Mittwoch, 2. Dezember 2015

Familienleben [hjem liv]

Hier kommt eine weitergehende Erläuterung für Mausekind und alle die sich ähnliche Gedanken machen. Ich hatte erst einen ellenlangen Kommentar getippt, der aber einem Serverabsturz zum Opfer fiel. Mausekind, jetzt also hier die Antwort auf Deinen Kommentar:

Familienleben sind ja sehr unterschiedlich. Deshalb ist es vielleicht wichtig unsere Variante genauer zu erzählen.

Unser Familienleben sah bisher ungefähr so aus:

Montag bis Freitag:
Katrin & Kinder allein (Elvis wird per Email, Telefon & Facetime am Familienleben beteiligt).

Elvis fährt los während wir noch im Bett liegen und kommt entweder um 20 (sehr gut aber selten), 22 (normal) oder 24 (spät) Uhr nach Hause. Oder gar nicht.

In der Zeit als Luzie in die Schule gegangen ist, hat Elvis sie unter der Woche also nur morgens kurz gesehen. Abends gar nicht mehr. Das ist jetzt grad anders. Ohne Schule kann Luzie hier bis 22 Uhr rum hüpfen und die beiden treffen sich abends ab und an zum Gute Nacht sagen. Alle Termine rund um die Kinder die von Montag bis Freitag statt finden, finden ohne Elvis statt. Meine gesamten Jobs erledige ich mit Kindern um mich herum oder auf mir drauf, bzw. wenn sie schlafen (was nicht oft vorkommt).

Als wir noch in der großen Stadt in der Nähe von der Agentur gewohnt haben war das übrigens noch schlimmer. Da es keine Deadline durch die Zugabfahrten gab, passierte immer das was wohl meist passiert: "ach ich mach noch eben dieses dings zu ende, dann gehe ich", "oh mist elvis, ich hab grad die datei für das Projekt xy zerstört. wie rette ich denn das jetzt?", "ach dann kann ich auch eben noch den text für morgen fertig schreiben, das war ja nicht mehr so viel..."
Dadurch war Elvis gerne mal erst um 22.34 Uhr zu Hause oder auch mal um 1.58 oder um 6.02. Jetzt ist das immer eine klare Entscheidung die er treffen muss: "wenn ich den 20 Uhr Zug erwischen will muss ich jetzt gehen".

Samstag & Sonntag:
Katrin & Elvis versuchen an zwei Tagen die gesamte notwendige Kommunikation über anstehende familienorganisatorische Dinge zu erledigen (Versicherungen, Steuererklärung, Autoreparaturplanungen, Geburtstagsvorbereitungen, Familienfeste, Organspendeausweise, Patientenverfügungen, Anschaffungen, Hausentscheidungen, Hofentscheidungen, Schulentscheidungen etc), während sie lang erwünschte Dinge am Haus basteln, während sie die notwendigen Dinge (die Katrin nicht allein unter der Woche hinbekommt weil sie nur zwei Hände und Füße hat) erledigen, während sie versuchen zu entspannen (ist ja Wochenende!), während drei Kinder zu recht ihre Bedürfnisse lautstark formulieren, während draussen das Laub eingesammelt werden muss – weil die Nachbarn das so wünschen, während ein Kind zur Reitschule gebracht und abgeholt werden muss und das andere auf einen Geburtstag eingeladen ist bzw. das Geschenk für einen anstehenden Geburtstag besorgen muss, während fünf Hosen von Pelle genäht werden müssen, während die Tür in der Tenne winterfest gemacht werden muss, während die Leiter am Dach befestigt werden muss weil der Schornsteinfeger am Montag kommt...

Oder aber Katrin arbeitet an einem der Tage (12 Stundenschicht) im Kreißsaal und all die Dinge von oben müssen an nur einem Tag erledigt werden.

Elvis und ich haben keine Unterstützung. Wir wuppen dieses Leben zu zweit. Und haben nicht mal Zeit in Ruhe ohne die Kinder um uns herum zu streiten.

