Montag, 6. Mai 2013

Wie wir Entscheidungen treffen [beslutning]

Hier kommt eine Fortsetzung zu dem Schleichwerbungbeitrag. Ich habe heute zwei Entscheidungen getroffen. Produktentscheidungen. In der Psychologie gibt es eine ganze Forschungsrichtung die sich nur damit befasst, wie Menschen Entscheidungen treffen. Das ist extrem spannend. Warum tun wir das was wir tun? Wie wird aus einem Vorhaben eine Handlung Ab welchem Zeitpunkt in einer Entscheidungsfindung können wir nicht mehr zurück? Warum tun wir nicht das was wir uns vornehmen? Was ist der innere Schweinehund? Das nennt sich Motivationspsychologie.

Elvis arbeitet in der bösen Werbung. Da geht es nur darum, wie man Menschen dazu bringt sich für etwas Bestimmtes zu entscheiden. Ein grundlegender Entscheidungsbeeinflusser ist die Meinung von Freunden. Wenn ein Freund etwas empfiehlt gehen schon mal ein paar sehr wichtige Türen in unserem Entscheidungsprozess auf. Es ist spannend das an sich selbst zu beobachten. Und das ist einer der Hauptgründe warum soziale Netzwerke zu börsennotierten Unternehmen werden können. Wenn mir ein Freund in einem sozialen Netzwerk etwas empfiehlt ist das mehr wert, als wenn eine Zeitschrift mir das präsentiert. Das nennt sich Word of Mouth, also Mund zu Mund Propaganda.

1. Begriff: Form der direkten persönlichen Kommunikation (sprichwörtlich: von Mund zu Mund) zwischen Konsumenten innerhalb eines sozialen Umfeldes. Im Marketing wird Word-of-Mouth als eine informelle, wertende Meinungsäußerung über Marken, Produkte, Services und Unternehmen zwischen Konsumenten verstanden. Diese kann sowohl positiv als auch negativer Art sein.

2. Überlegenheit persönlicher Kommunikation: 
(1) größere Glaubwürdigkeit und stärkere soziale Kontrolle; 
(2) bessere selektive Informationsaufnahme; 
(3) größere Flexibilität durch laufende Rückkopplungen bei den Kommunikaten; 
(4) Fehlen von rechtlichen Vorschriften. Meinungsführer können als Multiplikatoren in einem Word-of-Mouth-Prozess dienen.


Gestern Nacht kam Elvis aus der Agentur nach Hause. Er hatte zwei Kartons mit Nudelsoße dabei. Er stand also im dunklen Schlafzimmer und erzählte, dass sein Chef die noch übrig hatte. Er hatte sich zu viele bestellt und hat Elvis welche mitgegeben. Elvis meinte das seien irgendwelche besonderen Soßen und da stünde auch irgendetwas von biologischem Anbau drauf. Die Gläser sahen hübsch und hochwertig aus und auch auf dem Karton ist ein schöner Schriftzug. Heute morgen fiel mir auf, dass da keine deutsche Zutatenliste drauf ist. Das interessierte mich, da ja in Deutschland alles deklariert werden muss. Wir haben kurz gemutmaßt, dass der Chef die direkt in Italien bestellt hat. Immerhin gehört dem eine riesige Werbeagentur - der kann sich das also locker leisten.

Ich hab vorhin dann für mich und drei Kinder Nudeln (wir haben immer die Dinkelspagetti von Naturata, die sind super lecker (aber nicht die Vollkornversion, die ist eklig)) mit Zucchini, Knoblauch, Avocado und Schafskäse gemacht. Dazu gab es zwei der Nudelsoßen. Wir stellen Nudelsoßen immer wie Pesto auf den Tisch und jeder kann sich was auf seine Nudeln tun.
Das war lecker.

Dann habe ich mich an den Rechner gesetzt und wollte rausfinden was das für Soßen sind, wer die macht, wo die her kommen. Und hab was hübsches gefunden: Fattoria La Vialla. Da kommen die Soßen her. Und jetzt hab ich den Katalog bestellt.

Die zweite Entscheidung für ein Produkt wurde durch eine E-Mail ausgelöst. Die Mama von Bo Andrasson wies mich auf Ähnlichkeiten zwischen mir und ihrer Freundin Liesl hin. Ich mag den Blog von Liesl. Der Hinweis bezieht sich auf das Buch von Sylvia Plath und einen Häkelschal (meiner wird aber wohl nie fertig weil ich so langsam häkel). Das erste mal von Sylvia Plath habe ich in dem Buch Am Anfang war Erziehung von Alice Miller gelesen. Dieses Buch hatte auch schon Bo Andrassons Mama mitgebracht. In dem Buch zeigt Alice Miller die Zusammenhänge zwischen Erlebnissen in der Kindheit und dem Verhalten als Erwachsener auf. Sie ist Analytikerin. Aber wenn man die Einfachheit der analytischen Wenn-Dann-Zusammenhänge irgendwie überlesen kann ist es ein tolles Buch. In dem Buch skizziert sie neben Adolf Hitler und Christiane Felscherinow (Wir Kinder vom Bahnhof Zoo) also auch das Leben und Sterben von Sylvia Plath. Vor ein paar Wochen war dann Sylvia Plaths 50. Todestag und ich hab bei Spon diesen Artikel über sie gelesen. Ich hab dann Die Glasglocke bestellt und das Buch kam zufällig hier an, als auch Bos Mama hier war. Wir haben beide ins Buch geschaut und den Schreibstil von Sylvia Plath für gut befunden. Das ist jetzt ein paar Wochen her. Und heute schickte mir Bos Mama die Mail mit dem Hinweis darauf, dass auch Liesl grad Sylvia Plath liest. Und ich hab dann direkt das Buch Die Bibel der Träume bestellt. Und Jane Eyre von Charlotte Bronte auch gleich noch.

