Dienstag, 9. April 2013

Ohne Uhr [uden ur]

Unsere Uhr ist kaputt gegangen. Und Elvis hat erzählt, dass früher in Schweden zu Urlaubszeiten alle Uhren weggeräumt wurden. Wir sind uns nicht sicher, ob das stimmt und ob - wenn es denn stimmt - heute dann auch alle Telefone mit Uhrzeitanzeige ausgeschaltet werden. Aber wir fanden es eine großartige Idee die nächsten Wochen ohne Uhr zu leben.

Gleichzeitig hatten wir eine Familienkonferenz zu dem Thema Schlafenszeiten. Im letzten Herbst hatte ich zum ersten Mal eine verhältnismäßig feste Schlafenszeit eingefordert. Pelle und Luzie sind dann immer so gegen 20.30 Uhr ins Bett gegangen.

In den Jahren davor gab es das nicht und meist waren Pelle und Luzie irgendwann zwischen 21.00 und 23.00 Uhr im Bett. Das lag auch daran, dass Elvis erst um 21.45 Uhr aus der Agentur Heim kommt. Ganz selten schafft er schon einen Zug früher und ist um 19.45 Uhr hier und oft genug schafft er nur den letzten Zug und kommt um 23.45 Uhr nach Hause. Oft haben Pelle und Luzie noch auf Elvis gewartet und dann sind wir alle zusammen schlafen gegangen.

Mit der festen Schlafenszeit hatten Elvis und ich dann meist Zeit noch gemeinsam zu reden und DVD´s zu schauen*.

Als jetzt die Tage wieder so viel länger wurden, war aber die Schlafensgehzeit 20.30 Uhr irgendwie nicht richtig. Das fühlte sich falsch an, die Kinder von draussen aus ihrer Matschlandschaft rein zu beordern damit sie ins Bett gehen. Also haben wir beschlossen wieder ein offenes Ende zu haben.

Ganz ohne Uhr leben wir natürlich nicht. Hier am Rechner habe ich eine Uhr und mein Telefon sagt mir rechtzeitig bescheid wenn wir zum Judo oder zum Voltigieren los müssen. Aber den restlichen Tag richten wir uns nicht mehr nach der Uhr, sondern nur nach Hunger und Müdigkeit.

Es ist merkwürdig wenn so ein Struktur gebendes Utensil weg ist. Ich schaue ständig zu dem Platz wo die Uhr hing, aber da hängt jetzt unser Kalender.

Ich weiß noch nicht ob ich mich so ohne zeitliche Struktur wohl fühle. Mal sehen.

*Mir ist Zeit allein mit Elvis wichtig. Und in den letzten zehn Jahren hatten wir so gut wie keine Minute für uns. Was aber hauptsächlich an seinem zeitraubenden Job liegt. Die paar Minuten die er dann hier ist, gehören auch den Kindern. Das sorgt unter anderem dafür, das Elvis und ich uns oft zanken, weil wir kein Thema in Ruhe und ausführlich zu Ende besprechen können. Das ist doof. Aber Elvis liebt seinen Job und will ihn unbedingt machen. Und ich habe nicht das Gefühl, dass ich mehr Recht auf Elvis habe als die Kinder. Zumal Elvis und ich viel per E-Mail und Telefon am Tag kommunizieren und so quasi Zeit und Inhalte miteinander Teilen. Und wenn die Kinder in zehn Jahren flügge sind haben Elvis und ich noch den Rest unseres Lebens zu zweit.
Wenn Pelle und Luzie mal gemeinsam bei Freunden übernachten und wir hier plötzlich allein sind, ist das immer etwas irritierend. Und so richtig können wir uns dann auch nicht beschäftigen.

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