Es gibt unglaublich viele Gründe warum Kinder in Schulen nicht gut aufgehoben sind. Ich nenne hier mal nur drei aus der Welt der Psychologischen Grundlagenforschung. Und da ich eben bemerkt habe, dass ich das doch umfangreicher erklären möchte als gedacht, stelle ich die drei Gründe einzeln vor. ich hätte auch fünf, zwanzig oder dreihundert Gründe nehmen können. Und ich weiß jetzt gerade noch gar nicht fest, welche drei ich nehmen werde. Das sind nur kleine exemplarische Gründe. Am Ende eines Psychologiestudiums bleibt einfach die traurige Erkenntnis, dass Nichts - wirklich gar Nichts für unser Schulsystem spricht...
Also hier ein erster psychologischer Effekt: Der Rosenthal-Effekt
Beispiel für den Effekt: Hat ein Lehrer bereits eine (vorweggenommene) positive Einschätzung der Schüler (etwa „der Schüler ist hochbegabt“), so wird sich diese Ansicht im späteren Verlauf auch bestätigen. Dieses wird dadurch ermöglicht, dass der Lehrer seine Erwartungen in subtiler Weise den Schülern übermittelt, z. B. durch persönliche Zuwendung, die Wartezeit auf eine Schülerantwort, durch Häufigkeit und Stärke von Lob oder Tadel oder durch hohe Leistungsanforderungen. Es handelt sich keinesfalls um eine absichtliche Handlung, sondern ist vielmehr unbewusst.
Wenn ich einem Lehrer erzähle, ich hätte seine Schüler untersucht und die Schüler x, y und z stehen vor einem Entwicklungsschub und würden im kommenden Schuljahr wesentlich besser lernen und deshalb besser in der Schule sein - passiert genau das. Genau diese Schüler werden besser abschneiden. Und das obwohl ich sie gar nicht getestet habe. Ich habe sie zufällig ausgewählt und den Lehrer angelogen. Trotzdem werden diese Schüler tatsächlich (messbar) besser in der Schule. Woran liegt das? Da gibt es eine Reihe von Faktoren. Zum Beispiel wartet ein Lehrer länger und geduldiger auf eine Antwort bei einem Schüler, dem er mehr zutraut. Er gibt so einem Schüler auch hochwertigere Antworten und hilfreicheres Feedback.
Was bedeutet das für den Schulalltag unserer Kinder? Wenn da Eltern sind, die sich mit dem Lehrer unterhalten und gute tiefsinnige Gespräche führen, nimmt der Lehrer an, dass diese Eltern schlau sind. Und unbewusst nimmt er dann auch an, dass die Kinder dieser Eltern schlau sind und ändert sein verhalten diesen Kindern gegenüber, was ihnen große Vorteile verschafft. Und schwupps haben wir eine absolut unfaire Situation. Und der Rosenthal-Effekt ist immer vorhanden. Kein Lehrer dieser Welt kann sich davor schützen. Ist das nicht unfair?
Genau so ist es. Mir wird ganz schlecht, wenn ich darüber nachdenke.
AntwortenLöschenMein Sohn ist ein ganz kreativer und schlauer Kerl. Wie er von seiner Lehrerin wahrgenommen wird ist nicht richtig. In der Schule ist er nur der langsame Träumer. Seine Gaben (Sprache, Lesen und Verstehen, Texte merken ohne auswendig lernen, ...) kann sie nicht sehen, warum auch immer. Sie kann die Stärken die ich sehe auf anfragen auch nicht bestätigen, sie weicht nur aus und reitet auf seiner Langsamkeit rum. Wir können da nur wenig ausrichten, da wir selten in die Schule kommen und ehr zu den (zu) ruhige Eltern gehören. Unsere Optik passt natürlich auch noch ins vorgefertigte Bild der Lehrerin.
Sie ist Lehrerin der alten Schule (Schönschrift bitte!), diese Klasse ihre letzte.
Er lernt eigentlich so gerne. Es fehlt nur die richtige Motivation in der Schule, stattdessen kommt er jeden Tag depri und mit gesenktem Kopf heim, weil er wieder nicht schön genug und schnell genug für ein Smilie-Stempel war. Entsprechend anstrengen fallen dann die Hausaufgaben aus.
Ich frage mich oft, wie bekommt man eine zarte Kinderseele heil durch die Schulzeit...?!
Liebe Grüße, Helena
Liebe Helena,
AntwortenLöschendas finde ich ganz ganz bedrückend was Du schreibst. Wir haben uns aus dem System verabschiedet und ich schreibe meine Gedanken aus einer sicheren Distanz heraus auf. Für mich sind die Schulgeschichten nur noch grausige Theorie. Aber wenn ich dann von echten Fällen höre wird mir ganz anders....
Es tut mir wirklich leid. Bleibt nur zu hoffen, dass er in Zukunft auf bessere Lehrer trifft.