Und jetzt hab ich hier einige Produkte beschrieben. Was macht das mit Euren Entscheidungen? Blogs sind nämlich ein wirklich effektives Werbemedium. Deshalb bekommen die viel besuchten Bloggerinnen auch alle möglichen Produktproben um sie dann zu besprechen. Hab ich ja kürzlich schon drüber geschrieben.

Ich schreibe seit ein paar Jahren für ein Printmagazin Artikel und Buchbesprechungen. Und bei den Büchern musste ich lernen, die schlechten einfach nicht zu erwähnen. Ich hatte immer das Bedürfnis alle Bücher zu beschreiben, weil mir der Verleger extra dafür ein Buch überlassen hatte. Aber das ist ja quatsch. Also bespreche ich nur noch Bücher die ich auch wirklich gut finde. Und die anderen werden einfach nicht erwähnt und liegen halt hier rum oder wandern in den Gebrauchtwarenladen. Und einige werfe ich sogar in den Müll. Es gibt wirklich ganz bescheuerte Bücher.

Kommentare:

  1. hey katrin, ich kann dir nur dringend raten hände weg von dieser fattoria...mein schwiegervater hat da mal bestellt und die haben ihn jahrelang telefonisch belästigt mit werbeanrufen...ganz schlimm....liebe grüße!!!

    AntwortenLöschen
  2. Also wir haben bei der Fattoria noch nie was bestellt, aber Freunde von mir ;) haben dort schon ganz, ganz oft bestellt und waren immer sehr zufrieden. Da hat auch soweit ich weiss keiner telefonisch genervt. Wenn schon, wenn ich sehe dass mich eine italienische Nummer anruft, geh ich halt nicht ran. Oder geb meine Telefonnummer einfach nicht weiter. Ich find die Fattoria ganz sympathisch, weil man da wohl auch wwoofen kann, habe ich gelesen. Den Katalog bekomme ich auch alle paar Monate, aber bisher "brauchten" wir einfach noch nix aus Italien, zumal wir hier im Ort 'nen super Bio-Hofladen haben und daher keine pseudo Ökoprodukte aus Italien brauchen, die ja auch erst hergeschippert werden müssen.

    AntwortenLöschen
  3. Statt Bücher in den Müll zu werfen, könntest du sie ja auch freilassen ... ich mag das bookcrossing-Konzept und bin nach einigen Jahren Abstinenz wieder dabei: http://www.bookcrossing.com/mybookshelf/amberlight

    AntwortenLöschen
  4. wir bestellen da ganz oft mit freunden zusammen und wir wurden noch nie telefonisch belästigt. es komt 2-3 mal im jahr post. die schaue ich mir gerne an. die produkte sind klasse und wir alle zufrieden. lg mela

    AntwortenLöschen
  5. wir haben auch schon oft bei La Vialla bestellt und waren immer sehr zufrieden. Die Sossen sind köstlich, der Wein ebenfalls, ich finde die Nudeln super und auch das Olivenöl. Noch NIE sind wir telefonisch belästigt worden, im Gegenteil: wir bekommen gelegentlich die neuen Kataloge und auch mal eine Produktprobe.
    ... und zu den Rezensionen: ich finde es blöde, dass nur positive Besprechungen überall zu lesen sind. Kritik finde ich gut und manchmal anregender ein Buch zu lesen, als Lobhudelei. Ich habe auch Hemmungen schlechte Bücher wegzuwerfen und gebe sie in entsprechende Einrichtungen weiter oder setze sie aus. Wegwerfen, das kann ich auch nicht. Nur beschädigte Bücher und alte,wirklich nicht mehr zu gebrauchende Schulbücher wandern hier ins Altpapier.
    lg von lini

    AntwortenLöschen
  6. Ich musste grinsen, als du die Dinkel-Nudeln erwähntest, die ihr normalerweise kauft - von wegen Schleichwerbung und so. :)) Doch, es macht schon was aus, wenn man in einem Blogbeitrag so wie hier Gutes über ein Produkt liest. Und klar klickt man dann neugierig auf das Link. Experiment gelungen, würde ich sagen. ;)

    AntwortenLöschen