern Standvögel. Und auch meine Annahme, dass die Hausgänse sich mit ihrem Flugunfähigkeitsschicksal gut anfreunden stimmte nicht. Denn auch die dicken Hausgänse einer Freundin versuchen es jedes Jahr wieder. Sie gehen auf die Strasse und rennen und rennen und rennen – aber sie heben nicht ab. Geht nicht. Und trotzdem versuchen sie es jedes Jahr wieder.
Und jetzt, nach ein paar Wochen, haben sich Johan und Ida auch an uns gewöhnt. Handzahm sind sie quasi am nächsten Tag schon gewesen und jetzt gehen sie auch nicht mehr weg wenn das Hoftor offen steht.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen