Samstag, 23. März 2013

Katharinas Hausgeburt [Hjemmefødsel]



Eine Freundin hat vor zwei Jahren an Heilig Abend ihre Zwillinge zu Hause geboren und wir haben die Ehre ihren Geburtsbericht hier zeigen zu dürfen.

Katharina: "Meine Zwillingsschwangerschaft verlief zum Glück sehr komplikationslos. Ich war einfach schwanger – nur eben mit zwei Babies in meinem Bauch. Schon vor der Schwangerschaft hatte ich den Wunsch meine nächste Schwangerschaft sehr selbstbestimmt zu verleben, in möglichst ausschließlicher Hebammenbegleitung und vor allem mit Fachleuten, die meine Eigenkompetenz und Eigenverantwortung respektieren und schätzen. Ich habe ein Hebammenteam gefunden, das sich (nicht ohne vorsichtige Bedenken) darauf einließ, mir die Möglichkeit einer Zwillings-Hausgeburt unter bestimmten Umständen offen zu halten. Die Beiden begleiteten mich mit regelmäßigen Vorsorgen und allen notwendigen Untersuchungen durch die komplette Schwangerschaft (ich glaube das erste Treffen fand schon in der 8. SSW statt). Ich denke, das war eine wichtige Vorraussetzung für uns alle, die notwendige Vertrauensbasis auf allen Seiten für die mögliche Hausgeburt zu schaffen. Um die Versorgungslage der Kinder im Bauch zu beobachten und um Krankheiten, die eine sofortige Behandlung der Kinder nach der Geburt erfordert, möglichst auszuschließen, war ich zu drei geplanten Ultraschalluntersuchungen bei meiner Gynäkologin. Sie war anfangs gar nicht begeistert von der geplanten Hausgeburt. Schlußendlich hat sie sich aber darauf eingelassen, mich in dem Umfang weiter zu betreuen, wie ich es mir wünschte. Der Hausgeburt stand nichts im Wege. Die Babies lagen beide in Schädellage (von Anfang an), ich war gesund, mein erstes Kind kam spontan, termingerecht ohne Komplikationen zur Welt. Wir standen mental fest hinter dem Plan, ich halte mich für recht aufgeklärt und wissend in dem Bereich „Geburt und Schwangerschaft“. Genug, um gewisse Risiken durchaus selbst gut einschätzen zu können. Und das allerwichtigste: ich hatte die ganze Zeit über grosses Vertrauen zu den beiden Hebammen, die mich begleiteten. Ich wußte, sie würden der Hausgeburt nicht zustimmen, wenn sie große Bedenken hätten. Dazu kam die Sicherheit und das Vertrauen in mich selbst. Ein Gefühl, das innerhalb der Schwangerschaft immer sicherer und gefestigter wurde. Ich wußte, wenn der Weg zu Hause zu gebären nicht der Richtige sein sollte, so würde ich es rechtzeitig fühlen. Die Geburt von J. und G. begann nachts um halb eins mit einem Blasensprung auf der Toilette. Ich wollte vor dem Einschlafen nochmal auf Klo und wunderte mich, das da immer mehr rauskam. Im ersten Moment glaubte ich nicht wirklich an einen Blasensprung, da ich den ganzen Weihnachtsabend über keine Senkwehen oder dergleichen hatte. Ich hatte zum Glück durch puren Zufall Lakmuspapier im Haus und hab einfach, das was da lief mal getestet. Eindeutig Fruchtwasser. Irgendwie konnte ich nicht so wirklich an „Geburt“ glauben und hab mich erstmal dick in eine Decke gewickelt zu meinem Freund aufs Bett gesetzt, gezittert und ihm zugehört, der meinte, es würde ihn jetzt nicht überraschen, dass es nun losginge. Mich irgendwie schon. Ich hatte nicht wirklich vor Silvester mit der Geburt gerechnet. Manche Sache waren daher auch noch gar nicht fertig. Ich hab dann die Hebamme angerufen. Sie sagte, wir sollten nochmal versuchen zu schlafen und wir verabredeten uns für morgens um 8.00 Uhr, wenn sich bis dahin nichts wehenartiges tun sollte. Ich hab dann mal angefangen irgendwelche Sachen in eine Tasche zu packen, falls wir doch in die Klinik fahren müßten, mein Freund fing an den Pool aufzustellen, und wie wir so rumräumten, kamen dann auch prompt Wehen. Um viertel nach zwei waren die so schmerzhaft, das ich die Grosse zu meiner Mutter haben wollte und die Hebamme zu mir in die Wohnung. Im Nachhinein war ich extrem überrascht, dass zwischen dem ersten und dem zweiten Telefonat mit der Hebamme zwei Stunden lagen. Es kam mir vielleicht vor wie eine Dreiviertelstunde. Als sie um halb drei ankam, hatte ich schon fiese Wehen, ohne Pause und für mich recht schnell sehr schmerzhaft und eher schlecht zu verarbeiten, da ich wirklich ganz anders als bei meiner Tochter damals einen Dauerschmerz mit nur wenigen kurzen Pausen hatte. Unsere Wasserleitungen gaben leider nicht schnell genug, genug warmes Wasser für den Pool her und so hatte ich die Option dann leider doch nicht. Ich brauchte meinen Freund dann auch einfach bei mir. Ich ließ ihm keine große Möglichkeit mehr, viele Sachen auszuprobieren, den Pool zu füllen. Bis zur Übergangsphase wehte ich also ziemlich stark vor mich hin und hab mich in der Zeit durchaus ein ums andere Mal gefragt, was mich eigentlich geritten hat, an der Idee festzuhalten, zwei Babies auf einmal fernab von PDA, Opiaten und einer schnellen Kaiserschnittmöglichkeit zu bekommen. Diese Wehen ohne Pausen kosteten verdammt viel Kraft und machten mich zwischendurch recht mutlos. Irgendwann kam die zweite Hebamme dazu. Ich glaube kurz bevor der Muttermund vollständig eröffnet war, war sie dann auch da. Irgendwann kamen dann auch die schmerzfreien Wehenpausen dazu, wie ich es von der Geburt von meiner Tochter kannte. So konnte ich mich zwischen den Wehen gut in die Arme meines Freundes fallen lassen und kurz ausruhen. Weitaus angenehmer! Da ich im Vierfüßler keine Kraft mehr hatte, und sich im Halbliegen auf dem Bett nicht das Richtige tat, bin ich irgendwann auf den Hocker umgezogen, meinen Freund im Rücken, Hebamme 1 vor mir, Hebamme 2 irgendwo auch da. Auf dem Hocker ging, dank Schwerkraft, dann alles recht schnell. J. rutschte runter, kurze Zeit später war erst der Kopf und dann das ganze Kind geboren. Wow. Ein Baby…  5.41 Uhr. Weil ich recht viel Blut verlor auf dem Hocker, betteten mich die drei mit noch angenabeltem J. zusammen erstmal wieder aufs Bett. Gs Herztönen zu Folge, war er, nachdem J. geboren war, kurz gestresst. Die Hebammen baten mich dann ganz tief zu ihm in den Bauch zu atmen, ich habe ihn von Aussen gestreichelt und ihm gute Gedanken geschickt. Das klingt absolut abgedroschen und esoterisch, aber wirklich, noch während ich so an ihn dachte und lächelte, gingen die Herztöne wieder hoch und stabilisierten sich. Die Hebammen betteten mich so, dass G. es leicht hatte, in die richtige Position zu kommen. Er rutsche recht schnell in Geburtsposition und wir merkten, das ohne Hocker wieder nichts gehen würde. J. wurde also abgenabelt, damit ich auf dem Hocker mehr Bewegungsfreiheit hätte und die drei halfen mir ins Sitzen zu kommen. Wieder auf dem Hocker, kam dann auch G. ganz schnell. Zwei Wehen glaube ich ungefähr und er war da: 6.07 Uhr. Wahnsinn! Beide Babies raus! Ich konnte es nicht ganz glauben. Ich wurde wieder ins Bett verfrachtet, wo wir dann erstmal gekuschelt und gestaunt haben und geguckt. Es ist dann doch etwas surreal, das zwei Babies auf einmal in mir drin waren und da grad geboren worden sind. Mein Freund war die ganze Zeit dicht bei mir, hinter mir, neben uns… hat die Babies gehalten, als die Plazenta – letztendlich auch auf dem Hocker – geboren wurde. Ich habe bei der Geburt etwas mehr Blut verloren als ich sollte, so hatte ich direkt nach der Geburt einen extrem schwachen Kreislauf, bin auf dem Klo direkt mal zusammengeklappt und hab danach erstmal Bettruhe verordnet bekommen für die nächsten Tage.
Die beiden Jungs sind mit 2800g, 47 cm und 3100g und 49 cm in der 38. SSW geboren worden. Sie trinken fleißig und gerne ständig.

Ich bin froh, dass wir diese Geburt so miteinander erleben konnten. Ich bin sicher, das ein Großteil der „Entspanntheit“ und gesunden Natürlichkeit der Geburt der von allen Beteiligten mitgedachten Idee zugrunde lag, das eben eine normale, gesunde Zwillingsgeburt möglich ist und in aller Ruhe ohne Generalpathologisierung im Vornherein von statten gehen kann."


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