Donnerstag, 2. Mai 2013
Schlechter Lehrer [værst lærer]
Ich bin ein ganz schlechter Lehrer. Ich bin ungeduldig und es nervt mich wenn etwas nicht sehr bald funktioniert. Ausserdem bin ich undiplomatisch. Wenn wir hier zu Hause Schule spielen, funktioniert das auch nicht wirklich.
Das Gute ist: ich muss kein Lehrer sein. Ich bin Mama. Ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Ein Mensch von dem man etwas lernen kann, mit dem man sich auseinandersetzen kann, mit dem man sich streiten kann. Ich kann Dinge in Worte fassen. Ich kann mit den Kindern zusammen etwas entdecken und sie aufmerksam machen auf Dinge die ich sehe.
Als Luzie vor einigen Wochen Fahrrad fahren lernen wollte, hab ich mal wieder vorgeführt bekommen wie miserabel ich als Lehrer bin. Wir sind auf dem Deich hin und her gefahren. Sie saß auf dem Rad und ich hab sie am Jackenkragen gehalten und sie ist gefahren. Aber nach drei Mal hin und her hatte ich keine Lust mehr. Ich wurde maulig und hab gesagt, dass ich nicht dazu da bin jetzt immer mit ihr hin und her zu laufen. Ich bin auch grottig schlecht darin andere zu motivieren. Also sind wir beide dann frustriert wieder nach Hause gegangen. Dort war Pelle. Hat sich unsere Geschichte angehört und angeboten mit Luzie zu üben. Er ist wie ein Mallorca-Animateur mit Luzie hin und her und hin und her und hin und her gelaufen. Hat sie angefeuert und ihr aufgeholfen wenn es nicht klappte. Und nach einem Nachmittag konnte er sie anschieben und dann los lassen und sie fuhr alleine weiter. Und nach zwei weiteren Übungseinheiten mit Pelle konnte sie auch alleine los fahren.
Pelle platzte fast vor Stolz auf sich und seine Schwester und machte Pläne für eine Fahrradfahrschule. Wenn er das so gut kann, sollte er doch damit sein Geld verdienen.
Im Leben unserer Kinder gibt es so viele spannende Menschen, die alle etwas anders sind und etwas anderes anzubieten haben. Pelle, Luzie und Minimum haben eine Mama, einen Papa, Opas und Omas, einen Onkel, Judomeister, Voltigiererinnen, Schmiedinnen, Physikdoktoren, Ärzte, Nachbarn, Agenturchefs, Bioladenbesitzer, Bauern, Schäfer, Archehofbesitzerinnen, Filmemacher und viele viele mehr. Und von all diesen Menschen können sie sich etwas abschauen. Und sich mit ihnen auseinandersetzen, sich ihre Geschichten anhören und sich ein Welt- und ein Menschenbild bauen.
Und trotzdem sitzen wir zur Zeit wieder morgens für eine halbe Stunde zusammen am Küchentisch und Pelle bearbeitet Rechtschreibhefte, weil ich der Meinung war es wäre mal wieder Zeit. Klappt ganz gut. Aber dazu schreibe ich nächste Woche mehr.
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Ach wie schön. Das Rad. Ich freue mich sehr. Irgendwie nostalgisch. Auf ihm lernten 6 Kinder das Radfahren und nun auch Luzie. Wie wunderschön!!
AntwortenLöschenBei uns gibt es auch grad einen Fahranfänger! <3 Schöner Artikel. Ich lese Deinen Blog sehr gerne, er gibt mir Mut, dass es da draußen noch mehr Freigeister gibt! :)
AntwortenLöschenViele liebe Grüße,
Lucia