Das war unser Familienleben bisher: sehr voll, sehr viel getrennt, wenn zusammen, dann meist überladen mit anstehenden Aufgaben, plus die Bedürfnisse der Kinder, plus die eigenen Ansprüche.

Mein persönliches Problem ist, dass ich mich erst entspannen kann wenn alles erledigt ist. In einem Haus mit fünf Menschen, davon zwei Jungs die mit dem Kopf meist in den Wolken stecken, ist aber nie alles erledigt. Also komme ich nicht zur Ruhe und erledige selbst die eigentlich angenehmen Dinge (Kekse backen, mit den Ponys und den Kindern über den Deich zotteln, Momo vorlesen, Laternen basteln) mit einem gehetzten Gefühl im Nacken. Das hat mich sehr genervt in den letzten Monaten.

Seit vorletztem Sommer haben wir immer mal wieder großartige Workawayer hier. Die helfen dann am Wochenende bei den großen Aufgaben und unter der Woche bei den Haushaltsdingen. Das ist schon eine echte Bereicherung.

In den ersten Jahren hier im Haus war das übrigens anders. Da habe ich täglich solche großen Dinge wie Wände streichen, Zäune bauen und aufstellen, Hühnerstall bauen, Tapezieren, Betten bauen, Türen lackieren oder Bäume einpflanzen gemacht. das habe ich alles mit den Kindern zusammen erledigt. Jetzt wo quasi alles fertig ist, bleiben nur noch die Haushaltsarbeiten. Die teile ich auch so weit es geht mit den Kindern. Aber es macht mich einfach viel glücklicher, wenn ich tagsüber wirklich weiter gekommen bin. Aber der Haushalt ist ja eine immer wieder von vorn anfangende Sache.

Wir müssen also etwas ändern.

Und da es Quatsch ist, jetzt ein neues Haus zu suchen, damit ich wieder was zum renovieren habe, ist eine Idee: Reisen.

Das passt auch deshalb ganz gut, weil es mir wichtig ist den Kindern die Welt zu zeigen. Andere Kulturen, andere Sprachen. Ich habe in den letzten Jahren immer sehr bedauert, dass wir nicht, wie so viele Freilernerfamilien in der Welt unterwegs sind. Aber ein eigener kleiner Bauernhof verträgt sich nicht mit ausgedehnten Reisen.

Wir hatten uns mit dem Kauf dieses Hauses bewusst erst Mal gegen das Reisen entschieden. Aber jetzt wo hier irgendwie alles getan ist und wir sogar so großartige Aufbewahrungsplätze für unsere Tiere gefunden haben können wir einfach los fahren.


Das geplante Familienleben sieht dann vielleicht so aus:


2016

7 Wochen Mädchen in Andalusien & die Jungs machen eine Kerle-WG und kümmern sich um den Haushalt (der dann ja ganz anders aussehen kann, als wenn Katrin daheim ist). Elvis muss dann jeden Tag nach Hause kommen, da er Pelle nicht über Nacht allein lassen kann und er kommt ein Mal pro Woche so früh Heim, dass er Pelle vom Judo einsammeln kann. Pelle hat an zwei Tagen lang Schule und kommt erst Abends Heim. An zwei Tagen hat er Judo (jeweils 4 Stunden). An dem einen Tag holt Elvis ihn dann ab und an dem anderen schläft er bei einem Klassenkamerad. Die Zeit die Pelle dann allein Zu Hause ist beschränkt sich auf zwei mal je drei Stunden und einen kompletten Nachmittag mit Abend. Er freut sich auf die Zeit ohne kleine Schwestern, die ohne Genehmigung in seinem Zimmer Lego spielen oder ihm ins Bild laufen wenn er Filme dreht. Das Wochenende gehört dann den Kerlen allein und Elvis hat schon eine Tischtennisplatte bestellt. Die Schafe stehen bis Dezember 2016 bei dem Bock und unsere Ponys sind in einem Pensionsstall unter gekommen. Die Hühner sind ja schon aus überlebenswichtigen Minimumschutzgründen (sie hat sich immer auf die Hühner drauf gesetzt und die doofen Hühner sind immer wieder zu ihr hingegangen) bei Freunden seit einem Jahr. Den Hund nehmen wir Mädchen mit, nur die Katzen bleiben als Mäuseabwehr am Hof.

