In extremen Zeiten offenbaren sich die Menschen. Und ich mag manches davon gar nicht und finde anderes ganz herzerwärmend. Es wird geschimpft und gemutmaßt. Es sind natürlich alles Idioten die da die Pegelvorhersagen machen. Totale Volltrottel, die Fehler machen. Unverschämt. Und wir werden geopfert, weil es Pläne gibt unseren Landstrich zu fluten nur damit die nächsten größeren Städte nicht volllaufen. Frechheit. Gemeineinheit. Ungerecht! Und natürlich sind auch die Menschen die grad hier Tag und Nacht helfen und arbeiten Spinner und Wichtigtuer.
Ich könnte kotzen.
Ich finde solche Gedanken traurig und klein. Ganz klein.
Ich bin einfach nur froh, dass...
... wir heute in der Lage sind solche Pegel überhaupt ein paar Tage im voraus zu berechnen.
... sofort unglaublich viele - zum großen Teil ehrenamtliche und freiwillige - Einsatzkräfte hier vor Ort sind und die Nächte durch arbeiten.
... es in unserem hochtechnisierten und gut organisierten Land deshalb nicht um Leben und Tod geht, sondern nur um Hab und Gut.
Ich trete den Einsatzkräften mit Respekt und Hochachtung entgegen, auch wenn sie gerade unsinnige Order befolgen.
Ich tue das, was ich tun kann. Ich selber kann nicht bei der Deichverteidigung helfen, weil ich Minimum bei mir habe. So hat Elvis dann gestern 12 Stunden Deichwacht gehalten und ist mit anderen Dorfbewohnern Deichkilometer um Deichkilometer abgelaufen und hat geschaut ob es Ermüdungserscheinungen oder Verletzungen des Deiches gibt.
Es gab einen kleinen Fehlalarm, weil ein Ortsunkundiger Feuerwehrmann meldete, dass an einer Stelle Elbwasser aus dem Deich austritt. Das wäre sehr gefährlich. Allerdings war es nur das Qualmwasser. Das kannte er nicht. Puh. Ich hab kurz gedacht jetzt müsste ich alle gepackten Kisten doch noch alleine hoch schleppen. Elvis war ja bei der Deichwacht und ich war damit beschäftigt die Kisten wieder auszusortieren.
Jetzt zu der anderen, sehr schönen Seite. Seit das Hochwasser im Anmarsch ist, melden sich ständig Menschen die uns Unterstützung anbieten. Auf digitalem und analogem Wege erreichen uns noch immer Hilfsangebote. So hat zum Beispiel die Voltigierlehrerin von Pelle jeden Tag angerufen, um uns ihre Informationen weiter zu geben und um Plätze für unsere Tiere zu finden und vorzubereiten.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen