Mittwoch, 17. April 2013

Pinkifizierung

Ist Pinkifizierung etwas schlimmes?

Immer wenn ich zu meinem Vater gesagt habe, dass ich vielleicht Professor werden will, sagte er "Du meinst Professorin".

In meiner Welt (mein Gehirn, meine Kernfamilie und meine Freunde) gibt es keinen gelebten Sexismus. 

In meiner Welt kann ich mir aussuchen, ob ich Professor oder Professorin werde. Und ich möchte lieber Professor werden, das Wort ist einfach hübscher (jaaa.. der eingefleischte Feminist möchte jetzt hier einhaken und sagen, dass das aber nur daran liegt, dass ich es eben gewohnt bin bei akademischen Graden von der männlichen Version zu sprechen bzw. zu hören. Natürlich! Da haben wir die direkte Auswirkung von sprachlichem Sexismus. Aber vielleicht ist auch einfach das Wort hübscher...?).

Mir ist klar, dass es da draussen ausserhalb meiner Welt, ganz anders aussieht. Wenn ich hinschaue sehe ich da auch ganz gruselige Dinge. Und ich meine noch nicht mal die Frauenverachtenden Umstände in vielen Ländern. Ich meine den alltäglichen unaufälligen gesellschaftlich anerkannten Sexismus. Manchmal komme ich mit den sehr harmlosen (aber nicht unwirksamen) Formen in Kontakt. Zum Beispiel wenn Pelle wegen seiner langen Haare konsequent als Mädchen gesehen wird und Luzie wegen einer blauen Mütze ein Junge sein muss. Oder das Pelle so viel liest. Im Buchladen ist das jedes mal ein Thema, dass er ja obwohl er ein Junge ist, Bücher mag. 

Ich bin ohne diese Geschlechterrollen groß geworden. Dank einer absoluten 68er Umwelt, kippte das eher ins Gegenteil. Jungs und Mädchen sind gleich. Mädchen sollten auch Fussball spielen und Jungs stricken. Alle Pinkifizierung ist gemacht und nicht angeboren. Das war Fakt.

Auch im Psychologiestudium wurde noch mal untermauert und mit Studien belegt, dass die geschlechtsspezifischen Vorlieben durch die Gesellschaft ins Kind kommen.

Ein interessanter Moment war dann, als Luzie mit zwei Jahren alle pferde- und elfenähnlichen Tiere aus Pelles großer Schleichtierkiste raus sammelte und mitnahm. Die Vorliebe für Ponyhöfe schien also doch genetisch. Aha.

Ich hatte in meinem Biostudium die geisteswissenschaftlichen Aspekte (Gender), mit denen ich aufgewachsen bin, noch um die Weisheiten der Naturwissenschaft (Männer haben einen Penis und Frauen eine Scheide) ergänzt. Es gibt Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen.

Auch meine Mutter ist nach einigen Jahren als Grundschullehrerin von der einfachen Jungs und Mädchen sind gleich - These zu einer etwas differenzierteren gewechselt.

Wenn ich mir Proteste der Feministinnen anschaue, denke ich oft "Oh mann, muss das wirklich sein?". Und dann schaue ich mir die kritisierten Produkte an und denke "Das ist nicht wahr, oder?! Das gibt es doch nicht wirklich! Das ist doch eine Parodie?! Das muss eine Parodie sein!" oder ich denke einfach nur "Hä!?".

Ich kann es immer gar nicht fassen, wie dummdreistsexistisch z. B. Werbung für Kinder ist. Wie heftig fest getackert die Rollenklischees da abgerufen werden. Und dann stelle ich mir die Familie aus dem Nachbardorf vor. Die haben sechs Kinder. Bei denen läuft den ganzen Tag der Fernseher, und zwar nicht Arte und 3Sat. Die werden quasi permanent mit diesen abstrusen Rollenklischees zugeschüttet. Und da ist es dann für mich auch verständlich, dass Feministinnen aktiv werden. Obwohl in meiner Welt dafür eigentlich der Werbeaufsichtrat zuständig ist solche beschämenden Dummheiten zu unterbinden. Das kann doch niemand wirklich produzieren und schon gar nicht freiwillig konsumieren!?

Hier zum weiterlesen: Pinkstinks

Und hier ist eine Bloggerin, der Ihr mal kurz zuhören solltet.



Danke Ka fürs aufmerksam machen.

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