Kleiner Einschub: Die Tiere sind zwar aufwendig aber absolut nicht das, was mich stört. Ich mag die Haushaltsgeschichten nicht. Das ist einfach nicht meins und nach 13 Jahren allein dafür verantwortlich sein reicht es auch irgendwann mal. Dass die großen Tiere jetzt schon nicht mehr hier sind ist zwar erleichternd, reduziert meine Arbeit aber leider auf den nervigsten Teil. Die Arbeit bei und mit den Tieren war ein echter Ausgleich. Ich hab schon überlegt, ob wir so lange Ersatzschafe besorgen oder für die Zeit bis Januar noch mal Hühner anschaffen.

3 Wochen alle zusammen in Andalusien ohne Projekte die erledigt werden müssen – einfach nur Familienzeit.

7 Wochen wieder das selbe wie oben.

12 Wochen gemeinsamer Sommer.

8 Wochen Spätsommer Mädchen unter der Woche in Dänemark, am Wochenende alle zusammen zu Hause.

4 Wochen Herbst Familienmonat mit den Geburtstagen der Kinder, Elvis hat den gesamten Monat frei.

4 Wochen Winter Mädchen unter der Woche in Dänemark, am Wochenende alle zusammen zu Hause.

3 Wochen gemeinsame Weihnachts- und Neujahrszeit.


2017

Winter und Frühjahr: die gesamte Familie in Andalusien. Pelle macht einen von der Schule genehmigten Sprachaufenthalt (er lernt seit diesem Jahr Spanisch in der Schule). Elvis soll für die vier Monate online für die Agentur arbeiten. Allerdings muss ich ihn davon noch fertig überzeugen.

Sommer: alle zu Hause.

Herbst & Winter: wie 2016.

Im Moment erscheint das geplante Familienleben also als besser mit mehr entspannter Zeit für alle. Wir werden sehen wie es dann wirklich ist.

Was auch klar wird, ist dass das Freilernen der Kinder in Wirklichkeit fast nichts mit diesem Entschluss zu tun hat. Die Schulbehördlichen Auflagen machen nur den bürokratischen Teil um einiges komplizierter.

Was tatsächlich eine ganz andere Sache ist, ist mein Wunsch irgendwann mit Ärzte ohne Grenzen oder dem UNHCR in Krisengebieten zu arbeiten. Da wäre ich dann mind. 16 Monate am Stück weg.


Entschuldigt dieses hin und her springen zwischen ich und sie. Ging grad nicht anders.

Kommentare:

  1. Habt ihr in Andalusien und Dänemark bereits Kontakte wo ihr dann seid?

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  2. Danke für Deine Ausführungen. Hoffe du fühltest dich nicht zu Erklärungen genötigt, das wollte ich überhaupt nicht bezwecken...Es bleibt für mich schwierig nachzuvollziehen. Nachdem ich lese wie wenig Zeit die Arbeit von Elvis fürs Familienleben zulässt käme bei mir eher eine ganz andere Perspektive auf, die mehr gemeinsamen Familienalltag ermöglicht...das ist so mein Schwerpunkt zu dem ich hin überlege...nach dem Motto wir leben nur einmal und haben nur einmal diese besondere Zeit zusammen als Familie mit den Kindern. mein Mann ist leitender Psychologe einer großen Klinik und hatte bei Kind 1 wesentlich mehr Zeit mit uns zusammen. Nun kommt Kind 3 und wir überlegen wie es wieder mehr Familienzeit wird. Eine Variante zB wäre auch ein Hof mit bissl Selbstversorgung und Privatpraxis meines Mannes und Kreativwerkstatt von mir...im neuen Jahr werd ich näher drüber denken ;-) Wir sind aber auch irgendwie echt glücklich mit unserem Haus und unserer Wohnlage und den Kindern die sich hier anfangen tief zu verwurzeln dass große Änderungen garnicht so gewollt sind...Bin gespannt was Dein Fazit in einem Jahr ist! Grüße Dich

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