Montag, 21. September 2015

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Wir sind wieder hier.
Vier Tage mit einer Flut an Informationen. Seit Pelle auf der Welt ist versuche ich konkrete Informationen zum Freilernen in Deutschland zu bekommen. Vor acht Jahren am Computer in Hamburg habe ich nichts dazu gefunden. Es gab nur grob beschreibende Berichte. Die Neubronners waren zu der Zeit oft im Fernsehen. Aber ich konnte keinen konkreten Handlungsanweisungen, Tips oder eben Menschen die genau das tun was ich auch vor hatte, finden. Es gab nur nebulöse Halbaussagen und ein paar echte Fehlinformationen.

An der Freien Schule habe ich dann das erste mal eine Familie getroffen, die das tatsächlich gemacht haben. Immer wieder mal habe ich dann Menschen kennengelernt die ihren Kindern ein Leben ohne Schule ermöglicht haben. Ich hab immer versucht so viel Informationen wie möglich zu bekommen.

Nicht über das Lernen oder so. Da weiß ich, dass das einfach passiert und kenne meine Grenzen, Wünsche und Kompetenzen. Da bin ich sehr gut versorgt.
Aber eben die ganz konkrete praktische Umsetzung: Schulbehörde, Jugendamt, Meldebehörde, KFZ-Zulassungsstelle, Krankenkasse, Finanzamt u.s.w.

Es gab keine echten Infos. Und keine Kontakte zu anderen Familien. Zum einen liegt das daran, dass alle so unterschiedlich sind. Deshalb gibt es wenig allgemein gültige Ratschläge. Dann sind die Freilernerfamilien auch meist wirklich sehr beschäftigt. Es gibt zwar viele Versuche im Internet, diese Familien zu versammeln, aber so richtig gut klappt das nicht. Seit ein paar Jahren gibt es zumindest immer mehr Familien die Blogs schreiben. So kann man zumindest die individuellen Wege ein bisschen mitverfolgen. Wobei natürlich alles nicht legale meist ausgespart wird.

Unser Sommer in Portugal bot zum allerersten mal wirklich ein reichhaltiges Angebot an Geschichten und Informationen. Wir haben viele Familien kennengelernt, die sich Zeit genommen haben, uns ihr Leben zu zeigen und meine vielen Fragen beantwortet haben.

Nachdem ich im Winter diesen Jahres, wegen unserem Gerichtstermin und der angedrohten teilweisen Sorgerechtsentziehung, einen Haufen wichtiger Informationen selber zusammen gesammelt habe, war der Sommer mit den vielen Erfahrungsberichten jetzt quasi der zweite Lernblock.
Der Sommer hatte aber die Überschrift "wie ist Freilernen in Verbindung mit Auswandern nach Portugal möglich".

Da war das Schulfreifestival jetzt wieder ganz anders. Wir konnten vier Tage lang mit 450 anderen Menschen die ganze Vielfalt der Freilernermöglichkeiten von deutschen Familien besprechen.

Unser Anwalt war auch dort und hat einen Vortrag gehalten. Das Festival glich einem Kliententreffen von ihm.

Luzie hat einen Stick-Workshop angeboten. Schon als wir am Donnerstag ankamen, warteten Interessenten auf sie. Wir packten das Material aus und schwupps, waren alle ganz entspannt dabei und nebenher gab es die ersten sehr informativen Gespräche. Das war ganz großartig. Die gesamten vier Tage waren immer Menschen mit den Stickrahmen beschäftigt und haben ganz viele unterschiedliche Dinge gestickt und sich ausgetauscht über die Techniken und eben nebenher Gespräche über das Freilernerleben geführt. Das Sticken erzeugt so eine angenehme Tiefenentspannung, das war echt schön. Vor allem weil ich das so nicht wusste oder geplant hatte.
Luzie hatte auch sehr schnell eine Kollegin, die nach kurzer Anlernphase direkt eingestellt wurde.

Pelle und Elvis kamen am Samstag nach und haben einen Workshop zum Thema Freilerner Digital angeboten. Wir hatten alle Geräte, Programme und Apps, die wir in den letzten Jahren getestet und für gut befunden haben, dabei. 

Beide Workshops werden wir nächstes Jahr wieder anbieten. Das war wirklich gut. Einer meiner Hauptgedanken war, dass ich es eine wichtige Erfahrung für die Kinder finde, sich selbst als kompetent und 'Teil des Ganzen' und eben nicht nur als Konsument zu erleben. Pelle hat seinen Job als Workshopanbieter auch echt gut gemacht, sich dann aber auch noch ein anderes Aufgabenfeld gesucht und mit zwei Freunden zusammen die Bar übernommen. Luzie ist in ihrem Stickworkshop geblieben und fühlte sich da sehr verbunden und verpflichtet, so dass ich sie ab und an ganz offiziell freistellen musste, damit sie auch guten Gewissens an anderen Angeboten teilnehmen konnte. Eigentlich war ihr Workshop nur für zwei Stunden pro Tag geplant, aber es wurde eben die ganze Zeit gestickt.

In dem Text tauchen jetzt Variationen des Wortes 'Information' extrem gehäuft auf. Aber genau so waren Portugal und das Freilernerfestival auch. Jahrelang gab es nur Wasser und jetzt wurden wir quasi mit Saftkonzentrat übergossen. 

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